Spezial E-Business Die großen Könner

Cyber-Spezialisten - Wie etablierte Konzerne ihre Kernkompetenzen via Web vermarkten können.

Der Schatz steckt nicht im Tresor, sondern im Vertrieb, in der Logistik oder in der Serviceabteilung. Zahlreiche Traditionsunternehmen haben sich über Jahrzehnte Spezial-Know-how erworben, mit dem sie im Cyber-Zeitalter Geschäfte machen.

Wie die Deutsche Post AG. "Der Strom ist gelb geworden, die gelbe Post digital", propagiert Martin Raab, seit Januar Leiter des neuen Geschäftsbereichs E-Commerce. Die Post entwickelt sich im Eiltempo zu einem Internet-Dienstleister mit globaler Präsenz.

Als Logistikpartner für Online-Händler rechnen sich die Nachfahren von Thurn und Taxis ein riesiges Zusatzgeschäft aus. "Wir bringen den Klick zur Klingel", schwärmt der frühere McKinsey-Berater Raab.

Der Bedarf ist da: Ein Viertel der Weihnachtsgeschenke, die 1999 über das Internet bestellt wurden, lagen nicht rechtzeitig auf dem Gabentisch, weil fixe Web-Händler auf Schneckenlogistik gesetzt hatten.

Das soll sich ändern. Mit ihrem neuen Geschäftsfeld E-Commerce-Services (ECS) bietet die Post den Betreibern elektronischer Shops ein komplettes Dienstleistungspaket von der Bestellung über die Logistik bis zur Bezahlung. Je nach Bedarf können sich die Internet-Händler auch einzelne Services herauspicken.

Damit nicht genug. Über die Tochtergesellschaft Deutsche Post Com will sich die Bonner Ex-Behörde zur Drehscheibe für den digitalen Verkehr entwickeln. Zur Computermesse Cebit 2000 können Geschäftskunden die neuen Dienste "Trust-Center" und "Secure-E-Mail" in Anspruch nehmen ­ zwei digitale Sicherheitssysteme, die garantieren sollen, dass wichtige Web-Dokumente und Botschaften den richtigen Empfänger erreichen.

Cyber-Spezialisten wie der gelbe Riese stehen hoch im Kurs. Unternehmen, die Teile ihrer Wertschöpfungskette perfektionieren und Dritten anbieten, sind gefragte Partner. Eine Studie der BCG ergab, dass reine Online-Händler zu 58 Prozent ihre Lagerhaltung, zu 56 Prozent ihre Auslieferung und zu 43 Prozent ihren Serverbetrieb auslagern.

Die Nachfrage ist da ­ und beinahe wöchentlich formieren sich neue Anbieter. Die Otto-Tochter Hermes General Service hat sich mit dem Internet-Auktionshaus Ricardo.de verbündet. Ersteigert ein Privatmann aus Hamburg über Ricardo.de einen Schreibtisch in München, stellen ihm die Online-Boten von Hermes binnen 48 Stunden die Ware zu.

Hermes General Service, im März vergangenen Jahres gegründet, nutzt die Kernkompetenzen der Muttergesellschaft. Zu den angebotenen Dienstleistungen zählen neben Transport- und Lagerservices das Data-Marketing (Adress-Selektion und Vermarktung), die Gestaltung von Internet-Katalogen und virtuellen Läden, die Sortimentserstellung und -beschaffung, die Online-Bestellung über Call-Center oder Web sowie die Zahlungsabwicklung.

"Wir haben unsere Businesspläne schon nach wenigen Monaten übertroffen, und wir schreiben seit dem ersten Tag schwarze Zahlen", sagt Karsten Böhrs, Mitgeschäftsführer des neuen Otto-Unternehmens.

24 Kunden, darunter der HSV, zählt der Web-Ableger des weltgrößten Versandhauses. Für den Stromanbieter Yello lesen die Betreuer des Hermes-Versandservice bei Privat- und Geschäftskunden die Zählerstände ab. Der Wiener Wäschehersteller Palmers ließ sich den Online-Auftritt von den Hamburgern gestalten und greift auf deren Logistik zurück: Wer bei Palmers via Web Dessous bestellt, kann seiner Herzensdame die Strapse in Edelverpackung zukommen lassen. Hermes General Service macht's möglich.

Nur wenige etablierte Unternehmen nutzen bislang die strategische Chance, aus ihrem internen Knowhow ein weborientiertes Geschäft zu machen. Viel Zeit, ihre Schätze zu heben, haben die Zurückgebliebenen nicht mehr. Bald wird der neue Markt aufgeteilt sein.

Geschäftsmodell III - Virtuelle Unternehmen


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