Neue Uhren Grüße aus Genf

Die Uhrenbranche, mittlerweile ebenfalls von der Krise betroffen, schwankt zwischen calvinistischer Bescheidenheit und teurem Luxus. Ein Überblick der aktuellen Uhrenmodelle.
Von Klaus Ahrens und Hanno Pittner

Diese Publikation ist nicht empfehlenswert für Akrobaten und Jongleure im heutigen Finanzzirkus", hat Swatch-Group-Häuptling Nicolas G. Hayek als "Warnung!" auf die Titelseite seines diesjährigen Geschäftsberichts drucken lassen. Der 81-jährige Unternehmer ist nicht erfreut über die gegenwärtige Entwicklung des Turbokapitalismus, bleibt doch auch die Branche der kostbaren Zeitmesser, in der Hayek einer der größten Spieler ist, nicht ganz ungeschoren. Gerade die inzwischen freigestellten Akrobaten und Jongleure des Finanzmarkts fehlen als Kunden.

Und so besinnen sich die Uhrenhersteller auf klassische Werte: Nicht mehr die verrückteste Komplikation und das schrillste Design stehen vorn, das Tourbillon etwa, noch vor drei Jahren der Renner. Stattdessen ist die Uhr für den Alltag, funktionell und vergleichsweise preiswert, im schlichten Gewand der Drei-Zeiger-Uhr auf den Messen von Basel und Genf im Frühjahr aus dem Schattendasein getreten. "Das äußere Erscheinungsbild der Uhren ändert sich", sagt Chronograf Michel Parmigiani. "Es gibt eine Rückbesinnung auf klare Formen, Uhren sollen die Zeit anzeigen - und das möglichst auf den ersten Blick."

Trotz der offensichtlichen Zurückhaltung bei luxuriösem Überschwang bieten die Manufakturen von Audemars Piguet bis Zenith eine ganze Reihe Innovationen und uhrmacherische Prachtstücke. Etwa die neue Weltzeituhr des Spitzenuhrmachers Patek Philippe - deren Emaille-Zifferblatt mit dem Abbild des Globus erstmals nur die geografische Ostfeste zeigt und den amerikanischen Kontinent weglässt. Ein stiller Hinweis auf die Verschiebung der globalen Machtverhältnisse?

Vereinzelt taucht das Tourbillon noch auf, in einer hoch entwickelten Form etwa bei den Edeluhrmachern Breguet und Harry Winston. Der experimentierfreudige US-Juwelier hat für sein Modell "Histoire de Tourbillon" die Feinwerker Greubel Forsey angeheuert, die einen kostbaren 575.484 Euro teuren Doppeldrehgang in 20 Exemplaren bauen.

Und für den Golfer gibt es jetzt erstmals einen mechanischen Zeitmesser, der sich von den irritierenden Bewegungsabläufen beim Spiel nicht aus dem Takt bringen lässt. In Kooperation mit dem schottischen Traditionsklub St. Andrews hat der Schweizer Hersteller Jaermann & Stübi ein robustes Automatikwerk mit drei verschiedenen Zählwerken entwickelt. Für nur 6500 Euro zu haben.

Die Überraschung der Saison: Der Münchener Hersteller Gerd-Rüdiger Lang, der gerade seine neue Chronoswiss-Manufaktur eingeweiht hat, stellte auch sein erstes eigenes Werk vor. Das Kaliber CHM 70/71 bewegt drei schöne blaue Zeiger mit springender Sekunde, verfügt über 60 Stunden Gangreserve und ist verpackt in ein traumschönes Gehäuse.

Die neuen Uhren: Edle Vielfalt, stille Größe

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