Die besten Arbeitgeber Karriere 2009 - es geht doch

Keine Chance für Hochschulabsolventen im Krisenjahr? Stimmt nicht: Die Jobchancen für angehende Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure sind besser als befürchtet. manager magazin hat ermittelt, welche Unternehmen die beliebtesten sind und was sie von ihren Mitarbeitern erwarten.
Von Michael Gatermann und Klaus Werle

Ein zeitgeistiges Unternehmen: Der Vorstandsvorsitzende trägt Jeans, seine Jungmanager kommen ohne Schlips, vom Mitarbeiter bis zum Vorstand gibt's nur drei Hierarchiestufen. Aber manches läuft auch in der Zukunftsbranche Fotovoltaik genau wie in der alten Wirtschaft: Wenn der oberste Chef sich etwas wünscht, soll es besser schnell gehen. Also bekam Frank Asbeck, Gründer der Bonner Solarworld AG, den Carport mit Solaranlage, in dem nun sein Maserati parkt. Und Thorsten Schmidt, der nach dem FH-Examen im vergangenen Jahr als Produktmanager für Solarstrombausätze bei dem Fotovoltaikunternehmen eingestiegen ist, hat jetzt die Aufgabe, die Lieblingsidee des autobegeisterten Chefs zur Marktreife zu bringen.

Der 27-jährige Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt technische Umweltplanung, der im vergangenen Herbst - immerhin hatte die Krise schon begonnen - auf vier Bewerbungen drei Zusagen bekam, hat sich bewusst für Solarworld entschieden: "Fotovoltaik ist die Zukunft, die Firma wächst, und wer gute Leistungen bringt, hat bessere Aufstiegsmöglichkeiten als anderswo."

Da klingt er ganz wie sein Chef Asbeck, dem ein Viertel des Aktienkapitals gehört: "Wir sind ein idealer Arbeitgeber für Jobeinsteiger - wir bieten die Kombination von gutem Gewissen und sicheren Arbeitsplätzen mit hoher Eigenverantwortung."

Zumindest der technische Nachwuchs teilt die Einschätzung des Westfalen. Im deutschen Absolventenbarometer 2009, in dem das Trendence Institut  für manager magazin Examenskandidaten an deutschen Hochschulen nach ihren Wunscharbeitgebern fragt, landete Solarworld bei angehenden Ingenieuren als Neueinsteiger sofort auf einem beachtlichen 15. Platz.

Dabei rangieren naturgemäß die ganz Großen vorn. Bei den Technikern ist die Faszination Automobil ungebrochen, Audi ist Spitze, gefolgt von Porsche und BMW. Die Wirtschaftler betrachten immerhin die krisengeschüttelte Branche etwas distanzierter und wählten Lufthansa zu ihrem liebsten Arbeitgeber.

Holger Koch, Geschäftsführer von Trendence, stellt einen leichten Blechschaden bei der Autobranche fest: "Die Unternehmen haben einen Dämpfer bekommen; selbst wenn manche ihren Rang verteidigen konnten, haben sie doch prozentual verloren", beobachtet er, "sicher spielen die Hiobsbotschaften der vergangenen Monate hier eine gewisse Rolle."

Einschätzung der Marktchancen

Wenn auch die Beliebtheit der Unternehmen sich bei den Absolventen nur sehr langsam verändert, registriert Koch doch einen gravierenden Umschwung bei der Einschätzung der persönlichen Marktchancen: Hatten bei der Befragung im Frühjahr 2008 nur 26 Prozent der Wirtschaftler und 12 Prozent der Ingenieure geäußert, dass es schwierig würde, in diesem Jahr eine adäquate Anstellung zu finden, stieg der Anteil der Skeptiker im Krisenjahr 2009 bei den Wirtschaftswissenschaftlern auf zwei Drittel und bei den Ingenieuren auf 51 Prozent. "Jung, gut ausgebildet, chancenlos" beschrieb SPIEGEL ONLINE im Juni die Lage.

Doch zumindest für Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure stellt sich die Situation nicht so dramatisch dar. Zwar reduzieren 10 der insgesamt 30 von manager magazin befragten Dax- Unternehmen in diesem Jahr die Zahl der Hochschulabsolventen, die sie einstellen, doch die meisten Personalabteilungen bleiben auf ihrem Kurs.

"Topabsolventen können nach wie vor davon ausgehen, dass sie schnell einen passenden Job finden", beobachtet Wolfgang Zieren, Personalvorstand beim Wirtschaftsprüfer KPMG. Was müssen Kandidaten mitbringen, wenn ihnen im Krisenjahr ein guter Start gelingen soll?

Sie könnten sich Carolin Hegerl zum Vorbild nehmen. Die 26-Jährige, die seit eineinhalb Jahren bei KPMG arbeitet, ist die ideale Kandidatin:

  • Carolin Hegerl studierte Technologie- und Managementorientierte Betriebswirtschaftslehre an der TU München mit gutem Abschluss,
  • machte Praktika bei BMW, Bosch und natürlich KPMG,
  • engagierte sich bei der studentischen Unternehmensberatung Academy Consult und als Betreuerin von Hauptschülern, die sich auf die Bewerbung für eine Lehrstelle vorbereiteten, und
  • verbrachte ein Semester an der Hawaii Pacific University, Honolulu.

Das macht sich nicht nur gut im Lebenslauf, sondern bringt auch Spaß.

Eingangsvoraussetzung für einen Job bei einem der begehrten Arbeitgeber ist fast immer eine gute Examensnote. "In der Regel erwarten wir mindestens ein Zweier-Examen", sagt Zieren, "wenn das ausnahmsweise mal nicht der Fall ist, der Bewerber aber an anderer Stelle mit einer herausragenden Leistung oder mit seiner Persönlichkeit überzeugt, hat er bei uns auf jeden Fall eine Chance." Auch Dreier-Kandidaten, und das ist nicht nur bei KPMG so, haben ihre Chance.

"Wir wissen schon, dass sich die Begabung nicht nur in den Zeugnissen abbildet", meint Hans Helmut Schetter, Personalvorstand beim Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger, "wenn einer bei uns am Tisch sitzt, zählt auch anderes." Die Kombination von schwachem Zeugnis und langer Studiendauer allerdings ist kaum zu kompensieren - da ist sich Schetter mit den meisten Personalverantwortlichen einig.

Der Schlüssel zum Einstieg

Den Schlüssel zum Einstieg in die Karriere liefert häufig ein Praktikum. Viele der Toparbeitgeber nutzen die Chance, Studenten im Arbeitsalltag kennenzulernen, haben ausgefeilte Bewertungssysteme entwickelt und Programme aufgesetzt, um mit interessanten Kandidaten Kontakt zu halten. Aus diesem Pool werden dann oft die Nachwuchskräfte für das Management rekrutiert: Bei der Deutschen Bank etwa haben rund 50 Prozent der Einsteiger schon ein Praktikum im Konzern absolviert, bei Audi 60 Prozent und bei Porsche sogar 80 Prozent.

Auf diesem Weg ist auch Carolin Hegerl zu ihrem Arbeitgeber KPMG gekommen, immerhin Nummer fünf auf der Liste der beliebtesten Arbeitgeber für Wirtschaftswissenschaftler. Später bot ihr die Firma ein Thema für eine Diplomarbeit an - bis zum festen Einstieg war es dann nur noch ein kleiner Schritt. "Das passte", sagt sie, "mich interessieren Zahlen, und ich möchte mit Menschen zu tun haben."

Als Audit Assistant arbeitet Hegerl jetzt vor allem bei mittelständischen Mandanten, fast immer vor Ort: "Ich hätte nicht gedacht, dass man ständig so viel Neues lernen kann." Parallel bereitet sie sich mit Unterstützung der Firma auf das Steuerberaterexamen vor, im Anschluss beginnt das Training für die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer. Nach vier Jahren steht entweder die Beförderung in das Management an oder der Wechsel, meist ins Rechnungswesen eines Großunternehmens. Die gut ausgebildeten Wirtschaftsprüfer von KPMG, PricewaterhouseCoopers, Ernst & Young sowie Deloitte Touche haben gewöhnlich wenig Schwierigkeiten, einen gut dotierten Job zu finden. Die "Big Four" sind Großmächte am Absolventenmarkt: Jeder von ihnen stellt rund tausend Jungakademiker pro Jahr ein - so viele wie sonst nur Konzerne à la Volkswagen und Siemens.

Immerhin 35.000 Bewerbungen von Hochschulabsolventen erhält KPMG in diesem Jahr. "Wir wollen teamfähige und authentische Persönlichkeiten", meint Vorstand Zieren, der selbst schon rund 1000 Bewerberinterviews geführt hat: "Die sind bei uns sehr intensiv, dafür muss man sich Zeit nehmen."

Gut 100 Einsteiger, überwiegend Ingenieure, sucht Hans Helmut Schetter für Bilfinger Berger. "In Krisenzeiten steigen die Chancen, Potenzialträger zu bekommen", sagt Schetter, "deshalb ist es strategisch klug, sich nicht vom Nachwuchsmarkt zurückzuziehen." Bilfinger Berger ist der Shootingstar im Ranking, kletterte 2009 von Rang 69 auf Platz 22. Rund zwei Drittel seiner Hochschulabsolventen rekrutiert der Baukonzern über Präsenz und intensives Marketing direkt an den Hochschulen.

Durchsetzungsfähig und vor allem entschlussfreudig müssen die Kandidaten sein. Schetter: "Wir machen Projektgeschäft, da fallen laufend Entscheidungen an." Schon im zweiten oder dritten Berufsjahr übernehmen Nachwuchskräfte ihr erstes kleineres Objekt, zum Beispiel den Bau eines Gewerbeparks oder eines Verwaltungsgebäudes. Dann stehen sie für ein Auftragsvolumen von drei bis fünf Millionen Euro gerade.

Katharina Kluge hat gerade die Gründung für eine Brücke im Rahmen eines Straßenbauprojekts in Nigeria berechnet. Die studierte Wirtschaftsingenieurin und promovierte Bauingenieurin arbeitet seit eineinhalb Jahren im Team Geotechnik des technischen Büros von Bilfinger Berger - als einzige Frau unter zwölf Männern. Freude an der Arbeit treibt Kluge an: "Ich will Dinge nicht nur tun, weil sie sich im Lebenslauf gut machen", sagt sie, "man sollte vieles ausprobieren, um herauszufinden, was einem liegt." Sie besuchte nach dem Diplom ein internationales Graduiertenkolleg in Braunschweig und in Florenz, wo sie promovierte.

Karriere bieten auch andere

Eine Einstellung, die wohl auch Tim Prange sofort unterschreiben würde. Der promovierte Volkswirt gab seinen Job als Analyst bei einer Investmentbank auf, um Beamter zu werden - beim Auswärtigen Amt. Als "Legationsrat" ist er in Berlin nun zuständig für Algerien, Marokko, Mauretanien und die Westsahara. Der diplomatische Dienst lockt nicht nur Prange: Die Steinmeier-Behörde kletterte von Rang 13 auf Rang 7 der beliebtesten Arbeitgeber für Wirtschaftsabsolventen. "Ich fand Außenpolitik immer schon spannend", begründet Prange seine Entscheidung. "Wenn man schon so viel Zeit im Beruf verbringt, dann sollte man auch voll dahinterstehen." Zum Beamtenstatus hatte er eine zwiespältige Einstellung: Skepsis wegen des Amtsschimmel-Images, aber eine gewisse Freude über die Jobsicherheit.

1800 Bewerbungen sind für die rund 45 in diesem Jahr ausgeschriebenen Einstiegsjobs im Auswärtigen Amt eingegangen, jeder fünfte Bewerber kommt aus den Wirtschaftswissenschaften. Noten und Praktika spielen bei der Beurteilung keine Rolle, einzig die Ergebnisse des Auswahlverfahrens zählen. Nach Fachtests (in Geschichte, Recht und Volkswirtschaft) sind Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch oder einer anderen Amtssprache der UN zu beweisen sowie eine gute Allgemeinbildung.

Dann schließt sich eine eintägige Gesprächsreihe an, in der es auch um die Fähigkeit zu politischer Analyse geht. "Wir suchen Menschen mit hoher Motivation, Flexibilität, Teamgeist, politischem Gespür und einer gewissen Risikobereitschaft", sagt Jutta Wolke, die Leiterin der Akademie Auswärtiger Dienst.

Wer akzeptiert wird, macht dort eine einjährige Ausbildung und startet dann als Legationsrat mit A13 (Grundgehalt 3416 Euro plus Ortszulage) die Diplomatenkarriere. Als Investmentbanker verdiente Prange natürlich mehr. Aber der Gestaltungsspielraum ist im Auswärtigen Amt größer: "Gute Ideen werden hier gern aufgegriffen."

Faszination für Produkt und Aufgaben hat auch Dorothee von der Tann (25) zu ihrem Arbeitgeber geführt. Sie ist Trainee bei der Lufthansa, dem Favoriten der Wirtschaftsabsolventen. "Ich will mich mit dem Unternehmen, bei dem ich angestellt bin, identifizieren", sagt sie. "Hier wird einem das leicht gemacht." Die Volkswirtin mit dem Schwerpunkt Rechnungswesen überzeugte die Lufthansa-Manager mit Examensnote (1,8) und jeder Menge Unternehmungslust: Während des Studiums absolvierte sie vier Praktika, eins davon in Paris. "Erfahrungstatbestände" nennt Personalvorstand Stefan Lauer dieses so wichtige Plus bei Bewerbern. Denn die Teams sind international besetzt: Allein unter den aktuellen Trainees finden sich drei Chinesen, ein Inder und drei US-Amerikaner. Lauer: "Schließlich sollen die Leute später in unterschiedlichen Kulturen effizient arbeiten können."

Dass sie das kann, hat von der Tann schon bewiesen. Eine der drei bis vier Stationen während des Trainee-Programms führte sie nach Vietnam. Dort erarbeitete sie ein Konzept für die Zusammenlegung des Groundhandlings von Passagier- und Frachtgeschäft, das kurz darauf umgesetzt wurde. "Die Arbeit ist spannend, weil die Aufgaben meist sehr operativ und nah an aktuellen Themen sind", freut sich von der Tann.

Fast zwei Millionen Besucher verzeichnet die vor Kurzem neu gestaltete Bewerberwebsite be-lufthansa.com, 120.000 Bewerbungen gehen jedes Jahr bei dem Konzern ein. "Wir möchten eine möglichst frühe und auch dauerhafte Bindung an Interessierte", sagt Vorstand Lauer. Deshalb auch können Bewerber, die zunächst eine Absage erhalten haben, ihre Daten weiter aktualisieren - sie landen in einem Pool und werden später angesprochen, wenn eine passende Stelle frei ist.

Akademiker, die nicht so lange warten wollen, sollten sich von Monsterzahlen wie 120.000 Bewerbungen beim diesjährigen Favoriten dennoch nicht entmutigen lassen. Sondern das Ranking der beliebtesten Arbeitgeber noch einmal mit anderen Augen betrachten. Warum sich da bewerben, wo alle hinwollen? Karrieren bieten auch andere. Es lohnt die Recherche nach den Hidden Champions.

Deutschlands Toparbeitgeber: Die Lieblinge der BWLer Deutschlands Toparbeitgeber: Wen Ingenieure bevorzugen Deutschlands Toparbeitgeber: Jobs und Gehälter bei den Dax 30 Jobs sind da: Berufseinsteiger im Krisenjahr

Mehr lesen über Verwandte Artikel