SWMH In der Schuldenfalle

Mit der Übernahme der "Süddeutschen Zeitung" hat sich die Südwestdeutsche Medien Holding in Schwierigkeiten gebracht. Der neue "SZ"-Eigner sitzt in der Schuldenfalle. Der Süddeutsche Verlag hat unterdessen betriebsbedingte Kündigungen angekündigt.
Von Klaus Boldt

Richard Rebmann (51), die Kanone vom "Schwarzwälder Boten", erregt bei seinen Leuten zurzeit nur wenig Glücksgefühle, von Jubel gar kann überhaupt keine Rede sein. Anfang vergangenen Jahres hat der Mann aus Oberndorf die Regie bei der Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH) in Stuttgart übernommen, einer verschwiegenen Organisation, die sich im Besitz von etwa zwei Dutzend regionaler und lokaler Verlagshäuser befindet und rund 355 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, aber weder dazu noch zu irgendetwas anderem auch nur die geringste Andeutung macht.

Zum Schwaben-Syndikat gehören neben Rebmanns "Boten" und anderen Prachtexemplaren die "Stuttgarter Zeitung" und die örtlichen "Nachrichten" sowie der Süddeutsche Verlag (SV) mit seiner "Süddeutschen Zeitung". Zu den Gemeinsamkeiten, die die Publikationen aufweisen, gehören die Schwierigkeiten, in denen sie stecken.

In der Gilde herrscht Gefahr. Das Inserategeschäft ist seit Jahren rückläufig, der allgemeine Abschwung richtete in den Bilanzen zusätzliche Schäden an. Der Süddeutsche Verlag meldete am Dienstag, dass er mit betriebsbedingten Kündigungen auf die Anzeigenkrise und die Umsatzeinbrüche reagiert: Etwa 5 Prozent der Belegschaft müssen gehen.

Über 100 der gut 1500 SWMH-Stellen ließ Rebmann seit Amtsantritt streichen oder auslagern, zuletzt wurde die Schließung der Redaktion von "Sonntag Aktuell" angekündigt, die als siebte Ausgabe von 44 Tageszeitungen im Raum Stuttgart, Ulm und Rhein-Neckar eine verkaufte Auflage von 660.000 Exemplaren erreicht. In Deutschland ist nur die "Bild am Sonntag" größer.

Die Stimmung im Stuttgarter Pressehaus ist miserabel. Im Dezember werden weitere Dienste ausgelagert, darunter der Kantinenbetrieb. Die Angst geht um, dass 2010 weitere 250 Stellenstreichungen folgen.

Die Stuttgarter sind keine armen Leute, dies gilt zumal für den öffentlichkeitsscheuen Milliardär Dieter Schaub und seine Medien Union ("Rheinpfalz"). Er bildet mit einem Anteil von 45,9 Prozent das Kraftzentrum der SWMH und würde seinen Einfluss gern vergrößern.

Die Belegschaft fürchtet nun, dass sie für Rebmanns und Schaubs Expansionsstrategie büßen muss: Anfang 2008 hatten die Schwaben ihre Beteiligung am SV um 62,5 auf 81,25 Prozent aufgestockt: Der Kaufpreis betrug 625 Millionen Euro, vielleicht etwas mehr. Die Bruttoerträge der SWMH hatten 2007 bei 72,3 Millionen Euro gelegen, diejenigen des SV 83,8 Millionen Euro erreicht: Die Finanzierung, dachte man, sei kein Problem.

Streich zum dümmstmöglichen Zeitpunkt

Doch der Streich erfolgte zum dümmstmöglichen Zeitpunkt: mitten hinein in die Rezession. Nicht nur war der Wert des SV höher veranschlagt worden, als er sich schon wenig später erweisen sollte, auch bei der Finanzierung ging man von Voraussetzungen aus, die schnell ihre Gültigkeit verloren hatten.

Die LBBW soll ein Schuldscheindarlehen über 300 Millionen Euro mit fünfjähriger Laufzeit beigesteuert haben. 40 Millionen Euro seien jährlich zu tilgen, die Restschuld von 100 Millionen Euro auf einen Schlag. Zeichnern gegenüber hatte man offenbar ein Zukunftsbild in rosigen Farben gemalt: Der Umsatz von SWMH und SV würde von 1,14 Milliarden (2008) auf 1,22 Milliarden Euro klettern, das Ebitda von 169,9 auf 190 Millionen Euro. Bis 2010 sollten die Verbindlichkeiten, zu denen angeblich auch ein Großkredit bei der BW Bank gehört, auf 357,9 Millionen Euro zurückgeführt werden. Rebmann bestreitet die Angaben, will sich ansonsten aber nicht äußern.

Vor allem der SV enttäuschte die Erwartungen. Seine Einnahmen blieben deutlich hinter der letzten offiziellen Meldung von 727,5 Millionen Euro (2007) zurück und erreichten 2008 nur noch 680 Millionen Euro. Dabei wird es nicht bleiben. Der Anzeigenrückgang der "Süddeutschen" hat katastrophale Ausmaße angenommen. Der Rückgang bei den Einnahmen seit Sommer 2008 beträgt über 50 Millionen Euro. Ein Verlust ist in diesem Jahr kaum mehr zu verhindern, im Haus befürchtet man einen Fehlbetrag von bis zu zehn Millionen Euro. Über die geplanten Sparmaßnahmen hat die SWMH die Belegschaft ihrer bayerischen Tochterfirma im Unklaren gelassen. Am morgigen Dienstag findet eine Betriebsversammlung statt.

Im Eignerkreis der SWMH befürchtet man, dass Rebmann im kommenden Monaten eine Kapitalerhöhung beantragen oder eine Umlage einfordern muss, um den Finanzbedarf zu stillen. Nicht alle werden dazu in der Lage sein. Im Gegenteil, viele Kleinverleger waren auf ihren Gewinnanteil aus Stuttgart angewiesen und können sich kein Zuschussgeschäft leisten.

Die Sorgen in der Belegschaft wachsen. Am 15. Oktober haben rund 1200 SWMH-Beschäftigte in Stuttgart, München und Suhl gegen mögliche Sparmaßnahmen demonstriert. Wie es heißt, soll die Redaktion der "Stuttgarter Nachrichten" in Zukunft nicht nur die Produktion von "Sonntag Aktuell" übernehmen, sondern auch Publikationen wie das "Freie Wort" in Suhl mit ihrem Mantelteil beliefern.

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