Was macht eigentlich Jürgen Schrempp?

Über drei Jahre liegt nun schon Jürgen Schrempps Abschied von der Daimler-Spitze zurück. Doch noch immer wird vor Gericht über die Umstände des Rücktritts des Mannes gestritten, der als letztlich gescheiterter Erfinder der Welt AG in die Wirtschaftsgeschichte eingegangen ist.

Es scheint zu den Gesetzen der Daimler-Welt zu gehören, dass die alten Herrscher verstoßen werden. So erging es Edzard Reuter, nachdem ihn Jürgen Schrempp 1995 abgelöst hatte. Genauso erlebt es heute auch der 64-jährige Schrempp. Gescheitert an der Aufgabe, aus Daimler, Chrysler und Mitsubishi die Welt AG zu formen, verließ er den Konzern Ende 2005.

Es war ein Abschied für immer, fast als werde ein Diktator vom Thron gestoßen. Nicht einmal die Restlaufzeit des Vertrags zahlten die neuen Herren dem Mann aus, den sie so lange hofiert hatten. Auch Schrempps Gattin Lydia, die jüngst in Kitzbühel ein eigenes Restaurant (Drei-Sterne-Koch inklusive) eröffnete, wurde Anfang 2008 aus dem Konzern gedrängt. Was bleibt, ist das Geld: Schrempp verdiente allein mit Aktienoptionen einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

In Runden alter Daimler-Recken lässt sich Schrempp heute nicht mehr blicken. Auch die Treffen der Similauner, des exklusiven Klubs bergsteigender Wirtschaftsgrößen, meidet er, seit er am Steilhang mal schwächelte. Schrempp fühle sich "missverstanden", berichten alte Vertraute. Rechtfertigen für die Vergangenheit aber mag er sich nicht. Als Daimlers langjähriger Aufsichtsratschef Hilmar Kopper einen Artikel über Schrempps Verdienste publizieren wollte, lehnte der dankend ab.

Schrempp pendelt heute zwischen München und Kitzbühel, wo er neben der um ihr Unternehmen kämpfenden Maria-Elisabeth Schaeffler und dem früheren Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer residiert.

Geschätzt wie einst wird er nur in Südafrika. Dort hat er bedeutende Aufsichtsratsmandate inne, etwa bei South African Airways. Er sitzt der Südliches-Afrika-Initiative der Deutschen Wirtschaft (Safri) vor. Die bei Industriegrößen vor Ort hoch angesehene Organisation bietet zum Beispiel Aus- und Weiterbildung für junge afrikanische Unternehmer an. Dort glänzt Schrempp noch, etwa im Oktober 2007, als er in Pretoria erst die Gespräche zweier Wirtschaftsdelegationen leitete und darüber dann anderthalb Stunden mit dem damaligen Präsidenten Thabo Mbeki und Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach.

Der letzte große Auftritt in Deutschland war eher unfreiwillig. Im vergangenen Oktober sagte er vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht über die Umstände seines Rücktritts aus.

Zunächst hatte das Gericht eine Schadensersatzklage von Aktionären zurückgewiesen. Derzeit prüft es aber auf Anweisung des Bundesgerichtshofs noch einmal, ob Daimler  den Abschied nicht doch zu spät veröffentlichte und damit Anleger schädigte. Nach Schrempp und Kopper sollen nun Anfang April Ex-Mercedes-Chef Eckhard Cordes und das einstige Aufsichtratsmitglied Arnaud Lagardère als Zeugen aussagen.

Fotostrecke: Das bewegte Leben des Jürgen Schrempp

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