Freitag, 19. Juli 2019

Aldi Eine Tüte geht um die Welt

6. Teil: Sparer vs. Sündenfall

Die unterschiedlichen Auffassungen über Lage und Ausstattung der Läden zeigen sich auch bei den Auslandsengagements. Deutsche Kunden von Aldi Süd bekommen in ihrem Spanien-Urlaub häufig einen Schock, wenn sie eine der vom Norden geführten und dementsprechend schäbigen Aldi-Filialen betreten.

Gehört zu Aldi Süd: In der Schweiz wurden 2005 die ersten Läden eröffnet
Anders in der Schweiz, die zum Territorium des Südens gehört. 2005 wurden hier die ersten Läden eröffnet. Sie gehören zu den edelsten im Aldi-Reich. Die Südler wissen, dass sie bei den Eidgenossen mit Harddiscount nichts werden können. Wenn Aldi Nord versucht hätte, die Schweiz zu erschließen, hätte es ein Fiasko gegeben, lästert ein Manager des Südens.

Sie ziehen nur allzu gern übereinander her, die Spitzenkräfte der beiden Aldi-Welten. Die im Süden klagen über die steinzeitlichen Zustände jenseits des Aldi-Äquators. Dort werde ein Einkaufswagen erst erneuert, wenn die vierte Rolle abgerostet sei, ätzen sie.

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Tatsächlich handeln die Traditionalisten im Norden nach dem Motto: Bloß nicht zu viel Geld in schöne Läden stecken - das könnte die Kunden auf die Idee bringen, dass sie zu hohe Preise bezahlen. Folge dieses Gebarens: Bei Aldi Nord gibt es einen deutlichen Investitionsstau. Nicht wenige Südler befürchten, dass Theo sein Reich kaputtspart und damit auf Dauer der gemeinsamen Marke schadet.

Die Nordstaatler ihrerseits bezichtigen die Kollegen im Süden, sie wollten aus Aldi einen Feinkost-Filialisten machen - einen schlimmeren Sündenfall kann sich ein strenggläubiger Harddiscounter kaum vorstellen.

Welches der Konzepte das ertragreichere ist, bleibt verborgen. Beide Gruppen kommunizieren nur das Nötigste.

Aldi Süd, das lässt sich immerhin aus den Pflichtveröffentlichungen der 31 Regionalgesellschaften errechnen, verdient vor Steuern in Deutschland zwischen 5 und 6 Prozent vom Umsatz. Aldi Nord weist hingegen mit seinen 35 Inlandsniederlassungen nur knapp 3 Prozent aus.

Allerdings rechnet sich der Norden planmäßig arm. Eine Kaffeerösterei und die Immobilien gehören, anders als im Süden, der Familie und nicht der Firma. Über Abgabepreise und Mieten lässt sich die Rendite trefflich steuern.

© manager magazin 6/2009
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