Deutsche Telekom Obermanns Kontrolleur

Bei der Deutschen Telekom stehen jede Menge Deals an - das geplante Mobilfunk-Joint-Venture mit Orange in Großbritannien ist nur der Auftakt. Damit schlägt jetzt die Stunde des Blackstone-Vertreters im Aufsichtsrat. Was Lawrence Guffey mit der Telekom vorhat.
Von Astrid Maier

Wer sich mit Blackstone-Manager Lawrence Guffey (41) unterhalten möchte, muss nicht zwingend über Ebitda-Multiples fachsimpeln. Der Finanzinvestor, seit drei Jahren Aufsichtsrat der Deutschen Telekom , ist durchaus für Feingeistiges zu haben. Schließlich sitzt er auch im Aufsichtsrat der renommierten Literaturzeitschrift "The Paris Review".

Gelegenheit zum lockeren Gespräch bietet der Blackstone-Vertreter aus Virginia, USA, gerade bei Treffen mit deutschen Kontrolleuren aber kaum. Dort tritt Guffey eher schmallippig auf.

Der Mann, der für Blackstone  das Medien- und Kommunikationsgeschäft leitet, stellt in Bonn kaum Fragen, redet nur nach Aufforderung. Der Einfluss des Investors, nach dem Bund größter Aktionär, sei nach Ausbruch der Finanzkrise geschrumpft, sagen andere Aufsichtsräte.

Zuletzt fiel Guffey auf, weil er dem durch eine Gewinnwarnung in die Kritik geratenen Telekom-Chef René Obermann (46) den Rücken stärkte: "Wir sind mit seiner Arbeit extrem zufrieden."

Ist Blackstone nur noch machtloser Claqueur? Hält sich Guffey, der für Blackstone schon die Engagements bei Kabel BW managte, bei der Telekom völlig zurück? Keineswegs.

Denn beim Ex-Monopolisten steht eine Wende an. Kenner erwarten für die nächsten "12 bis 18 Monate eine Menge an M&A-Aktivitäten". Fusionen und Übernahmen - das sind die Themen, bei denen Guffey aktiv wird.

Das kurz vor dem Abschluss stehende Mobilfunk-Joint-Venture mit Orange in UK, T-Mobile USA und Minderheitsbeteiligungen in Osteuropa sind Projekte, auf deren Lösung Blackstone drängt. Nach der Zusammenlegung von Festnetz und Mobilfunk in Deutschlandsoll die Telekom langfristig aus den Märkten heraus, in denen sie nur mobil aktiv ist. Eine Sicht, die auch das Management in Bonn teilt.

Gelegenheit, sich einzubringen, hatte Guffey Ende August, als der Aufsichtsrat zusammenkam. Dort wurde die Strategie für 2010 aufgesetzt. Oben auf der Agenda stand das Engagement in den USA. Die Telekom besetzt dort nur Platz vier; seit das Geschäft abschmiert, drängt Blackstone auf Änderung dieser Position.

Guffey schlägt vor, 25 Prozent des US-Geschäfts an die Börse zu bringen, um Geld für den Netzausbau zu beschaffen sowie zunächst Zukäufe kleinerer Konkurrenten wie Leap Wireless. "Wenn Guffey in Aufsichtsratssitzungen nicht mit der Faust auf den Tisch haut, heißt das nicht, dass er nichts zu sagen hat", so ein Vertrauter. Der Magna-cum-laude-Absolvent der Eliteuniversität Rice (Houston) operiert im Verborgenen, durch Mittler oder im persönlichen Gespräch, so etwa Ende Juni mit CFO Timotheus Höttges (46). Seit der überraschenden Gewinnwarnung will Guffey von ihm ein funktionierendes Frühwarnsystem.

Er hasst es, wenn unnötig Geld verbrannt wird. Zumal die Telekom in Osteuropa investieren will. Dort hat Obermann vor, Minderheitsbeteiligungen aufzustocken, eine Linie, die Blackstone mitträgt. Rumänien etwa gilt als besonders attraktiver Standort.

Sicher, Guffey kommt nicht immer durch. Die größte Schlappe erlitt er vor zwei Jahren. Schon damals drängte er auf einen US-Börsengang, vergeblich. Dass die Bonner vom Blackstone-Mann profitieren, attestieren aber selbst Arbeitnehmervertreter: "Ahnung vom Telekom-Geschäft hat er jedenfalls."

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