Kunstpause Explodierender Kunstdschungel

Der dänisch-israelische Shootingstar Tal R ist auf der Überholspur. Der ehemalige Amateurboxer, der in Tel Aviv als Tal Rosenzweig Tekinoktay geboren wurde, aber in Kopenhagen aufwuchs, beruft sich unter anderen auf Edvard Munch und Alfred Jensen. Innerhalb weniger Jahre eroberte sich seine Kunst die internationalen Bühnen.
Von Linde Rohr-Bongard

An was erinnern die farbenprächtigen Bilder, Collagen, Zeichnungen, Grafiken, Stoffarbeiten und Skulpturen des dänisch-israelischen Künstlers Tal R?

An psychedelische Plattencover der Beatles? An den poetischen Kosmos von Paul Klee? An die humorigen Stoffskulpturen des Pop-Artisten Claes Oldenburg? An erfrischende Kritzeleien von Kindern? An rotzige Graffiti des jung verstorbenen Jean-Michel Basquiat? Oder an Ausbrüche der Cobra-Gruppe? Alles richtig! Alles zutreffende Referenzen!

Der ehemalige Amateurboxer, der 1967 in Tel Aviv als Tal Rosenzweig Tekinoktay geboren wurde, aber in Kopenhagen aufwuchs, beruft sich gern auch auf Edvard Munch und den Abstrakten Alfred Jensen. Innerhalb weniger Jahre eroberte sich seine Kunst, die das Dekorative unbekümmert umarmt, internationale Kunstbühnen.

Wichtige Museen wie das Bonnefantenmuseum in Maastricht oder das Traummuseum Louisiana am Öresund führten kürzlich in Einzelausstellungen seine höchst eigenständigen Produktionen vor. Wichtige Schützenhilfe für seine stürmische Karriere leistet die Berliner Oberliga-Galerie CFA am Kupfergraben. Galeriechef Bruno Brunnet sagt: "Tal R erstaunt durch seine schöpferische Vielfalt.

Spielerisch bewegt er sich in den verschiedensten Medien wie Malerei, Skulptur, Textilkunst, Modedesign, Künstlerbuch et cetera. Werkzeuge sind diese Medien, nicht mehr und nicht weniger."

Zeichnungen von Tal R kosten zwischen 3500 und 15.000 Euro. Die Bilder liegen zwischen 40.000 (120 mal 120 Zentimeter) und 65.000 Euro (200 mal 200 Zentimeter), die Skulpturen starten bei 20.000 Euro.

Seit 2005 tummelt sich der 42-Jährige als Professor für Malerei an der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie. "Es gibt keinen Unterschied zwischen Kunst machen und Kunst lehren." Was zeichnet einen guten Professor aus? "Neugier, Sexappeal und gute Erinnerungen an das eigene Studentendasein."

"Der Quentin Tarantino der Kunst"

Megasammler mit Privatmuseen wie die Münchnerin Ingvild Götz oder die Wiener Agnes und Karlheinz Essl reißen sich um seine vitalen Bilder und humorvollen Skulpturen aus Bronze, Keramik, Stoffen oder zusammengeknautschten Abfallprodukten.

Ja, Tal R ist leidenschaftlicher Müllsammler und findet seine Materialien häufig auf der Straße. Reste von Grillpartys, Früchte, Fahrradfelgen oder Spielzeug sind als Bausteine genauso wichtig wie Stoffe aus aller Welt, die er in seinem weiträumigen Studio "Palace" am Rande von Kopenhagen recycelt.

Als "Kolbojnik" umschreibt er seine vertrackte Produktion - ein jiddischer Ausdruck für Abfalleimer im Kibbuz. "Ich sehe meine Kunst als einen Hybriden irgendwo zwischen dem Dänischen und dem Jüdischen - wie Moses auf dem Berg draußen im Schrebergarten." Die Quellen sind unerschöpflich: Anleihen bei afrikanischen Skulpturen kreuzen russische Volkskunst und amerikanische Quilts. Abbildungen von Picasso treffen auf Pornohefte.

Gibt es ein Konzept für diesen überbordenden Dschungel? "Ich habe immer einen Plan, dem ich folgen muss. Aber am Ende interessiert mich viel stärker der Punkt, an dem meine Idee umkehrt und mir ins Gesicht spuckt." Nicht die Realisation ist wichtig. Tal R trägt die eigendynamischen Kapriolen mit Humor: "Meine Bilder und Skulpturen sagen mir schon, wann sie fertig sind."

Kunstfreunde können sich noch bis zum 4. Oktober von seiner Resteverwertung stimulieren lassen. Die Tübinger Kunsthalle zeigt Tal Rs umfassende Werkschau "You Laugh an Ugly Laugh" mit 26 Bildern, 38 Skulpturen, 12 Collagen und etlichen Papierarbeiten. Daniel J. Schreiber, geschäftsführender Kurator der Kunsthalle Tübingen, argumentiert: "Tal R ist der Quentin Tarantino der Kunst. Bekannte Muster der Trivialkultur verwebt er in einer komplexen Erzählstruktur, die mehr Interesse für die Neben- als für die Hauptwege zeigt.

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