Was macht eigentlich Harry Roels?

Als Abkassierer war er verschrien. Die Bezüge des damaligen RWE-Chefs Harry Roels waren vor einigen Jahren ein Politikum wie heute die Entgelte des geschassten Porsche-Lenkers Wendelin Wiedeking. Ein Teil davon kommt jetzt sozial Schwachen in der Dritten Welt zugute.

Einmal im Jahr zeigt er sich dem Publikum. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Post . Dort sitzt er seit 2006 im Aufsichtsrat. Geduldig erträgt er den Tag, scherzt mit Kontrolleurskollegen wie Roland Oetker, dem früheren Präsidenten der Aktionärsvereinigung DSW. Und bleibt doch distanziert, so wie es seine Art ist.

Henricus Josephus Maria Roels (60), den man hierzulande als Harry, als Holländer und natürlich als ehemaligen Chef des Energiekonzerns RWE  kennt, jener hoch aufgeschossene, hagere Mann lebt heute abseits des Rampenlichts. Das hat ihm ohnehin nie behagt. Er stand von jeher im Ruf eines kühlen - manche sagen unterkühlten - Analytikers und gibt nicht gern viel preis von sich. Auch jetzt nicht, nachdem sein nicht ganz termingerechtes Ausscheiden bei RWE nun schon zwei Jahre zurückliegt.

Vor allem als Wohltäter möchte er nicht herausgestellt werden. Eine Stiftung gegen Kinderarmut hat er gegründet, ausgestattet mit Bezügen aus seiner RWE-Zeit. Die waren damals ein Politikum wie heute die Entgelte eines Wendelin Wiedeking.

Als Abkassierer war er verschrien. Das hat ihn getroffen, ja verletzt. 40 Millionen Euro soll er in seiner viereinhalbjährigen Amtsperiode angesammelt haben. Ein Teil davon kommt jetzt sozial Schwachen in der Dritten Welt zugute. Details möchte er nicht erzählen. "Später", lässt er ausrichten. Vielleicht.

Man kramt im Angesicht solcher Faktenarmut in alten Unterlagen und stößt auf ein "streng vertrauliches" Argumentationspapier einer Personalberatung. Die hatte im Mai 2002 auf fünf Seiten begründet, "warum wir Herrn Roels für die Position des Vorstandsvorsitzenden der RWE AG empfehlen". Bemerkenswert und deshalb mitteilungswürdig ist die ihm zugewiesene Fähigkeit, "out of the box" zu denken.

Ein solcher Wesenszug prädestiniert einen eigentlich für eine zweite Karriere als Berufsaufsichtsrat. Aber Harry Roels nimmt den Begriff Ruhestand nahezu wörtlich. Radfahren, Golfen, Gartenarbeit, das gibt einem auf jeden Fall das Gefühl von Heimat und Scholle zurück. Nach 30 Jahren des Umherirrens für den Ölmulti Shell (Malaysia, Türkei, Norwegen) und eben jener Zeit in Essen, wo er sich nie wirklich zu Hause fühlte.

Jetzt holt ihn RWE ein, rückt ihm quasi auf den Leib. Die Übernahme der niederländischen Stromfirma Essent ist so gut wie perfekt - die hatte er auch schon prüfen lassen.


Harry Roels wurde vor allem als Vorstandsvorsitzender von RWE bekannt. Ende September 2007 trat er ab, früher als geplant. Unter seiner Ägide vervierfachte sich der Börsenkurs. Und: Der alpenhohe Schuldenberg sackte auf Flandernhügelniveau. Ein Tatbestand, der einem Konzern in diesen harten Finanzzeiten doch ein wohliges Gefühl vermittelt. In seinem Bemühen, RWE strategisch weiterzuentwickeln, kam Roels allerdings kaum voran. Roels lebt mit seiner Frau in den Niederlanden. Die beiden haben zwei erwachsene Töchter.

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