Forum Leserbriefe

Kopierte Konzepte

Gründer:Warum junge Unternehmer so häufig scheitern (mm 12/99)


Ein wunderschön klarer und nützlicher Beitrag, gerade für euphorische Existenzgründer.

Ihre Ansicht indes, dass Partnergründungen dazu geeignet sind, Katastrophen zu vermeiden, kann ich nur eingeschränkt teilen. Denn Partnergründungen verursachen häufig neue Katastrophen.

Entscheidend ist, wie lange und gut man den Partner vorher schon kennen gelernt hat. Partnerschaftssuche über Kontaktanzeigen endet privat wie geschäftlich meistens im Desaster.

Hans Emge, Flörsheim am Main


Die Gründer sollten sich weniger scheuen, rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, einerseits im Vorfeld der Gründung bei einem Gründungsberater, andererseits zum Beispiel bei einem Controllingbüro wenigstens so lange, bis sich ein eigener Kostenrechner wirklich bezahlt macht.

Die Gründer sollten sich bei der Auswahl eines Beraters neben einer Referenzliste auch über die Preise und Preisgestaltung informieren. Leider gibt es zu selten eine Festpreisgarantie und ganz klar geregelte Arbeiten, denn oftmals werden "nur" die Versicherungskosten auf Sparpotenziale geprüft, und dann wird eine neue, billigere Police abgeschlossen. Das hilft aber meist nur kurzfristig.

Hartmut Bös, per E-Mail


Einige wichtige Punkte möchte ich Ihrem Bericht noch hinzufügen:

  • Häufig werden Geschäftskonzepte von ehemaligen Angestellten, aber auch von Kunden, nur kopiert, da sie der Meinung sind, der Inhaber verdiene sich damit eine goldene Nase. Das kann sogar manchmal stimmen, lässt sich aber nicht auf ein weiteres Geschäft derselben Art übertragen. Häufig ist der Markt durch ein Geschäft gesättigt, und dann reicht es für beide nicht mehr.
  • Vielfach werden einfach die Handelsspannen überschätzt, ein Lebensmittelhandel hat gerade noch 0,7 bis 1,2 Prozent Rohgewinn, von dem dann alle Kosten und die Steuern gezahlt werden müssen. Mit anderen Worten: Ein Angestellter braucht einen Umsatz von circa 600.000 Mark im Monat nur für seinen Lohn. Das schafft ein kleiner Händler nie.
  • Die Branchenkennzahlen der IHK, der Banken (Bundesbankbericht) und der Handwerkskammern werden zu selten genutzt.
  • Es wird in Bereiche investiert, deren Produktlebenszyklus schon am Ende ist.


Roland Helmrich, per E-Mail




Flucht mit dem Schleudersitz

Manager des Jahres 1999: Jürgen Weber brachte die Lufthansa wieder auf Kurs (mm 12/99)


Beim Wechsel im Vorsitz des LH-Vorstands drängt sich förmlich folgendes Bild auf: Das Flugzeug Lufthansa befindet sich in einem steilen Sturzflug. Ob der Absturz noch verhindert werden kann, wird immer fraglicher.

Unmittelbar vor dem erforderlichen Abfangmanöver katapultiert sich Kapitän Ruhnau mit dem einzigen Schleudersitz an Bord in den hoch dotierten Ruhestand. Kopilot Weber, der immerhin das letzte Leg im rechten Sitz geflogen ist, wechselt, schon aus Überlebensgründen, in den linken Sitz und kann mit dem Glück des Tüchtigen das Flugzeug vor dem Aufschlag abfangen.

Ich hoffe, es schmälert Webers Verdienste um die Sanierung nicht, wenn ich feststelle, dass er die besten Voraussetzungen für einen Erfolg vorfand: eine Regierung, die den "National Carrier" niemals hätte abstürzen lassen und zu Zugeständnissen bereit war (Privatisierung), und Mitarbeiter, die nach den schlechten Erfahrungen mit dem Seiteneinsteiger aus der Politik nur zu bereit waren, sich um einen der Ihren mit dem Image des "guten Jungen von nebenan" zu scharen.

Johannes H. Irle, Seligenstadt




Steigbügelhalter

Essay: Klaus Harpprecht über die Rolle der FDP (mm 12/99)


Der Liberalismus in Deutschland war früher einmal wichtiger Schrittmacher gesellschaftlicher und ökonomischer Fortschritte. Leider haben die Erben Stresemanns, Dehlers und Scheels sich durch Postenschacherei immer mehr korrumpieren lassen. Es reicht einfach nicht, nur Steigbügelhalter der Großen zu sein.

Auch der Eintritt in die Opposition lässt bisher keinerlei ernsthaftes Politikkonzept bei der FDP erkennen. Eine neue, unverbrauchte Führungsriege mit klaren Alternativvorschlägen, verbunden mit einer deutlichen Abgrenzung gegenüber dem früheren Koalitionspartner CDU/CSU kann den Liberalen wieder eine Chance eröffnen, Politik in Deutschland mit zu gestalten.

Dr. Karsten Strey, Hamburg




Alarmsignal

Polemik: Der Prominentenwahn von Jugendlichen und die Schuld der Schule (mm 12/99)


Wenn sich Jugendliche in eine Traumwelt zurückziehen, dann ist das ein Alarmsignal. Doch warum kommt es in Deutschland so weit? Immer seltener werden den Jugendlichen Inhalte vermittelt. Weltbezogene Themen wie Wirtschaft haben etwas Exotisches in der schulischen Vermittlung. Als ehemals Europas jüngster Unternehmer (mit 15 Jahren, heute 20) weiß ich, wovon ich rede. Da ist es nur konsequent, wenn das Zelebrieren der Perspektivlosigkeit zum Standard wird. Wo lernen Jugendliche,ll dass sie sich Ziele setzen müssen? Dass sich aus jedem noch viel herausholen lässt, wenn er es nur will? Solange wir in Deutschlandl nicht vermitteln, wie sich das Lernen lernen lässt, können Jugendliche auch keine intelligenten Lösungen für ihr Leben entwickeln. Dann bleibt es bei Perspektivlosigkeit und Prominentenwahn.

Giso Weyand, Trainings & Coachings, Limburg




Nebulöse Vorstellungen

Seminare: mm-Report über den Trainermarkt und Leserzuschrift von Jutta Häuser,die eine bessere Selbstdarstellung der Seminaranbieter fordert (mm 12/99 und 1/00)


Nach meiner Einschätzung liegt die Ursache für Differenzen zwischen Seminarkunden und Dozenten, anders als Frau Häuser meint, viel häufiger darin, dass die Nachfrager keine oder nur höchst nebulöse Vorstellungen von ihren Defiziten haben und nicht klar beschreiben können, was im Seminar eigentlich ablaufen soll.

Oft ist es auch die Unfähigkeit der Vorgesetzten, bestimmte Verhaltensweisen bei ihren Mitarbeitern durchzusetzen, die zu Seminaraufträgen führt. Ich habe auch Fälle erlebt, in denen das Verhältnis zwischen Produktentwicklung und Vertriebsabteilungen nicht funktionierte, was dann durch ein zweitägiges Seminar aus der Welt geschafft werden sollte. Das kann natürlich nicht gut gehen - und dem Dozenten werden Vorwürfe gemacht.

Rainer Stolz, Neuss




Kostenloser Rat

Career-Center: Studenten werden auf den Berufseinstieg vorbereitet (mm 12/99)


Ich kann Ihnen ein österreichisches Career-Center-Modell vorstellen, das in Wien seit 1983 an einer öffentlichen Hochschule läuft, und zwar das Zentrum für Berufsplanung (zBp) an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Ein 20-köpfiges Team betreut im Jahr bis zu 1000 Absolventen und mehr als 1000 Jobaufträge. Zudem werden Praktika, Diplomarbeitsthemen und auch Teilzeitstellen vermittelt - selbstverständlich kostenlos.

Weiter bietet das zBp Recruitingforen und die Veranstaltungen, Work- shops und Seminare, die die entsprechenden Organisationen in Deutschland anbieten.

Elisabeth Schüller, Geschäftsführerin des Zentrums für Berufsplanung (zBp) WU-Wien

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