Donnerstag, 5. Dezember 2019

Aufstieg Wachwechsel im Goldfischteich

Viele Führungskräfte haben ihre Karrierepläne auf Eis gelegt. Dabei könnten sie sich gerade in diesen Zeiten für höhere Positionen empfehlen. Allerdings sind die Anforderungen schärfer geworden. manager magazin hat sechs renommierte Personalexperten befragt und verrät, was sie Auf- und Umsteigern jetzt raten.

Im Prinzip war Marc Benders Idee, sich nach dem Abschluss in Business Administration auf die IT-Branche zu konzentrieren, eine kluge Entscheidung. Im Prinzip. Wäre da nicht die Krise gewesen, die gekürzten Investitionen, die gekappten Projekte. Also machte sich Bender (32), der keiner ist, der schnell die Flinte ins Korn wirft, als IT-Berater selbstständig. Er arbeitete viel für das Münchener Systemhaus Skytec, bewies Motivationsgeschick und ruhiges Blut im Umgang auch mit schwierigen Kunden.

Als die Dotcom-Krise vorbei war, wurde sein Einsatz in schwierigen Zeiten belohnt: Skytec übernahm ihn als Projektleiter, wenig später wurde er stellvertretender Abteilungsleiter. Sein Motto - "Jedes Problem kann die größte Chance deines Lebens sein" - hatte sich bewährt.

Das neue manager magazin

Titel
Die Jagd auf Wiedeking
Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Das war 2005, und die Flaute, die damals zu Ende ging, wirkt heute beinahe niedlich. Der Führungsnachwuchs ist verunsichert, viele befürchten laut einer Umfrage von PricewaterhouseCoopers einen schweren Karriereknick; fast 80 Prozent der Befragten gaben zu Protokoll, der Wind in den Managementetagen sei rauer geworden. Sie richten sich auf härtere Zeiten ein, begraben ihre hochfliegenden Karrierepläne.

Das könnte exakt die falsche Strategie sein. Denn auch die aktuelle Flaute bietet jungen Berufserfahrenen mehr Chancen, sich zu beweisen und zum Auf- oder Umsteigen, als vielen bewusst ist. "In Krisen werden die Führungsebenen durcheinandergewirbelt", sagt Kienbaum-Geschäftsführer Tiemo Kracht.

Der in guten Zeiten behäbige Personalorganismus kommt in Bewegung und bietet gerade den Anfang- bis Mittdreißigern neue Möglichkeiten. Kracht nennt das den "Guttenberg-Effekt": Weil die Arrivierten mit zur desolaten Lage beigetragen haben, kann jetzt die zweite oder dritte Reihe an die Spitze rücken - und schafft unten wieder Platz für Aufsteiger.

Zumal, wie Audi-Personalvorstand Werner Widuckel beobachtet, "viele Firmen aus den vergangenen Krisen gelernt haben und keinen hektischen Personalabbau wie noch Anfang der 90er betreiben". Die Führungskräfte- und Personalentwicklung laufen weiter, vielerorts auch die Einstellungen, wenn auch auf niedrigerem Niveau.

Seite 1 von 2

© manager magazin 9/2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung