Dienstag, 10. Dezember 2019

Aldi Eine Tüte geht um die Welt

8. Teil: Autisten mit gut gefüllter Kriegskasse

Auch wenn Aldi Süd und Nord derzeit mit ihren Auslandsumsätzen gleichauf liegen (2008 jeweils 13 Milliarden Euro), so scheint doch Karl Albrecht das zukunftsträchtigere Discountmodell entwickelt zu haben. Das zeigt der wirtschaftliche Erfolg: Fast alle Landesgesellschaften von Aldi Süd - darunter die großen Ketten in den USA, Großbritannien und Australien - schreiben schwarze Zahlen.

Aldi in Australien


Rascher Erfolg: 2001 öffneten die ersten Läden an der dicht besiedelten Ostküste (Foto: Sydney). Seit ein paar Jahren ist das Geschäft profitabel.


Hohe Investitionen: Die Expansion ließ Aldi sich bereits 700 Millionen Euro kosten. Eine weitere halbe Milliar de ist für die nächsten drei Jahre vorgesehen.


Ehrgeiziges Ziel: In absehbarer Zeit sollen es 500 Läden sein.

Der Norden, berichtet ein Aldi-Manager, verdiene ebenfalls im Ausland Geld. Aber einige Dependancen stecken in Schwierigkeiten. Spanien und Portugal machen Verluste. In Frankreich, wo sich die umsatzstärkste Niederlassung von Aldi Nord befindet, ist Spätstarter Lidl an dem Konkurrenten vorbeigezogen.

Weiteres Ungemach könnte in Polen drohen. Beim Markteintritt 2008 traf Aldi auf einen großen Wettbewerber namens Biedronka. Der betreibt inzwischen über 1350 Filialen und wehrt sich mit allen Kräften gegen den Eindringling. Biedronka hat das Harddiscount-Modell haargenau abgekupfert und wurde dabei vom ehemaligen Aldi-Nord-Verwaltungsrat Brandes beraten.

Der wiederum, ein begeisterter Anhänger der Aldi-Idee, sieht im Nachbarland durchaus Chancen für die angepeilten 1000 Läden der Deutschen: "In Polen leben so viele Menschen, da ist Platz genug." Und er fügt hinzu: "Die Aldi-Leute haben enorme Erfahrung. Warum sollten sie ausgerechnet in Polen scheitern?"

Ja, warum eigentlich? Wo die Konkurrenz steht, hat die Albrecht-Brüder nie besonders interessiert. Sie gingen stets ihren eigenen Weg. "Das hat ein bisschen etwas Autistisches", sagt Discount-Experte Matthias Queck vom Marktforschungsunternehmen Planet Retail.

Es wirkt zwar manches handgestrickt, Rückschläge werden auch künftig nicht vermeidbar sein, und es wird immer eine Weile dauern, bis sich der Norden gegenüber Neuerungen öffnet. Dennoch hat Aldi kaum zu übertreffende Vorteile: Gute Qualität zu niedrigen Preisen ist ein unwiderstehliches Verkaufsargument. Die Kriegskassen sind üppig gefüllt. Und mit der alditypischen Langmut lassen sich auch kostspielige Anlaufphasen durchstehen, zumal die beiden Familienfirmen niemandem Rechenschaft ablegen müssen.

Letztlich ist der deutsche Kultdiscounter nicht aufzuhalten. Stück für Stück erobert Aldi die Welt.

© manager magazin 6/2009
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