Modedesigner Moritz Waldemeyer Der Beleuchter

In London macht ein junger Gestalter aus Sachsen-Anhalt von sich reden: der Mechatroniker Moritz Waldemeyer, über den das "New York Times Magazine" unlängst titelte, dass er "die Designwelt revolutioniere". Wo siedelt sich so einer an - bei der Technik, beim Design, bei der Kunst gar?

Reihenhäuser, nichts als Reihenhäuser, mal mit einem Rosenstrauch, mal mit einer Hortensie oder Zierkirsche im handtuchgroßen Vorgarten. In einer dieser zweigeschossigen Kleinbürgerwohnburgen am Themse-Knie im Londoner Stadtteil Fulham hat ein Shootingstar der Gestaltung sein Studio, über den das "New York Times Magazine" unlängst titelte, dass er "die Designwelt revolutioniere".

Eine enge Stiege hoch öffnet Moritz Waldemeyer die Wohnungstür, ein hagerer 35-Jähriger mit schwarzem Schopf, unrasiertem Kinn und freundlichem Melancholikerblick. Am Fenster hängt sein jüngstes Werk, eine schwarze Bomberjacke, wie mit Patronengurten bestückt mit Hunderten kleiner Laserlampen, durch haarfeine Leitungen verdrahtet. Das Stück gehört zum Stagedress des Rocksängers Bono (U2), der damit auf Welttournee unterwegs ist und es während einer Pause nur zur Wartung hier geparkt hat.

"Da geht schon mal was entzwei, wenn der wie Tarzan über die Bühne tobt", sagt Waldemeyer. Der Pfiff der Klamotte: Die Laserstrahlen geben dem Sänger im Bühnennebel überirdischen Glanz. Und die Fans sind schier von Sinnen. "Deshalb baue ich ihm gleich noch eine neue."

Lötkolben, CNC-Fräse und Computer sind das Handwerkszeug des Modedesigners aus Halle an der Saale, der seine Ausbildung zum Mechatroniker im Jahr 2000 am Kings College in London mit einem Master abschloss. Seine bisher schönsten Laufstegerfolge feierte er 2006 und 2007 auf der Paris Fashion Week mit Modellen für den Modemacher Hussein Chalayan, seit Kurzem Kreativdirektor des Sportlabels Puma. Mit dem Zyprioten baute er futuristische Kleider für den Kristallhersteller Swarovski, die im weiten Feld zwischen tragbarer Mode und erhabener Kunst angesiedelt sind, aber auch den Geist von Science-Fiction atmen.

Mal kam dabei ein Kleid aus lauter funkelnden metallenen Platten heraus, die sich hoben und senkten, entweder eng anlagen oder wie ein Petticoat sich spreizten (und so gewagte Blicke erlaubten). Ein anderes Mal entstand ein Kleid, auf dem Tausende programmierter Leuchtdioden quasi in einer Art Video auf dem Leib der Trägerin eine Rose zum Erblühen brachten.

Und dann wieder besetzte Waldemeyer Kleider und Hüte mit Dutzenden rot leuchtenden Lasern, die ihre Besitzerinnen in wahre Feuerwerke verwandelten. Und den Betrachter in Schauer der Verzückung stürzten. Das People-Blatt "Gala" trompetete daraufhin ob des nie zuvor gesehenen Augenspuks - ohne den Schöpfer zu erwähnen - alliterierend: "Hoch lebe Hightech!"

"Die Idee ist", sagt Waldemeyer, "die Grenzen der Mode zu überschreiten und neue Territorien zu erforschen."

Wo siedelt sich so einer an - bei der Technik, beim Design, bei der Kunst gar?

"Ich mag das nicht trennen, sondern sehe das als Einheit - wie die Menschen in der Renaissance", sagt er. Folglich macht er nicht nur Mode. Sondern hat interaktive Spiegel für einen Wonder Room von Selfridges entworfen, zusammen mit der Architektin Zaha Hadid Küchenequipment für DuPont, mit dem Designer Ron Arad Kronleuchter für Swarovski. Und - der Gipfel - mit der Künstlerin Jenny Holzer auch Luxuslampen für den italienischen Hersteller Flos, limitierte Auflage, für rund 90.000 Euro das Stück.

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