Was macht eigentlich Heinz Ruhnau?

Einmal Lufthansa, immer Lufthansa. Zwar hatte Heinz Ruhnau viele Posten: Gewerkschafter, Senator, Staatssekretär, Coop-Manager. Doch nur ein Amt hängt ihm an wie festgetackert. In der Geschäftswelt ist und bleibt er der Ex-Chef der deutschen Nationalfluglinie.

Da hilft es nichts, dass Ruhnau rhetorisch Schlussstriche zieht, jede Einmischung ins laufende Geschäft abstreitet ("Ich habe damit abgeschlossen"). Vergeblich auch, dass er der traditionellen Weihnachtsfeier der amtierenden und ehemaligen Topleute zunächst zehn Jahre lang fernblieb. Längst kommt er wieder, regelmäßig.

In gewisser Weise steht der Mann mit der leicht rauen Stimme und dem norddeutschen Habitus noch heute an der Spitze einer bedeutenden Fluggesellschaft - in Dresden. Dort lehrt er als Honorarprofessor der Technischen Universität das Führen eines Luftfahrtunternehmens "aus der Sicht eines Vorstandsvorsitzenden", wie es im Uni-Programm ausdrücklich heißt. Den Ausdruck "wir" hat er ohnehin nie aufgegeben, womit er wie selbstverständlich die Lufthansa  und sich meint.

Der amtierende Konzernchef, Wolfgang Mayrhuber (62), weiß Ruhnaus Erfahrung zu nutzen. Der Ehemalige sondiert und antichambriert für ihn, vor allem in Osteuropa, wo Ruhnau seit jeher über beste Kontakte verfügt. Besonders in Russland hat die Lufthansa Beistand nötig, seit sich ein Bündnis mit der Staatslinie Aeroflot endgültig zerschlug. Obwohl Mayrhuber wie Ruhnau die Sondermission herunterspielen, ist der Pensionär häufig unterwegs, wie Kenner sagen, und das keineswegs nur pro bono.

Lediglich zu seinem Nachfolger Jürgen Weber (67) hat Ruhnau bis heute kein entspanntes Verhältnis gefunden. Die zuweilen herrische Art, für die Ruhnau bekannt war, ist nicht vergessen.

Seine Ämter hat der Altmanager alle aufgegeben, zuletzt den Aufsichtsratsvorsitz der Mitteldeutschen Airport Holding, die Klammer der Flughäfen Dresden und Leipzig-Halle. Dafür mischt er sich gern öffentlich ein, jetzt auch mit Leserbriefen. Zuletzt watschte er lasche Jugendrichter ab; außerdem den polnischen Regierungsbeauftragten Wladyslaw Bartoszewski, der 800 Jahre deutsche Geschichte im Osten vergessen machen wolle. Abstand hin, Altersmilde her - wenn es darauf ankommt, kann Heinz Ruhnau immer noch sehr energisch werden.