Christian Strenger "187 Meter zum Ziel"

Auf dem Golfplatz müssen auch Führungskräfte erkennen, dass nicht alles delegierbar ist, weiß DWS-Aufsichtsrat Christian Strenger. Denn den Golfschlag muss jeder selbst machen. Der Finanzexperte und Spitzenspieler spricht im Interview über golfende Manager und das Suchtpotenzial seines Sports.

mm: Unter Managern gelten Sie als der beste Golfspieler ...

Strenger: ... vielleicht einer der besten, ja. Ich war dreimal deutscher Meister, 40-mal in Länderspielen für Deutschland unterwegs, auch bei Weltmeisterschaften. In meinen besten Jahren zählte ich zu den Top Ten in der Einzelwertung. Also ganz vorzeigbar.

mm: Ihr Handicap?

Strenger: Mein bestes war plus 1. Jetzt bin ich bei 3,5 - nicht mehr Spitze, aber noch immer ganz ordentlich.

mm: Alle Achtung. Wie oft sind Sie noch auf dem Golfplatz?

Strenger: Nicht mehr so häufig, wie man es müsste, um stabil sehr niedrige Scores zu erreichen; meist nur am Wochenende, vielleicht noch einmal in der Woche für ein Abendtraining.

mm: Wie halten Sie es mit dem Golf im Urlaub?

Strenger: Da ich schon mit elf Jahren angefangen habe, kann der Elan nach über 50 Jahren schon mal nachlassen. Früher habe ich meine gesamten Ferien, alle Urlaube für das Spiel und die Meisterschaften aufgewendet.

mm: Sie sind ein Ausnahmespieler. Dennoch - haben Sie eine Erklärung, warum so viele Manager so gern Golf spielen?

Strenger: Weil das ein sehr guter Weg ist, sich zu entspannen, abzuschalten, Ruhe zu finden. Auch zu erkennen, dass eben nicht alles delegierbar ist. Denn den Golfschlag müssen Sie selbst machen. Sie können sich eben nicht entschuldigen, dass ein Nebenspieler Ihnen den Ball nicht richtig zugespielt hat. Der Ball liegt in aller Ruhe vor Ihnen, das Ziel liegt 187 Meter entfernt, und der Wind kommt von vorn.

Geheimnis des Handicaps

mm: Man ist auf sich selbst gestellt.

Strenger: Das ist die Faszination. Es ist eine große Herausforderung für den Spieler, ausgeglichen und nahezu demütig das Spiel anzugehen. Beim Golf ist nichts durch Kraft oder Schnelligkeit allein zu schaffen. Sie müssen versuchen, gelassen zu bleiben. Wenn Sie schon morgens in totaler Hektik loslegen, dann ist nahezu programmiert, dass es nachher auf dem Platz nicht funktioniert.

mm: Abgesehen von der sportlichen Seite hat das Spiel auch eine sehr gesellige Seite, Stichwort Networking im Golfklub.

Strenger: Das wird in puncto Geschäftsanbahnung häufig überschätzt. Letztlich will man sich am Wochenende doch nicht vorrangig mit geschäftlichen Dingen beschäftigen. Und richtig abschalten können Sie natürlich nicht, wenn Ihnen einer eilfertig über den Weg läuft und mal eben über die Transaktion "17 und 4" reden will.

mm: Der berüchtigte Vorbehalt von Hermann Josef Abs selig, der einen Vorstandsbewerber ablehnte, weil der Kandidat nach seinem Geschmack zu viel Golf spielte, gilt nicht mehr?

Strenger: Wenn jemand spät damit anfängt und dann völlig dem Spiel verfällt, ist sicher Gefahr im Verzuge. Denn Golf packt einen gehörig an, wenn der erste Schlag gelungen ist und dann lauter schrecklich schlechte folgen. Dann will der Betreffende das in den Griff kriegen.

Andererseits gibt es immer häufiger sehr gute Amateure in führenden Positionen. Eben weil diese Fähigkeit, auch unter Anspannung die beste Leistung zu vollbringen, wesentlich den Erfolg im Geschäftsleben ausmacht.

mm: Aber warum machen dann so viele Manager ein Geheimnis aus ihrem Handicap?

Strenger: Ist es hoch, dann ist es kein Reißer, darüber zu reden. Andersherum verhält es sich ein bisschen wie mit dem Reichtum: In Deutschland gilt es als nicht so fein, darüber zu reden.

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