Hugo Boss Tapferes Schneiderlein

Seit dem vergangenen Sommer ist Claus-Dietrich Lahrs nun der Boss bei Hugo Boss. Um die hohen Ansprüche seines Hauptaktionärs Permira zu erfüllen, muss der Vorstandschef des Edelschneiders künftig Wunder wirken.
Von Klaus Boldt

In immer ungemütlichere Umstände gerät die Groß- und Edelschneiderei Hugo Boss , die seit dem Sommer 2007 unter dem Regiment des Finanzinvestors Permira steht. Die Verbindung zählt nicht zu jenen, von denen man sagt, dass sie ein Quell ungetrübter Freude seien.

Die Herbst-Winter-Kollektionen, die zurzeit vor den Einkäufern des Handels ausgebreitet werden, finden zwar allenthalben Beifall und Hurra. Doch in der Metzinger Auftragsannahme schlägt die Freude wenig Funken: Großkunden wie Peek & Cloppenburg haben ihre Bestellungen gesenkt - um bis zu 20 Prozent.

Kaufhäuser üben sich in Zurückhaltung, Lager und Böden sind voll, die typischen Boss-Kunden (Bank- und Finanzkaliber) müssen sparen: Entmutigung und Erschlaffung greifen um sich.

Boss-Boss Claus-Dietrich Lahrs (45) sagt, er könne dies alles nicht bestätigen, und für eine Umsatzprognose sei es noch zu früh. Man befinde sich "am Beginn der Ordersaison". Aber auf dem Markt würden alle nur "mit Vorsicht agieren".

2007 war ein feines Jahr gewesen: Einnahmen (1,63 Milliarden Euro) und Gewinn (154 Millionen Euro) brachen Rekorde. Die vergangenen zwölf Monate freilich fielen bescheidener aus: Bis zum dritten Quartal war der Umsatz nur um 3 Prozent gestiegen, in Deutschland sogar gesunken, das Ergebnis gleich um 17 Prozent geschrumpft. Die Nettoschulden erreichten 620 Millionen Euro. Triumphal wird der Saisonabschluss nicht sein, den Lahrs am Donnerstag (26. März) präsentiert.

Dabei würde das im MDax  notierte Unternehmen mit den Unbilden der Wirtschaftslage wohl fertig. Lahrs, der von Dior zu Boss gewechselt war, zeigt ansprechende Leistungen, er genießt den Respekt der Innung - wenngleich sein sprödes Naturell napoleonhafte Züge nicht immer verhehlen kann.

Indes, die Ansprüche seines Arbeitgebers sind hoch. Im Sommer 2007 hatte Permira die Valentino Fashion Group übernommen, in deren Besitz sich der Anzugschneider zu 88 Prozent befindet. 3,4 Milliarden Euro kostete die Neuerwerbung. Sie war teuer und obendrein mit geliehenem Geld bezahlt: Die Tilgung des 2,4-Milliarden-Euro-Kredits wurde zu einem großen Teil Boss selbst aufgebürdet.

Zirkusreifes Kunststück

Im März 2008 genehmigte sich Permira eine mit Sonderprädikat versehene Skandaldividende von 455 Millionen Euro: Sie war dreimal so hoch wie der Gewinn, ein neuer Großkredit wurde nötig.

Entsetzt, aber mit rund zehn Millionen Euro abgefunden desertierte der damalige Anführer Bruno Sälzer (51) zu Escada, viele Getreue und Kollektionskünstler folgten ihm. Vom alten Vorstand ist heute niemand mehr da. Die Abgänge rissen große Löcher ins Idealbild vom Markenriesen und seinen Elitetruppen.

Gewagte Berechnungen werden angestellt, wie Permira künftig auf seine Kosten kommen kann (und Lahrs auf einen Bonus, der sein Salär von gut 1,2 Millionen Euro verdoppeln könnte), ohne dass Boss über Gebühr strapaziert oder doch zumindest nicht ruiniert würde.

Damit die Rechnung aufgeht, müsste der Umsatz, internen Dokumenten zufolge, 2009 um 14 Prozent steigen, die Erträge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen müsstem gar auf 460 Millionen Euro geprügelt werden. Wenn Lahrs dieses Kunststück gelänge, könnte er damit im Zirkus auftreten.

Nach einer Inspektion von McKinsey-Mechanikern hat er angewiesen, die Kosten um 120 bis 130 Millionen Euro zu senken. 150 Stellen werden gestrichen, die Marketingausgaben gedrosselt.

Welche Fügungen dem Umsatz neuen Schwung verleihen sollen, ist aber schleierhaft - die eigenen Filialen, deren Wirtschaftskraft mit 6500 Euro Umsatz pro Quadratmeter häufig nicht einmal für die Ladenmiete reicht? Zegna schafft auf gleicher Fläche leicht das Doppelte. Und mitten in der Krise Millionenbeträge ins Filialgeschäft zu pumpen ist riskant.

Permira schaut den Anstrengungen von Lahrs wohlwollend zu: Die britischen Herren können sich notfalls über eine ordentliche Dividende - der Hauptversammlung vorgeschlagen sind 1,37 Euro je Stammaktie (Vorjahr: 1,45 Euro) und 1,38 Euro je Vorzugsaktie (1,46 Euro) - versorgen oder, falls die nicht reicht, wieder die alte Nummer mit der Sonderdividende aufführen.

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