Montag, 20. Mai 2019

Jürgen Strube Der Beharrliche

Dank Jürgen Strube, soeben 70 Jahre alt geworden, ist die BASF ein Vorreiter: von der Verbundstrategie bis hin zu der ethischen Orientierung des Chemiekonzerns. Ein Porträt des langjährigen BASF-Kapitäns, den das manager magazin jüngst in die Hall of Fame der deutschen Wirtschaft aufgenommen hat.

Dreißig Köpfe sind in dem Buch "Die BASF - eine Unternehmensgeschichte" abgebildet, von Friedrich Engelhorn, dem rauschebärtigen Gründer (1821-1902), bis hin zu Hans Albers, dem eher spröden Vorstandsvorsitzenden der BASF Börsen-Chart zeigen von 1983 bis 1990. Die Herren schauen ernst, getragen, besorgt, würdig, in jedem Fall bedeutend in die Kamera. Einer aber strahlt. Er lacht übers ganze Gesicht, es lachen sogar die Augen: Jürgen Friedrich Strube.

 Stationen eines Lebens Privat: Die Eltern verliert Jürgen Strube früh, die prägende Persönlichkeit seiner Jugend wird die Großmutter. Nach dem Abitur am Goethe-Gymnasium in Bochum studiert er Rechtswissenschaften in Freiburg, Genf und München. Während des Studiums lernt er seine Ehefrau kennen. Die Juristin teilt mit ihm die Leidenschaft für das Ballett. Beruf: Seit 1969 war Strube Mitarbeiter bei der BASF AG, davon 13 Jahre als Vorstandsvorsitzender und 6 Jahre als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Tätig war er unter anderem in Antwerpen, São Paulo und New Jersey.
Andreas Pohlmann

Stationen eines Lebens

Privat: Die Eltern verliert Jürgen Strube früh, die prägende Persönlichkeit seiner Jugend wird die Großmutter. Nach dem Abitur am Goethe-Gymnasium in Bochum studiert er Rechtswissenschaften in Freiburg, Genf und München. Während des Studiums lernt er seine Ehefrau kennen. Die Juristin teilt mit ihm die Leidenschaft für das Ballett.

Beruf: Seit 1969 war Strube Mitarbeiter bei der BASF AG, davon 13 Jahre als Vorstandsvorsitzender und 6 Jahre als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Tätig war er unter anderem in Antwerpen, São Paulo und New Jersey.

Das ist kein Zufall. Strube ist zwar in Bochum geboren, er hat aber etwas von der heiteren Weltzugewandtheit des Pfälzers Helmut Kohl in seinen besten Jahren (und man darf ihn, wiewohl um einige Pfunde leichter, dabei genauso wenig unterschätzen wie einst das Schwergewicht, den Kanzler). Strubes noble Art, mit Menschen umzugehen, ist legendär. Höflich, zuvorkommend, gewinnend, schafft er, wenn er will, sofort ein Klima des Vertrauens.

Vom obersten Stock im Hochhaus der BASF in Ludwigshafen überblickt er sein Leben. Am Horizont sieht man Heidelberg, ehemals Wohnort seines Mentors Rolf Magener, das Privathaus in Mannheim ("In gerade 15 Minuten bin ich da"). Und unten am Ufer des Rheins liegen die über 250 Produktionsbetriebe der BASF, miteinander verbunden, vernetzt, verwoben, aufeinander angewiesen wie ein mächtiger atmender Organismus. Auch in der Krise bewähre sich die Flexibilität der - wie inzwischen selbst die Briten sagen - "Verbundstrategy". Mit der die BASF - kostensparend - alle Ressourcen nutzt.

"So viele Chemiker, Ingenieure, Physiker, Biologen, Mathematiker wie hier finden sie an kaum einem anderen Platz der Welt", erklärt Strube voller Stolz den weltweit größten zusammenhängenden Chemiekomplex. 40 Jahre in Diensten der BASF liegen hinter ihm. Jetzt hat sich Strube, der am 19. August 70 Jahre alt wurde, zurückgezogen. Und verbreitet dennoch so etwas wie Aufbruchstimmung. Wirkt jung, weil er so präsent, engagiert, lebhaft ist. "Schauen Sie, und der Hügel ganz im Norden, das ist der Donnersberg."

Strube geht in einer schweren globalen Krise. Übernommen als Vorstandsvorsitzender hat er das Unternehmen 1990 nach sieben guten Jahren. Sein Vorgänger Albers wurde damals von den Medien "Hans im Glück" genannt. Strube: "Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen, das gilt erst recht, wenn daraus Jahre werden. Die Erfolge von heute sind oft die Quelle der Misserfolge von morgen."

Die BASF war damals zu breit aufgestellt, um auf der Welt erfolgreich zu sein. Strube leitete den schmerzlichen, wiewohl notwendigen Anpassungsprozess ein, der lange, bis 1997, dauerte.

© manager magazin 7/2009
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