Schalke-Trainer Magath "Man braucht Macht"

Fußballtrainer und Sportmanager Felix Magath rechtfertigt im Gespräch mit manager magazin seine Machtfülle bei Schalke 04 und erklärt seine Managementphilosophie. "Auf Schalke bin ich der CEO", sagt Magath. Seinen Job bei dem Traditionsclub sieht er als klassischen Fall einer Restrukturierung.

mm: Herr Magath, hoch verschuldet, kaum Geld für Investitionen, kein internationales Geschäft - in der Begriffswelt der Wirtschaft würde man Ihren Arbeitgeber Schalke 04 einen klassischen Sanierungsfall nennen. Sehen Sie sich dort als Krisenmanager?

Magath: Schalke ist kein Sanierungsfall, dort geht es um eine Restrukturierung. Man hat mich geholt, um Strukturen zu verändern. Schalke hat in den letzten Jahren zu wenig aus seiner Marke gemacht. Zweimal wurde die Meisterschaft knapp verfehlt. Dieser Weg ist jetzt zu Ende. Auch deshalb, weil er viel Geld gekostet hat und der Verein jetzt nicht mehr in der Lage ist, solche Beträge auch weiterhin aufzubringen.

mm: Was unterscheidet den Krisenjob in einem Sportverein von dem in der Wirtschaft?

Magath: Im Fußball lernt man schneller, mit Krisen umzugehen. Weil die Zyklen des Auf und Ab viel kürzer sind. Wenn man mal zwei Spiele hintereinander verloren hat, reden doch alle schon von Krise. Ich habe jedenfalls gelernt, mit der Krise zu leben. Für viele Manager in den Unternehmen, die bisher nur einen jahrelangen Aufschwung erlebt haben, ist diese Erfahrung neu.

mm: Was zeichnet einen Krisenmanager aus?

Magath: Ich war schon ein paar Mal in der Situation, dass ich zu Vereinen gekommen bin, denen es sportlich schlecht und finanziell noch schlechter ging. In einer solchen Lage ist schlichtweg Führung gefragt. Die muss man auch wollen. Sie müssen vorneweg marschieren. Der Verein ist meist völlig verunsichert und sucht Halt. Das ist in den Unternehmen in solchen Phasen auch nicht anders.

mm: Sie haben eine enorme Machtfülle, sind bei Schalke auch noch Manager und Vorstandsmitglied. Muss man Alleinherrscher sein, um erfolgreich führen zu können?

Magath: Das hängt davon ab, wie viel man korrigieren muss. Je komplexer die Aufgabe, umso mehr Macht braucht man. Sonst wird man weggeschwemmt.

Scheitert Schalke, ist nur Magath schuld

mm: Sie bringen bei Ihren Jobs immer Ihr eigenes Team mit. Trauen Sie sich nicht zu, das vorhandene Personal von Ihrer Linie zu überzeugen?

Magath: Ich habe anfangs immer alles übernommen, was da war. In der Konsequenz habe ich die Vereine zwar aus dem Tabellenkeller nach oben gebracht, dann musste ich aber doch gehen. Seit ich ein Team um mich habe, das meine Arbeitsweise kennt und mit mir auf einer Linie liegt, behalte ich meine Jobs länger.

mm: Angesichts Ihrer starken Machtposition ist klar: Falls Ihre Mission scheitert, ist nur einer schuld - Felix Magath.

Magath: Das ist in der Wirtschaft ja genauso. In der heutigen Zeit brauchen doch alle einen Kopf, mit dem sich die Mitarbeiter identifizieren können und an dem sich die Öffentlichkeit reiben kann. Jemanden, dem der Misserfolg angelastet wird und der dann die persönliche Verantwortung trägt. Das ist der CEO, auf Schalke bin ich das eben.

mm: Der FC Bayern ist der einzige Fußballklub in Deutschland, der nachhaltig erfolgreich ist. Was macht der besser als andere?

Magath: Er hat eben Uli Hoeneß. Ich habe größten Respekt vor seiner Leistung. Er hat den Verein streng nach wirtschaftlichen Kriterien geführt, und trotzdem hatte Bayern sportlichen Erfolg.

mm: Klingt, als wollten Sie sich wieder bei Bayern bewerben.

Magath: Nein. Ich denke ja, dass wir mit Schalke auch irgendwann so erfolgreich sein werden.

mm: Wie wichtig ist für Ihre Arbeit das Korrektiv Aufsichtsrat: Gegengewicht oder nur lästig, weil er einem ständig dreinreden will?

Magath: Jeder Verein ist ein bisschen anders strukturiert. In Wolfsburg ist es so: Der VfL ist eine Tochtergesellschaft des VW-Konzerns, wie Škoda oder Seat. Da hat der Aufsichtsrat, in dem VW-Vorstände sitzen, naturgemäß einen großen Einfluss. Dieses System hat Vor- und Nachteile.

"Führungskompetenz kommt mit der Zeit"

mm: Wir hören.

Magath: Ein Vorteil war sicherlich: Mein Aufsichtsratschef und direkter Ansprechpartner etwa für Spielertransfers war Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, also der Mann, der die VW-Kasse verwaltet. Andererseits ist der Rhythmus in einem Verein nun mal ein anderer als in einem Großkonzern. Im Sommer sind bei VW Werksferien. In dieser Zeit sind auch die Vorstände in Urlaub. Und dann ist es schwer, eine schnelle Entscheidung zu bekommen.

mm: Der VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gilt vielen als der mächtigste Wirtschaftsführer Deutschlands. Was kann man von ihm lernen?

Magath: Wir haben auf der Meisterfeier des VfL an einem Tisch gesessen, aber ich kenne ihn nicht näher.

mm: Ein Tipp von einem Fußballtrainer, wie man einen Machtkampf erfolgreich führt?

Magath: Ich habe da nur einen Ratschlag. Einen Machtkampf führt man am besten aus der Position der Stärke. Sonst wird's schwer. Das wird auch Herr Piëch so halten. Aber im Fußball kann man sich einen monatelangen Machtkampf gar nicht erlauben. Das Geschäft ist viel zu schnelllebig. Man muss deshalb aufpassen, dass man die Gunst der Stunde nutzt, um etwas durchzusetzen. Eine zweite Chance gibt es dann oft nicht mehr. Diesen Fehler habe ich häufig gemacht am Anfang meiner Karriere.

mm: Kann man Führen lernen?

Magath: Ich würde sagen: Die Führungskompetenz kommt mit der Zeit. Als Spieler wollte ich immer schon Verantwortung haben. Ich war deshalb oft Kapitän. Mit solchen Aufgaben entwickelt man sich weiter. Die Verantwortung steigt, später als Trainer, jetzt als Manager und Trainer.

mm: Sie haben den Fans auf Schalke die Meisterschaft versprochen. Wollen Sie vom Volk geliebt werden?

Magath: Es kam mir nie darauf an, mich beliebt zu machen. Es ist mir durchaus bewusst, dass es hilfreich sein kann, die Fans auf seiner Seite zu haben. Aber ich wollte immer durch Arbeit und Erfolge überzeugen und geachtet werden.

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