Magna-Chef Stronach Spieler mit viel PS

Magna-Chef Frank Stronach will Opel retten. Der Kaufvertrag könnte am Donnerstag unterzeichnet werden. Doch ist der Austro-Kanadier geeignet, den Rüsselsheimer Autobauer in eine erfolgreiche Zukunft zu führen? Undurchsichtige Kapitaltransfers in Stronachs Firmenimperium nähren Zweifel.
Von Grit Beecken

Als der Mann, dem die Bundesregierung Opel anvertrauen will, sein Pferd zur Siegerehrung führt, münden seine Mundwinkel in breite Grübchen. Sich selbst hält Frank Stronach (76) aufrecht und die Longe nah an den Nüstern der braunen Stute "Ginger Brew". Auf seinen dunkelblauen Anzug nimmt der Gründer des Autozulieferers Magna  bei den mit gut 450.000 Dollar dotierten Woodbine Oaks von Toronto keine Rücksicht.

Der Pferdesport ist eine teure Passion, Stronach hat sie institutionalisiert. Über die Firma Magna Entertainment (MEC) betreibt der Vollblutzüchter berühmte Rennbahnen wie Santa Anita bei Los Angeles oder Gulfstream in Florida und mehrere Kasinos. Das Geschäft ist hochdefizitär, am Leben erhielten es lange nur opulente Kredite aus Stronachs Imperium.

Doch am Ende reichten auch diese nicht mehr aus. MEC hat in den vergangenen Jahren mehr als 500 Millionen Dollar Verluste geschrieben, im März stellte das Unternehmen Insolvenzantrag unter dem US-amerikanischen Chapter 11.

Die Pleite wirft ein schräges Licht auf den künftigen Opel-Miteigner, den deutsche Politiker hofieren, seit er sein Interesse am Rüsselsheimer Autobauer bekundet hat. In Nordamerika hat Stronach durch unternehmerische Fehlentscheidungen und undurchsichtige Kapitaltransfers reichlich Investorenvertrauen verloren. Hierzulande blieben die Ereignisse noch weitgehend unbemerkt.

Dabei deuten die Geschäftsberichte von Stronachs Unternehmen auf die bestehenden Interessenkonflikte hin: Die Holding Stronach Trust betreibt eine Firma namens M Unicar. Über sie kontrolliert der PS-Magnat den Autozulieferer Magna. Gleichzeitig ist Stronach Trust Hauptaktionär des Immobilienunternehmens MI Developments. Letzteres ist Hauptaktionär und größter Gläubiger von MEC. Über die Jahre flossen rund 372 Millionen Dollar an Darlehen in die Zockerbude.

"MEC hat viel zu viele Schulden und zu hohe Zinsausgaben", räumt Stronach lapidar ein. Dass die Kredite vom Hauptaktionär gewährt wurden, lässt er unerwähnt. Doch Investoren sprechen seit Langem von Quersubventionen innerhalb des Stronach-Imperiums. Jetzt klagen externe MEC-Gläubiger.

"MI Developments missbrauchte die Kontrolle über MEC, um es durch Geldspritzen in Form von Krediten künstlich liquide zu halten", steht in der Klageschrift. Dabei habe der Vorstand stets gewusst, dass die Kredite ausfallen würden. "Währenddessen zog MI Developments in Form von Zinsen und Gebühren enorme Summen aus der insolventen MEC ab", heißt es weiter. Zudem seien kurz vor dem Chapter-11-Antrag 125 Millionen Dollar aus der MEC in das Stronach-Imperium geflossen - "in betrügerischer Absicht". MI Developments weist die Vorwürfe zurück.

Millionen im Glücksspielgeschäft verpulvert

Die Klageschrift ist das vorläufige Ende eines gigantischen Expansionsplans, der unter dem Dach des Autobauers Magna begann. 1998 kaufte Stronach seine erste Rennbahn, Santa Anita. Von 1999 an wollte er aggressiv in den Markt für Internetwetten eindringen. "Am Ende wird eine Marke entstehen, die wertvoller ist als Coca-Cola", hatte er damals getönt.

Als sich die Aktionäre über den teuren Ausflug in die Welt der Pferdewetten verstimmt zeigten, gliederte Magna MEC und die Immobiliensparte aus. Bis dahin hatte Stronach schon 550 Millionen Dollar für das Glücksspielgeschäft verpulvert.

Stronach kontrolliert weiterhin alle drei Firmen. Magna und MI Developments sitzt er als Chairman vor. Eine pikante Doppelrolle, denn MI Developments besitzt viele der Stätten, in denen Magna operiert. Stronach handelt somit als Vermieter und Mieter. Für die kommenden Jahre wurden Mietverträge im Volumen von 1,25 Milliarden Dollar abgeschlossen. Die Unternehmen weisen auf den Interessenkonflikt hin, betonen aber, die Mieten seien marktüblich.

Der Sinn der diversen Grundstücksverkäufe zwischen den beiden Unternehmen hingegen ist selbst für Insider nicht immer nachvollziehbar. Allein für die Jahre 2006 bis 2009 weist die Bilanz von Magna Transaktionen im Volumen von 124,7 Millionen Dollar aus.

Wer sich über Unregelmäßigkeiten oder Intransparenz beklagt, dem antwortet Stronach, wem seine Art der Unternehmensführung nicht gefalle, der könne seine Aktien ja verkaufen. Was inzwischen auch etliche institutionelle Investoren wie der Toronto-Teachers- Pensionsfonds getan haben.

Stronach lässt das ungerührt. Für seine Leidenschaft nimmt der Alleinherrscher offensichtlich auch Dividendenkürzungen in Kauf. So halbierte Magna 2007 die Ausschüttung an seine Aktionäre mit dem Verweis auf die angespannte Lage in der Autobranche. Kurz zuvor hatte das Unternehmen MEC für 84 Millionen Dollar zwei Golfplätze abgekauft. Auf die Frage, wofür ein Autobauer Golfplätze brauche, hieß es bei Magna, man nutze das Grün, um seine Gäste zu bewirten.

Die deutsche Regierung, die den Verkauf von Opel an Magna mit bis zu sechs Milliarden Euro Steuergeldern subventionieren soll, darf sich auf ähnliche Antworten einrichten. In Österreich jedenfalls sind die internen Geldverschiebungen kein einmaliges Ereignis: 2007 kaufte der Autozulieferer Magna von MEC 91 Hektar Land in der Nähe von Wien, um es "für automotive Zwecke zu nutzen", wie ein Sprecher sagt. Das Gelände liegt ungenutzt brach.