BMW 740i Großes Gedeck

Die 7er-Reihe von BMW kombiniert technische Meisterleistungen mit cleveren Accessoires. Auch mm-Tester Andreas Pohl, Generalbevollmächtigter des Finanzvertriebs DVAG, zeigte sich vom Hightech-Reigen der Luxuslimousine beeindruckt.

"Puuh!" Andreas Pohl ist vom Einstellen des Fahrersitzes im neuen BMW 740i genervt. An der Seite des wuchtigen Ledersessels - und für den Insassen somit nicht zu sehen - gilt es, mehr als eine Handvoll Schieberegler mit eingebauten Kipptastern, Druckschalter, große und kleine Knöpfe zu bedienen, die dann die Lehnenneigung, die Oberschenkelauflage, den Kopfstützenwinkel et cetera regulieren. Der Generalbevollmächtigte des Finanzvertriebs DVAG findet das "etwas umständlich".

Und dann noch der berühmt-berüchtigte iDrive! mm-Tester Pohl wirft einen argwöhnischen Blick auf den großen Dreh- und Drückknopf auf der Mittelkonsole, mit dem sich die Menüs zur Bedienung der Luxuslimousine über einen extra großen Monitor ansteuern und durchklicken lassen. "Den fass ich lieber gar nicht an!", entscheidet der Manager.

Andreas Pohl war "jahrelang überzeugter BMW-Fahrer". Er stieg um, weil sein bevorzugtes Modell, der M5, nicht mit Automatik angeboten wurde. Heute fährt er - neben einem Porsche Cayenne und einem 911er, jeweils in Turboversion - alltags vor allem einen Mercedes E 63, vom Tuner AMG mit 514 PS ausgestattet.

Doch schon im Moment des Losfahrens wird Pohl von einem weiteren Accessoire des neuen BMW-Flaggschiffs eingenommen. Das Head-up-Display, das neben der gefahrenen Geschwindigkeit und den Navigationsanweisungen auch das aktuell geltende Tempolimit ins Gesichtsfeld des Fahrers projiziert, hält Andreas Pohl "für eine Sensation". Endlich, seufzt er, müsse er "nicht pausenlos aufpassen", ob er nahe der Marburger Konzernzentrale gerade in einem Wohngebiet oder in einer Lärmschutzzone fahre. Der neue 7er weiß immer Bescheid und gibt die nötigen Warnhinweise.

Aber auch andere Extras der größten BMW-Modellreihe machen dem mm-Tester viel Vergnügen: etwa die vierstufig verstellbare Fahrwerksdämpfung, die Pohl sofort in "Sport"-Stellung bringt (und später in den noch härteren "Sport+"-Modus umschaltet). Oder die raffinierte Aerodynamik und die aufwendige Lärmdämmung, die dafür sorgen, dass sich die Insassen auch jenseits von Tempo 200 mühelos unterhalten können. Ein Umstand, den Andraes Pohl auf der Autobahn gern auskostet.

"Ein typischer BMW"

Gegenüber der neuen Drei-Liter-Maschine des Testwagens ist Pohl zunächst skeptisch: "326 PS - weniger sollten es bei einer Limousine dieses Formats nicht sein." Doch dann überzeugen ihn die Drehfreudigkeit und das Drehmoment, das die zweistufige Turbo-Aufladung des Sechszylinders bereitstellt.

Auf der Straße ins malerische Städtchen Amöneburg treibt Pohl die Limousine bergauf immer schneller durch die Serpentinen - bis das ESP interveniert. Dennoch ist der Tester mit dem Ergebnis zufrieden: "Ein typischer BMW: Temperamentvoll und elastisch am Gas hängend."

Trotzdem würde sich Andreas Pohl das neue Flaggschiff wohl nicht kaufen. "So eine große Limousine" passe eher zu seinem Vater, sagt der 44-Jährige. Der 80-jährige DVAG-Gründer Reinfried Pohl fährt einen Mercedes S 600.

Dass der neue 7er tatsächlich ziemlich groß geraten ist, zeigt sich im Parkhaus des firmeneigenen Wellnesshotels. Das Aussteigen gelingt Andreas Pohl dort nur auf einem Behindertenparkplatz. Auf den normalen Stellplätzen ließ sich die Tür nicht weit genug öffnen.


mm-Kritik: Das neue BMW-Flaggschiff kombiniert Meisterleistungen wie eine mitlenkende Hinterachse mit cleveren Accessoires: einer Abstandsautomatik, die auch im Stau funktioniert, einem Spurwechsel- und einem Totwinkel-Warner. Allerdings ist die Luxuslimousine breiter geraten als ihre Wettbewerber von Mercedes und Audi. Das macht in Parklücken Probleme beim Ein- und Aussteigen, beim Rangieren kommt der Fahrer leicht ins Schwitzen.

Technik (740i): Sechszylinder mit 326 PS/240 kW; Spitze 250 km/h.

Preis: ab 76.500 Euro.

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