Mittwoch, 20. November 2019

Schloss Elmau Zauberberg für alle

4. Teil: Tag der Götterdämmerung

Dann kam der Tag der Götterdämmerung. Im August 2005 brach Feuer aus. Zwölf Stunden brannte es lichterloh. Die Ironie des Schicksals hatte es gewollt, dass eine defekte Heizdecke ausgerechnet im Zimmer des greisen Onkels Mesirca das Schloss in Schutt und Asche legte. Des Mannes also, sagt Müller-Elmau, "der mich abgrundtief hasste". Noch in der Feuernacht beschlossen Dietmar Müller-Elmau, der Enkel des Gründers, und Christoph Sattler, der Enkel des Schlossarchitekten Carlo Sattler, Elmau wieder aufzubauen.

Großbrand und Neuanfang: Noch in der Feuernacht beschlossen Dietmar Müller-Elmau, der Enkel des Gründers, und Christoph Sattler, der Enkel des Schlossarchitekten Carlo Sattler, Elmau wieder aufzubauen.
Drei Flügel waren, auch wegen der schweren Löschwasserschäden, völlig zerstört. Sattler wollte das Werk des Großvaters möglichst wiederherstellen. Müller-Elmau wollte etwas ganz anderes, völlig Neues kreieren. Der Kompromiss ist das neue Elmau. Ein Schloss, das die Würde des alten Gebäudes behalten, aber eine neue Transparenz und Klasse gewonnen hat.

Wieder hatten alle Angst. "Dietmar, du darfst alles machen, nur nichts ändern", sagte Loriot, der in Elmau ungezählte Sketche und Drehbücher geschrieben hat. In Zimmer 219, wo der große Schreibtisch im Erker mit Blick auf Wiesenmatten und Wettersteinwand steht. Da saßen die Herren Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner sozusagen in der Badewanne. Nach einem Jahr kam Vicco von Bülow wieder und war fortan vornehmlich im Bademantel unterwegs. Denn Dietmar Müller-Elmau hat mit dem neuen Elmau ein Gesamtkunstwerk geschaffen.

Er nannte es "Luxury Spa & Cultural Hideaway". Und ließ dem Schloss seinen Turm, die Lärchenschindeln, die langen Flure, die Säulen im Foyer. Aber schaffte Platz und Räume zum Wohlfühlen. Dazu ein Spa allein für Familien - und ein großes Badehaus für Genießer. In Zahlen heißt das: 200 Erwachsene und 150 Kinder verteilen sich auf fünf Restaurants und fünf Pools. Und all das entstand nach einem Konzept, das auch schon Adrian Zecha bei der Entwicklung seiner legendären "Aman-Resorts" geleitet hat. "Mein Konzept wollen Sie wissen?", hat Zecha einmal zu uns gesagt. "Es ist das beste, das es gibt: mein Bauch."

Dietmar Müller-Elmau blieb einfach seinen Grundprinzipien treu. Ein Lob der Vielfalt und des Individuums. Jeder Gast sollte nach seiner Façon glücklich werden. Die ersten Besucher lobten die Materialien. Die seidig gebürsteten Pappenheimer Juraplatten in den Bädern. Die neuen geölten Eichenböden. Die Medien bewerteten das Hamam in Elmau als das beste türkische Dampfbad Deutschlands. Und vor allem: Sie priesen das goldene Licht. Die handgefertigten blattgoldbelegten Halbmonde von Enzo Catellani ziehen sich durchs ganze Haus. Sie schenken dem einst fahlen Gemäuer nun Wärme. Glanz. Brillanz.

Schloss Elmau
Luxury Spa & Cultural Hideaway
Adresse: 82493 Elmau. Tel. 0 88 23/1 80; Fax 0 88 23/1 81 77, schloss@elmau.de, www.schloss-elmau.de; 140 Zimmer und Suiten ab 170 Euro pro Person mit Halbpension.
Schönste Suiten: 638/39, 507 und das Fürstenzimmer 219 (Lieblingszimmer von Loriot).
Vor allem aber hat Dietmar Müller-Elmau verstanden, dass sich Luxus nicht über seidene Schabracken definiert. Luxus müsse heute intellektuell stimulieren, belegen jüngste Studien, die Menschen suchten Erlebnisse, Emotionen, Wissen und Werte. Der Schlossherr, der nach dem Brand "endlich grausam genug war, die letzten Gesellschafter rauszukaufen", hat, wie schon bei Fidelio, mit dem neuen Elmau Branchengeschichte geschrieben. Gekostet hat der Um- und Neubau 40 Millionen Euro, 25 davon zahlte die Versicherung. Entstanden ist ein Zauberberg des 21. Jahrhunderts.

© manager magazin 7/2009
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