Donnerstag, 22. August 2019

Headhunter "Ich hab' da was für Sie"

Wie steigen talentierte Nachwuchskräfte zu Top-Managern auf? manager magazin stellt die wichtigsten Headhunter Deutschlands vor - und sagt, wen sie ganz nach oben befördert haben.

Es gab Zeiten, da schien die Karriere des Alan Hippe schon vorbei, nachdem sie gerade erst richtig begonnen hatte. Hippe, fleißig, ehrgeizig, ein Schnelldenker, war 2002 mit nur 35 Jahren als jüngster Finanzchef eines Dax-Konzerns bei Conti Börsen-Chart zeigen eingestiegen. Sechs Jahre später galt er als heißer Kandidat für den Vorstandsvorsitz. Es kam anders. Schaeffler übernahm Conti. Hippes Mentor, Konzernchef Manfred Wennemer, verließ das Unternehmen - Pech für Hippe.

Inzwischen ist der ehrgeizige Jungmanager wieder im Rennen um einen Chefposten - nicht bei Conti, sondern bei ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen. Im April dieses Jahres folgte Hippe dem Ruf Gerhard Crommes in den Vorstand von Deutschlands größtem Stahlkonzern, wo er das Finanzressort übertragen bekam. Neben Stahlvorstand Edwin Eichler darf er sich nun Hoffnungen auf die Nachfolge von Konzernchef Ekkehard Schulz machen.

Dass sich das Blatt für Hippe so glücklich wendete, daran hat ein Personalberater kräftig mitgewerkelt: Heiner Thorborg (65) aus Frankfurt beobachtet Hippe seit Langem und stellte ihn im Hause Thyssen vor. Kaum eine Spitzenpersonalie in der deutschen Wirtschaft geht über die Bühne, ohne dass ein Headhunter seine Hand im Spiel hat. Mit kreativen Ideen und einem fein gesponnenen Kontaktnetz in die Führungsetagen gelingt es den Beratern immer wieder, das Besetzungskarussell anzustupsen und talentierten Managern den Weg zur Topkarriere zu ebnen.

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Titel
Die Jagd auf Wiedeking
Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Gerade in Zeiten, in denen die Zukunftsaussichten für viele Führungskräfte unscharf bis düster sind, kann die Hilfe eines Personalberaters den Weg aus der Sackgasse weisen. Doch wer sind diese versierten Beziehungsmakler? Wer hat wirklich Zugang zu den Etagen der Macht? Welche Berater sind im Kommen, wessen Einfluss schwindet eher?

Ein Mann wie Thorborg zählt zum Establishment seines Gewerbes. Unermüdlich netzwerkend, geht er stets allein auf Jagd; einer dieser einsamen Cowboys, die ihre Stiefel niemals ablegen. Kandidaten pflegt er über Jahre, als stiller Makler zwischen Unternehmen und Topmanagern ist er vermögend geworden. Von Zeit zu Zeit macht er mit seinem Ferrari Superamerica die Straßen im Taunus unsicher.

Wenn Thorborg für den klassischen Auftritt steht, dann ist Christoph Zeiss (35) das Enfant terrible der Zunft - obwohl seine Executive-Search-Firma Heads schon elf Jahre alt ist.

Der Ururgroßenkel von Carl Zeiss pflegt den zackigen Stil, er bevorzugt schnelle harte Sätze, unter jungenhaftem Gesicht trägt er gern schnittige Anzüge mit Einstecktuch. Nicht unbedingt ideale Voraussetzungen für die leise Welt der Personalberater, in der gedämpftes Munkeln den guten Ton macht und ein Mittfünfziger noch als Newcomer durchgeht.

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