BMW X6 Allround-Talent

Sind Supersize-Alleskönner wie der BMW X6 noch zeitgemäß? Den Geschmack von Kofferproduzent Thomas Wagner hat die Münchener Kreuzung aus Coupé und SUV beim Test für das manager magazin getroffen.

Am Tag der Testfahrt bietet das Alpenvorland ein Gebirgspanorama im Breitwandformat und weiße Wolken im Azur: die ideale Kulisse für einen Freiluftauftritt von Thomas Wagner. Der Geschäftsführer von Titan Reisegepäck, ein oberbayerischer Pfundskerl von zwei Metern Körpergröße und deutlich über 100 Kilo Gewicht, behauptet, er sei nie schlecht aufgelegt. Gute Laune, sagt der Amateurschlagzeuger, sei vielmehr eines der Erfolgsgeheimnisse seines Unternehmens. "Wir leben vom Verkaufen", weiß Wagner. "Und je besser die Stimmung, desto größer die Kauflust beim Kunden."

Der Anblick des BMW X6 auf dem Parkplatz der winzigen Firmenzentrale in Penzberg hebt Wagners Laune zusätzlich. "Ein sauschicker Karren!", entfährt es dem 52-Jährigen. Sofort korrigiert Wagner die Derbheit - mit Eigenwerbung: "Das Konzept des Autos ist so originell wie das der Firma Titan!"

Der X6 vereint die Allradtechnik von BMWs "X"-Modellen mit der noblen Ausstattung der Coupés und Cabrios der 6er-Baureihe. Ergebnis ist ein Fließheck im XXL-Format mit knapp 2,4 Tonnen Leergewicht, drei Quadratmetern Stirnfläche und Reifen, die breiter sind als der Durchmesser einer Familienpizza.

Hinterm Lenkrad fühlt sich Thomas Wagner sofort wohl. Die Sitze erscheinen ihm ebenso bequem wie sicher, und selbst der Fußraum ist groß genug. Der Hüne hat, wie er freimütig bekennt, Schuhgröße 48.

Weitere Anlässe zur Freude findet Thomas Wagner in pfiffigen Extras des X6, etwa in der Rückfahrkamera oder im Head-up-Display, das die Anweisungen des Navigationsgeräts und die Digitalanzeige der aktuellen Geschwindigkeit auf die Frontscheibe und damit genau ins Blickfeld des Fahrers projiziert. Ein nützliches Accessoire: Keine 200 Meter nach dem Losfahren lässt es Wagner erkennen, dass er mit Tempo 90 durch die geschlossene Ortschaft braust. Reumütig geht er vom Gas. Sein flagranter Verstoß gegen die Verkehrsregel gehe nicht aufs Konto seines Temperaments, entschuldigt sich Wagner, sondern auf das des Achtzylinder-Turbomotors. "Der geht gar zu gut ab."

Was nur in Bezug auf die BMW-Maschine stimmt. Wagners Chef-Limousine, eine Mercedes-S-Klasse, ist auf 500 PS getunt. Die elektronische Drosselung, die bei 250 Stundenkilometern automatisch Gas wegnehmen sollte, hat der Tuner umprogrammiert. "Ein bisschen Spaß muss sein", heißt das bei Wagner.

"Wie ein Brett auf der Straße"

Die Probefahrt führt nur kurz über kurvige Landsträßchen ("Der Allrad liegt wie ein Brett auf der Straße"). Er dürfe nicht so viel Auto fahren, sagt Wagner: Seine persönliche CO2-Bilanz sei ziemlich mies. Das liegt freilich nicht nur an seiner Vorliebe für PS-starke Pkw. Mindestens zehnmal pro Jahr fliegt der Unternehmer nach China, wo sein Koffersortiment produziert wird.

Dann, auf der leeren Autobahn nach Garmisch, dreht Thomas Wagner die Maschine bis auf 6200 Touren und lobt den "kernigen Motorsound". Die Wind- und die Abrollgeräusche, die jenseits von 200 Stundenkilometern ins Cockpit des großen BMW dringen, seien jedoch deutlich lauter als in seiner S-Klasse.

Der Heimweg geht an der Baustelle der neuen Titan-Firmenzentrale vorbei. Im Parkhaus will Wagner Strom-Zapfstellen installieren lassen für die künftigen Elektroautos seiner Beschäftigten.

Unterwegs preist der Bauherr pauschal die Inneneinrichtung und die Verarbeitung des X6: "Es gibt nichts Besseres als deutsche Autos!" Nach einem Blick in den riesigen Kofferraum kommt Thomas Wagner zu einer rundum positiven Bilanz: "Da passen sogar die vier Golfbags meiner Familie rein. Das Auto wäre glatt was für mich!"


mm-Kritik: Sind Supersize-Alleskönner wie der X6 noch zeitgemäß? Im mm-Test ließ sich der Durchschnittsverbrauch trotz aller Spartricks nicht unter 15 Liter pro 100 Kilometer senken. Aber wer gut 2,5 Tonnen Blech und Mensch in 5,4 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen kann, darf sich nicht über einen astronomischen Spritkonsum wundern. Im Detail fiel das 4000 Euro teure Navigationsgerät auf, das erstaunlich unsolide arbeitet.

Technik (5,0i): V8-Turbomotor mit 407 PS/300 kW; Spitze: 250 km/h.

Preis: ab 74.800 Euro.

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