Was macht eigentlich Kajo Neukirchen?

Herausgereckte Brust, Raubtierlächeln, wenn nötig ein kerniger Spruch. Kajo Neukirchen, Deutschlands berüchtigtster Unternehmenssanierer, kultiviert auch mit 67 Jahren, was ihn berühmt gemacht hat.

Das lässt sich gelegentlich zur Mittagszeit im italienischen Promi-Restaurant "Charlot" am Opernplatz in Frankfurt beobachten. "Mit Kurzarbeit", postuliert Neukirchen unerbittlich wie ein Radikalsanierer, "lässt sich die Wirtschaftskrise nicht lösen."

Die Lokalität ist nur wenige Schritte entfernt von seinem Fitnessklub und von seiner Hauptwirkungsstätte, dem Büro in der sogenannten Frankfurter Welle. Dort hat sich Neukirchen von seinem beruflichen Zwischentief im Jahr 2003, als seine Managerlaufbahn mit dem Rücktritt bei der ehemaligen MG Technologies ein jähes Ende nahm, erholt. Prächtig erholt.

"Mir hätte nichts Besseres passieren können", blickt Neukirchen milde zurück. Im Herbst vergangenen Jahres ist ihm der erste große Coup seiner zweiten Karriere gelungen, als Turnaround-Investor. Neukirchen kassierte einen dreistelligen Millionenbetrag beim Verkauf des Trafoherstellers SGB. Obendrein behielt er 12,6 Prozent der Firmenanteile. Vier Jahre zuvor hatte Neukirchen das Unternehmen - damals "blutrot" - zusammen mit Kompagnon Carsten Knauer (45), einem Ex-RWE-Manager, vom RWE-Konzern für schlappe 100.000 Euro übernommen.

"Angesichts der Vita des Mannes kommen Sorgen auf"

"Ich mache es so, wie ich will" - das war schon immer seine Devise. Jetzt lebt Neukirchen sie als Unternehmer mit Gespür für lukrative Geschäfte und gestrenger Aufsichtsrat aus. Etwa beim Leittechnikspezialisten IDS nahe Karlsruhe (270 Mitarbeiter; 31 Millionen Euro Umsatz). In diesem Fall erhielt das Duo Neukirchen/Knauer beim Erwerb 2007 sogar noch Geld als Morgengabe - was manch einen ärgert. Nun ja, wo Kajo zupackt, da sprießt eben auch gern mal ein Zweifel.

Auch beim Berliner Spezialisten für Industriesoftware PSI (1150 Mitarbeiter; 129 Millionen Euro Umsatz), an dem sich Neukirchen jüngst mit knapp 19 Prozent beteiligte, eilt ihm sein Ruf voraus. "Seine Pläne sind bislang unklar und angesichts der Vita des Mannes kommen Sorgen auf", kommentierte PSI-Betriebsratschefin Barbara Simon den Einstieg. Die Mitarbeiter befürchten einen Verkauf von Unternehmensteilen und die anschließende Verschmelzung mit der Karlsruher IDS. Neukirchen selbst sieht PSI laut einer Sprecherin hingegen als ein "langfristiges Investment".

Seit einem Jahr hilft Sohn Ralph (43) als Mit-Geschäftführer der Kajo Neukirchen GmbH. Steht die baldige Firmenübergabe bevor? Immerhin hat Neukirchen das Alter seiner drei Enkeltöchter ebenso schnell parat wie die Kennzahlen seiner Assets. Und das Domizil im spanischen Marbella ließe sich auch noch besser auslasten.

Nein. Der Junior, voll Respekt für den Vater, wird wohl erst einmal angelernt. In den Aufsichtsräten der Neukirchen-Firmen - und als Heuschrecke. Denn als Nächstes plant der Senior den Einstieg ins Beteiligungsgeschäft.