Mittwoch, 11. Dezember 2019

Sal. Oppenheim Klub der Hasardeure

Die Unabhängigkeit von Sal. Oppenheim ist Geschichte. Die baldige Neueigentümerin Deutsche Bank entsendet bereits erstes Spitzenpersonal. Doch was steckt wirklich hinter dem Ende des Bankhauses. Das Protokoll einer unglaublichen Verschwörung.

Man schreibt Mittwoch, den 10. Juni 2009. Auf dem Gelände des Galoppergestüts Schlenderhan nahe Köln gibt die Bankiersfamilie von Oppenheim einer der Ihren das letzte Geleit. Beklagt wird der Verlust der im Alter von 87 Jahren verstorbenen Karin Baronin von Ullmann.

Mit der Seniorin, einer geborenen Freiin von Oppenheim, verschied das Oberhaupt jenes Familienstammes (Stamm "Ullmann"), der am stärksten an Europas größter Privatbank, Sal. Oppenheim, beteiligt ist - an diesem einstmals so stolzen Institut, das von seinen ebenso raffgierigen wie inkompetenten Leitern verwirtschaftet, verspekuliert, verzockt wurde und sich deshalb im 221. Jahr seines Bestehens unter das Dach der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen flüchten muss.

Mit den beiden Kindern der Verblichenen, den Zwillingen Ilona Gräfin von Krockow und Georg Baron von Ullmann (55), versammeln sich Dutzende von Angehörigen auf dem kleinen Friedhof des familieneigenen Schlosses Schlenderhan.

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Da bleibt es nicht aus, dass am offenen Grab die wichtigsten Gremienvertreter der Bank zusammentreffen. Der trauernde Sohn Georg sitzt dem Aufsichtsrat vor. Der Mann an Ilonas Seite, ihr Gemahl Matthias Graf von Krockow (60), führt das Institut. Christopher Freiherr von Oppenheim (44) ist persönlich haftender Gesellschafter und gehört dem zweitmächtigsten Gesellschafterkreis (Stamm "Lindenallee", nach dem Familiensitz in Köln) an. Sein Onkel Friedrich Carl (Kosename "Bülein") Freiherr von Oppenheim (72) leitet den Aktionärsausschuss, und Nicolaus Freiherr von Oppenheim (53) vertritt den kapitalmäßig schwächsten der drei Familienzweige (Stamm "Eberhard", benannt nach einem Ahnen).

Und dann fällt da noch ein rundlicher und glatzköpfiger Mann im exquisiten dunklen Zwirn auf. Weder zählt er zur Verwandtschaft noch sonst irgendwie zum Adel, gleichwohl pflegt er enge Bande zum Bankhaus und zu dessen Chef Krockow: Der Maurerpolier und Immobilienunternehmer Josef Esch (53) - ein begnadeter Strippenzieher, der den Reichtum von gut einem Dutzend Milliardärsfamilien verwaltet und dem Institut viele Kunden zugeführt hat.

© manager magazin 11/2009
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