Dienstag, 10. Dezember 2019

Aldi Eine Tüte geht um die Welt

2. Teil: Globaler Feldzug eines Getriebenen

Die Expansion in den USA ist Teil eines globalen Feldzugs. Immer weiter dehnt der deutsche Handelsriese sein Absatzgebiet ins Ausland aus. Kein anderer Discounter betreibt weltweit so viele Filialen, keiner setzt so viel um wie Aldi. Das Unternehmen ist auf drei Kontinenten vertreten, in Europa, in den USA und in Australien - insgesamt in 20 Ländern. Aldi hat inzwischen mehr Geschäfte jenseits (4745) als diesseits (4267) der deutschen Grenzen, nimmt im Ausland 26 Milliarden Euro ein, gegenüber 24 Milliarden daheim.

Grenzenlose Geschäfte: In- und Auslandsumsätze, geschätzt, in Milliarden Euro
manager magazin
Grenzenlose Geschäfte: In- und Auslandsumsätze, geschätzt, in Milliarden Euro
Schon vor mehr als 40 Jahren zog es Aldi in die Ferne, lange Zeit verlief die Internationalisierung aber recht gemächlich. Erst vor Kurzem forcierten die Handelsmänner das Tempo. Allein zwischen 2005 und 2008 eröffneten sie etwa 1000 Filialen im Ausland, sei es in Slowenien, Ungarn oder Portugal.

In den kommenden Jahren werden die Deutschen die Gangart noch verschärfen. Tausende von Läden sind geplant. In Großbritannien will Aldi die Zahl der Shops von derzeit 450 auf 1500 erhöhen; in Griechenland, wo erst im Herbst 2008 gestartet wurde, sollen es 400 werden, 500 in Ungarn und 1000 in Polen.

Ehrgeizige Vorhaben. Doch der Billiganbieter ist nicht nur Treiber. Er ist auch selbst getrieben - quasi dazu gezwungen, sein Glück im Ausland zu suchen.

Das neue manager magazin

Titel
Die Jagd auf Wiedeking
Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Wenn Aldi weiterhin beste Lieferkonditionen von der Industrie bekommen will, muss die unglaubliche Wachstumsstory weitergehen. Auch die zunehmenden Personal- und Energiekosten, die Aldi nicht auf die Kunden abwälzen will, erfordern Umsatzsteigerungen. Sonst würde die Gesamtrendite schrumpfen.

Zu Hause sind die Expansionsmöglichkeiten begrenzt. "Was Aldi exzellent beherrscht, nämlich ein einfaches, sehr konsequentes Geschäftsmodell auszurollen und zu multiplizieren, funktioniert im Inland nicht mehr", sagt Sirko Siemssen von der Beratungsfirma Oliver Wyman. Der Discounter ist in Deutschland bereits flächendeckend präsent, jede Neueröffnung nimmt bestehenden Läden Umsatz weg. Zudem steigt der Druck von Wettbewerbern wie Lidl, Netto und Penny.

Angreifer musste Aldi nicht von Anfang an abwehren. Als die beiden Krämersöhne Theo (heute 87) und Karl Albrecht (89) 1962 ihrer bescheiden dimensionierten Supermarktkette den ersten Albrecht-Discount (Al-Di) in Dortmund hinzufügten, kreierten sie eine Weltinnovation. Lange hatten sie eine Alleinstellung, die Konkurrenz nahm sie nicht ernst.

© manager magazin 6/2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung