Woolworth Chaos im Kaufhaus

Finanzinvestoren treiben ein böses Spiel mit der insolventen Billigkette Woolworth. manager magazin sagt, wie das britische Unternehmen Argyll Partners, dem Woolworth seit Oktober 2007 gehört, die deutsche Warenhausfirma in die Pleite steuerte und sich der Pensionsverpflichtungen entledigte.

Es ist schon eine schwer verständliche Rolle, die der frühere Lidl-Manager Stefan Rohrer (40) seit einigen Wochen bei der Billigwarenhauskette DWW Woolworth Deutschland spielt. Am 2. März war er als Vorsitzender der Geschäftsführung angetreten, ohne Vertrag.

Keine fünf Wochen danach, am 2. April, ließ er im Aufsichtsrat eine Erklärung verlesen, er lege sein Amt als Geschäftsführer nieder, trete überdies seinen Dienstvertrag nicht an. Denn den hatte er bis dahin immer noch nicht erhalten, folglich auch nicht unterschrieben.

Bei dem britischen Finanzinvestor Argyll Partners Holdings Ltd., dem Woolworth seit Oktober 2007 gehört, wurde anscheinend auf derlei Formalien nicht viel Wert gelegt. Bis auf eine: Am Ostersonnabend, dem 11. April, meldete Woolworth beim Amtsgericht Frankfurt Insolvenz an.

Damit ist auch die Londoner Zwischenholding von Argyll, die DWW Group Holding Ltd., insolvent - Woolworth war ihr größter Vermögensgegenstand.

Zwischen Rohrer und Argyll gab es dem Anschein nach schwere Differenzen. Rohrer macht für seinen Rückzug geltend, die Gesellschafterin habe ihn nicht hinreichend über die dramatische Lage der Firma informiert. Offenbar war schon im März klar, dass Woolworth auf eine Insolvenz zusteuerte. Und als Geschäftsführer in eine Pleite hineinschlittern wollte Rohrer auf keinen Fall.

Sein Rückzug vom Topjob hinderte ihn indes nicht daran, weiterhin in der Firmenzentrale in Frankfurt-Niederrad ein- und auszugehen. Er berät inzwischen den Finanzinvestor Cerberus.

Der wiederum spielt eine ganz besondere Rolle. Zuerst hatte Cerberus im Herbst 2007 über einen Kauf der Deutschen Woolworth verhandelt - ohne Ergebnis. Plötzlich kaufte Argyll die Gesellschaft. Wurde Argyll von Cerberus als Erwerber womöglich nur vorgeschoben?

Auffällig jedenfalls, dass Argyll unmittelbar nach der Übernahme 110 Ladenimmobilien aus dem Besitz von Woolworth für 350 Millionen Euro an mehrere Cerberus-Fonds weiterreichte.

Ungewisse Zukunft

Der neue Eigentümer erhöhte flugs die Jahresmiete um einen einstelligen Millionenbetrag und trug auf diese Weise zur Verschlechterung der Situation von Woolworth bei. Hinzu kam, dass die Kunden den Gemischtwarenladen, der vom Polyacrylpullover bis zum Plastikeimer alles bietet, immer weniger schätzten. Reine Textildiscounter wie Kik oder Takko kommen besser durch die Krise.

Unter anderem, um die Mieten an Cerberus bezahlen zu können, setzte Argyll dem bis Anfang März amtierenden Geschäftsführer Robert Brech (52) hohe Umsatz- und Gewinnziele. Doch die wären selbst in besseren Zeiten kaum zu erreichen gewesen. Es genügte nicht, dass Brech etwa 3000 Beschäftigte entließ und die Personalkosten in den Läden von 18 auf erträgliche 13 Prozent vom Umsatz senkte.

Inzwischen scheint das Verhältnis zwischen Argyll und Cerberus getrübt. Die Insolvenz gefällt den Cerberus-Leuten selbstverständlich überhaupt nicht. Der Vermieter hat allergrößtes Interesse an einer Fortführung des Unternehmens.

Und da bekommt Rohrers Rolle wieder einen Sinn. Denn der frühere Deutschland-Chef des Discounters Lidl hat ein Konzept für Woolworth im Kopf. Er verhehlt denn auch nicht sein Interesse, das Unternehmen weiterzuführen.

Unter dem seit 1926 in Deutschland präsenten Label wird jedoch kaum mehr als ein Rumpfgeschäft fortbestehen. Der Betrieb krankte in den vergangenen Jahren auch daran, dass unter den gut 300 deutschen Filialen sehr große mit fast 4000 Quadratmetern - etwa an der Frankfurter Zeil - und sehr kleine mit nur 300 Quadratmetern sind.

Wie sollen bei solch unterschiedlichen Flächen ein schlüssiger Markenauftritt, ein einheitliches Ladenlayout oder ein gemeinsamer Einkauf realisiert werden?

Nicht ganz selbstlos

Nun, in der Pleite, besteht die Chance, aus lästigen Mietverträgen herauszukommen. Das würde dann wohl auch nicht ganz ohne Konflikte zwischen Rohrer und seinen neuen Freunden bei Cerberus abgehen. Denn Cerberus hat nicht nur gute Filialen im Immobilienportfolio - die Perlen waren vor dem Einstieg von Argyll und Cerberus versilbert worden.

Eine Zukunft unter dem Namen Woolworth werden nach Ansicht von Branchenexperten nur die mittelgroßen Filialen zwischen 1000 und 1500 Quadratmetern haben - vielleicht die Hälfte aller Läden. Die kleinen könnten unter einem anderen Label weitergeführt werden und - wenn es schlecht läuft - enden wie die von Karstadt ausgegliederten kleinen Häuser, die vor einigen Wochen unter dem Namen Hertie in die Insolvenz gingen.

Mitte April traf sich Rohrer bereits mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter, dem Frankfurter Rechtsanwalt Ottmar Hermann, der einst den Baukonzern Holzmann abwickelte und - neben Woolworth - auch die Pleite des Karosseriebauers Karmann verwaltet.

Zu seiner etwas rätselhaften Rolle befragt, sagt Rohrer, er berate nicht nur Cerberus, sondern auch Hermann. Weder mit dem einen noch mit dem anderen verbinde ihn jedoch ein Vertrag.

Wie auch immer - von den knapp 10.000 Arbeitsplätzen bei der Deutschen Woolworth werden etliche verschwinden. Von einer Last hatte sich das Unternehmen schon vor eineinhalb Jahren befreit - von den Pensionsverpflichtungen für die deutschen Mitarbeiter. Die Rückstellungen von annähernd 200 Millionen Euro hatte die englische Zwischenholding DWW Group übernommen. Nicht ganz selbstlos: Andernfalls hätte ihre Tochter Woolworth schon im Herbst 2007 Insolvenz anmelden müssen.

Doch nun ist auch die Londoner Firma pleite. Für die Ansprüche der Ruheständler wird wohl der Pensions-Sicherungs-Verein der deutschen Wirtschaft aufkommen.

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