Donnerstag, 5. Dezember 2019

Magna-Chef Stronach Spieler mit viel PS

2. Teil: Millionen im Glücksspielgeschäft verpulvert

Die Klageschrift ist das vorläufige Ende eines gigantischen Expansionsplans, der unter dem Dach des Autobauers Magna begann. 1998 kaufte Stronach seine erste Rennbahn, Santa Anita. Von 1999 an wollte er aggressiv in den Markt für Internetwetten eindringen. "Am Ende wird eine Marke entstehen, die wertvoller ist als Coca-Cola", hatte er damals getönt.

Unübersichtlich: Geldflüsse innerhalb des Stronach-Reichs
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Unübersichtlich: Geldflüsse innerhalb des Stronach-Reichs

Als sich die Aktionäre über den teuren Ausflug in die Welt der Pferdewetten verstimmt zeigten, gliederte Magna MEC und die Immobiliensparte aus. Bis dahin hatte Stronach schon 550 Millionen Dollar für das Glücksspielgeschäft verpulvert.

Stronach kontrolliert weiterhin alle drei Firmen. Magna und MI Developments sitzt er als Chairman vor. Eine pikante Doppelrolle, denn MI Developments besitzt viele der Stätten, in denen Magna operiert. Stronach handelt somit als Vermieter und Mieter. Für die kommenden Jahre wurden Mietverträge im Volumen von 1,25 Milliarden Dollar abgeschlossen. Die Unternehmen weisen auf den Interessenkonflikt hin, betonen aber, die Mieten seien marktüblich.

Der Sinn der diversen Grundstücksverkäufe zwischen den beiden Unternehmen hingegen ist selbst für Insider nicht immer nachvollziehbar. Allein für die Jahre 2006 bis 2009 weist die Bilanz von Magna Transaktionen im Volumen von 124,7 Millionen Dollar aus.

Wer sich über Unregelmäßigkeiten oder Intransparenz beklagt, dem antwortet Stronach, wem seine Art der Unternehmensführung nicht gefalle, der könne seine Aktien ja verkaufen. Was inzwischen auch etliche institutionelle Investoren wie der Toronto-Teachers- Pensionsfonds getan haben.

Stronach lässt das ungerührt. Für seine Leidenschaft nimmt der Alleinherrscher offensichtlich auch Dividendenkürzungen in Kauf. So halbierte Magna 2007 die Ausschüttung an seine Aktionäre mit dem Verweis auf die angespannte Lage in der Autobranche. Kurz zuvor hatte das Unternehmen MEC für 84 Millionen Dollar zwei Golfplätze abgekauft. Auf die Frage, wofür ein Autobauer Golfplätze brauche, hieß es bei Magna, man nutze das Grün, um seine Gäste zu bewirten.

Die deutsche Regierung, die den Verkauf von Opel an Magna mit bis zu sechs Milliarden Euro Steuergeldern subventionieren soll, darf sich auf ähnliche Antworten einrichten. In Österreich jedenfalls sind die internen Geldverschiebungen kein einmaliges Ereignis: 2007 kaufte der Autozulieferer Magna von MEC 91 Hektar Land in der Nähe von Wien, um es "für automotive Zwecke zu nutzen", wie ein Sprecher sagt. Das Gelände liegt ungenutzt brach.

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© manager magazin 9/2009
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