Cloud Computing Vom Hype zum Hit

Cloud Computing lockt Nutzer mit niedrigen Preisen. Die Software aus dem Internet revolutioniert damit die Computerindustrie, denn für die Nutzer eröffnen sich enorme Einsparpotenziale. Aber auch die Risiken der IT-Services aus dem Netz sind beträchtlich.
Von Anne Preissner und Claus G. Schmalholz

Was ist Cloud Computing?

Hinter dem wolkigen Begriff verbirgt sich ein dramatischer Wandel in der IT-Industrie: Via Internet haben die Kunden Zugriff auf die Datenzentren großer Anbieter wie Google . Rechnerleistung und Speicherkapazität stehen nach Bedarf zur Verfügung, Software lässt sich via Web mieten.

Die Wolken-IT ist weltweit auf dem Siegeszug. Allein die Umsätze mit Mietsoftware werden sich bis 2012 auf knapp 15 Milliarden Dollar verdoppeln, prognostiziert die US-Marktforschungsfirma Gartner: Cloud Computing werde so bedeutsam wie E-Commerce und bereits 2015 ein Massenprodukt sein. Da Software-Ingenieure das Vagabundieren in globalen Netzen optisch gern als Wolke darstellen, entstand der Name Cloud Computing. Vorläufer der Wolkenwelle sind E-Mail-Konten von Online-Anbietern wie Yahoo  oder GMX.

Statt die Software auf dem eigenen PC zu installieren und die Festplatte vollzustopfen, reicht ein Internet-Browser, um mit beliebigen Endgeräten elektronische Post abzurufen. Die Bandbreite der Angebote wächst rasant. Sie reicht von virtuellen Speicherplätzen über Web-Spamfilter bis hin zu kompletten betriebswirtschaftlichen Anwendungen.

Wer offeriert Cloud-Lösungen?

Neben etablierten IT-Dienstleistern wie IBM , Hewlett-Packard oder T-Systems mischen völlig neue Spieler im Cloud-Geschäft mit. Das Internetkaufhaus Amazon , das ein eigenes globales Netzwerk betreibt, vermietet anderen Firmen Rechnerkapazitäten, die sich in Minutenschnelle den jeweiligen Anforderungen des Nutzers anpassen.

Der Kunde zahlt, wie bei der Stromabrechnung, nur die in Anspruch genommene Leistung. Sowohl an Privat- als auch an Geschäftskunden richten sich die Online-Offerten des Suchmaschinen-Giganten Google, der insbesondere Büroprogramme wie Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation im Web platziert.

Weitaus komplexere Anwendungen vermarktet der kalifornische Aufsteiger Salesforce.com. Auch die traditionellen Softwarehersteller setzen aufs Internet. Oracle  kooperiert eng mit Amazon, Microsoft  will seine Vormachtstellung bei PC-Betriebssystemen und Office-Software mit der neuen Technologieplattform Azure ins Netz ausweiten, SAP  arbeitet mit "Business by Design" an Angeboten für Mittelständler.

Google & Co. wildern spürbar in den Gefilden von Microsoft und SAP und bedrohen deren lukratives Geschäft mit Softwarelizenzen. "Cloud Computing wird künftig eine zentrale Rolle in der Informationstechnologie spielen", räumt Microsoft-Chef Steve Ballmer ein. Auch die Hardwarehersteller sind bedroht. Der Absatz von Servern wird schrumpfen, einfache Netbooks lösen zunehmend die mit Programmen überfrachteten PC ab.

Vorteile und Risiken

Wer kann Cloud Computing nutzen?

Mehr als zehn Millionen Geschäftskunden browsen bereits im Google-Reich, um ihre Office-Anwendungen zu erledigen. Täglich kämen bis zu 3000 kleine und mittelgroße Unternehmen hinzu, sagt Google-Enterprise-Manager Matt Glotzbach. Unter dem Dach von Amazon tummeln sich zahlreiche Großkonzerne, darunter Philips  und Eli Lilly. Mehr als 51.000 Firmen, darunter Starbucks  und Dell, die japanische Post und Siemens , vertrauen auf die "Software as a Service"-Angebote von Salesforce.com. In der Regel abonnieren Firmen für einen bestimmten Zeitraum Programme und verknüpfen sie mit ihren vorhandenen Anwendungen.

Welche Vorteile bietet Cloud Computing?

Wer flexible Rechnerleistung aus dem Web erwirbt, spart den Kauf, die Installation und die Wartung neuer Programme und Computerserver. Firmen können sporadisch benötigte Computerpower aus dem Netz beziehen und ihre IT-Abteilungen abspecken. Auch teure Softwarepakete mit selten oder nicht benutzten Programmen lassen sich durch preiswerte Mietsoftware ersetzen. Neben Kostenvorteilen schätzen Firmenkunden die Flexibilität der Cloud-Lösungen.

Sowohl DB Advisors, der Vermögensverwalter der Deutschen Bank , als auch der Kölner Werkzeugmaschinenhersteller Schütte setzen im Kundenmanagement auf die Wolkensoftware von Salesforce.com. Die Einführung der neuen Systeme gehe schneller als bei traditionellen Konkurrenzprodukten, loben Cloud-Nutzer. Weil Anbieter wie Google, Amazon und Salesforce.com ihre Technologieplattformen verzahnen, haben Unternehmen Zugriff auf eine Vielzahl neuer Anwendungen.

Welche Risiken birgt Cloud Computing?

Wenn Firmen die Hoheit über ihre IT an Google und Co. weiterreichen, steigt - logisch - ihre Abhängigkeit von externen Dienstleistern. Zudem wächst beim Überschreiten der Firmen-Firewall das Sicherheitsrisiko. "Unternehmenskritische Anwendungen sollten nicht ins Web ausgelagert werden", rät Peter Wesche, Research Director beim IT-Berater Gartner. Lutz Heuser, Leiter der Forschungsabteilung bei SAP, warnt: "Die Verfügbarkeit der Rechner bei Spitzenbelastungen ist oft nicht gewährleistet, bei den geschäftskritischen betrieblichen Anwendungen werden enorme Datenmengen ausgetauscht; dafür sind viele Angebote nicht geeignet."

Auch die Rückkehr aus der Wolke kann sich als problematisch erweisen: Eigenes IT-Know-how ist nicht mehr vorhanden, und alternative Anbieter sind - noch - nicht in der Lage, die vorhandenen Anwendungen weiter zu pflegen.

Umso wichtiger ist es, die Solidität des Cloud-Anbieters vorab zu prüfen: Welche Kunden hat er, wie zufrieden sind sie, wie stabil ist sein Netz, welche Sicherheitsstandards werden eingehalten? Für ganz Vorsichtige, die dem Web misstrauen, bieten IT-Dienstleister wie T-Systems Cloud-Lösungen in ihrem geschlossenen Computernetzwerk an.

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