Dienstag, 10. Dezember 2019

Aldi Eine Tüte geht um die Welt

3. Teil: Demarkationslinie durch NRW und Hessen

Das neue Konzept war simpel: Beschränkung des Sortiments auf ein paar hundert Artikel, keine Markenprodukte, stattdessen Eigenmarken mit guter Qualität, niedrige Preise, schlichte Verpackung, karge Läden, keinerlei Marketing. Mit ihren Aldi-Märkten revolutionierten die Brüder den deutschen Einzelhandel.

Aldi in Europa


Dichtes Netz: Auf dem alten Kontinent gibt es fast 8000 Filialen unter den Marken Aldi und Hofer (Österreich und Südosteuropa).


Später Start: In Spanien und Portugal kämpft Aldi gegen die Übermacht von Lidl.


Zügige Expansion: 2009 hat der Discounter mit der Erschließung der Slowakei und Kroatiens begonnen, der tschechische Markt wird sondiert.

Allerdings marschierten sie von Anfang an getrennt. Sie hatten sich darüber zerstritten, ob sie Zigaretten ins Sortiment aufnehmen sollten. Als Folge des Disputs teilten sie ihr Hoheitsgebiet auf: Karl verantwortete den Süden, Theo den Norden. Die Demarkationslinie verläuft quer durch Nordrhein-Westfalen und Hessen; die neuen Bundesländer wurden später dem Norden zugeschlagen.

Trotz der Spaltung gibt es bis heute wichtige Gemeinsamkeiten: Die deutschen Aldi-Einkäufer ordern im Wesentlichen bei denselben Lieferanten, und sie gleichen Konditionen und Preise miteinander ab. Da hilft es, dass die Hauptverwaltungen nur wenige Kilometer auseinanderliegen; die des Nordens in Essen, die des Südens in Mülheim an der Ruhr.

Dort, mitten im Pott, fiel der Startschuss für die Globalisierung. Aldi Süd machte 1968 den Anfang. Karl Albrecht kaufte die österreichische Kette Hofer, die unter diesem Namen die Aldi-Ideale in der Alpenrepublik lebt.

Bruder Theo wartete fünf Jahre, bevor er sich in die Ferne wagte - sogar ganz weit weg, in die USA. Damals, Mitte der 70er Jahre, steckte das Land in der Rezession, der Dollar-Kurs war niedrig.

Theo Albrecht sondierte den Aufbau einer Aldi-Organisation in Texas, schaltete sogar Headhunter ein - bis ihn der Mut verließ. Lieber beteiligte er sich an verschiedenen amerikanischen Handelsfirmen. 1979 übernahm er schließlich den Filialisten Trader Joe's und baute ihn zu einem Delikatessen-Discounter aus, der mittlerweile über 300 Läden in den USA betreibt und hochprofitabel ist.

Karl blieb derweil nicht untätig. Er wollte dem Bruder den Markt nicht allein überlassen und kaufte 1976 die Kette Benner Tea of Iowa - die Keimzelle für die inzwischen auf über 1000 Shops angewachsene US-Kette von Aldi Süd.

© manager magazin 6/2009
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