Kolumne Blick nach vorn

Trotz der aktuellen globalen Schockstarre wird sich die Welt weiterdrehen. Fünf langfristige Trends, auf die sich Manager eher heute als morgen einrichten müssen.

Angesichts der Krise starren alle nur noch auf die nächsten Monate. Doch die Welt wird sich weiterdrehen. Längerfristige Trends dürften von der Krise unberührt bleiben. Ein Blick nach vorn lohnt deshalb gerade in der aktuellen Situation.

Viele Megatrends sind offensichtlich. Dazu gehören das Vordringen erneuerbarer Energien, alternative Antriebssysteme bei Automobilen, die Fortschritte in Biotechnologie sowie Medizintechnik.

Auch der kürzlich verstorbene Samuel Huntington scheint mit seiner These des sich verschärfenden "Kampfes der Kulturen" recht zu behalten. Desgleichen dürfte der amerikanische Politologe Robert Kagan richtig liegen, wenn er - anspielend auf das nach dem Fall des Eisernen Vorhangs von Francis Fukuyama publizierte Buch "The End of History" - nun "The Return of History and the End of Dreams" im Sinne des Entstehens neuer Machtblöcke propagiert.

Daneben zeichnen sich fünf Entwicklungen ab, die Management und Unternehmensführung sehr konkret betreffen. Darauf gilt es sich einzurichten.

Stärkere Einflussnahme der Politik

Die aktuelle Krise beschleunigt diesen Trend, vor allem im Finanzsektor. Unabhängig davon läuft die Maschinerie der staatlichen Intervention seit Jahren mit zunehmender Intensität. Die Einflussnahme wird dabei immer detaillierter (siehe EU-Regelungen) und kann alle Managementinstrumente betreffen (man denke an Vorschriften zur Managementvergütung). Selbst Kerngeschäftsprozesse sind nicht mehr tabu.

So schlägt der Yale-Ökonom Robert Shiller unabhängige Finanzberater vor, die vom Staat bezuschusst werden und pro Beratungsstunde vom Kunden bezahlt werden, aber ansonsten keine weiteren Provisionen erhalten. In einem weiteren Vorschlag verlangt er für Privatleute Kreditversicherungen, die ähnlich wie die Kfz-Versicherung Pflicht sind. Manager werden sich immer stärker mit derartigen Vorschriften herumschlagen müssen.

Mentale Globalisierung

Die Globalisierung von Unternehmen läuft in typischen Phasen ab. Am Anfang steht der reine Export, dann folgt die Gründung von ausländischen Vertriebsgesellschaften, später die Produktion im Ausland. In diesem Zuge internationalisiert sich die Belegschaft. So haben die deutschen Hidden Champions seit 2007 mehr Mitarbeiter im Ausland als in Deutschland. Als letzte Phase folgt die Globalisierung des Managements.

Produkte werden klüger und kleiner

Immer mehr Unternehmen treten in das Stadium ein, in dem Mitarbeiter und Führungskräfte aus unterschiedlichen Kulturen im Alltag zusammenarbeiten. Harvard-Professor Howard Gardner, Erfinder des Konzepts der multiplen Intelligenzen, qualifiziert deshalb in seinem neuesten Buch "Five Minds for the Future" den Respekt für andere Kulturen als eine Schlüsselfähigkeit der Zukunft.

Ich sehe uns Deutsche diesbezüglich im Mittelfeld, traditionell offene Länder wie die USA, die Schweiz, England oder Schweden sind uns überlegen. Am anderen Ende werden geschlossene Gesellschaften wie Japan und Korea, vermutlich auch China, mit diesem Trend große Schwierigkeiten haben.

Mediale ersetzt persönliche Kommunikation

Geschäfte sind immer mit Kommunikation verbunden. Kunden, Lieferanten, Banker, Berater, Kollegen an oft weit entfernten Orten sind die Gesprächspartner. Etwa 15 Prozent der Mitarbeiter eines Unternehmens sind regelmäßig unterwegs, die Reisekosten eines global agierenden Unternehmens machen heute 2 bis 4 Prozent des Umsatzes aus. Hier erwarte ich starke Verschiebungen, insbesondere durch die Videokonferenz-Technologie. Wir haben im Frühjahr 2008 alle unsere Büros damit ausgerüstet, und unsere Erfahrungen damit sind sehr gut. Die Substitution von persönlicher durch mediale Kommunikation bedeutet nicht unbedingt, dass das absolute Reisevolumen zurückgeht. Aber die einzelne Führungskraft kann sich nun auf Außentermine konzentrieren, die wirklich sinnvoll sind. Da die Produktivität eines Managers letztlich "Zeitproduktivität" ist, geht es hier um eine zentrale Führungsfrage.

Verschiebung von Fremd- zu Eigenkapital

Eigenkapital wird an Bedeutung gewinnen. Das ist eine der Folgen der Krise, war aber ohnehin überfällig. Die katastrophal falsche Bewertung von Risiken hat zu Fehlallokation von Kapital und zu völlig unrealistischen Renditeerwartungen geführt.

Wenn Kredit in Zukunft ein knappes Gut wird, so muss vermehrter Eigenkapitaleinsatz die Lücke schließen - mit entsprechender Risikoübernahme und Honorierung. Letztlich ist das eine Rückkehr zu einem normalen Zustand.

Produkte werden klüger und kleiner

Der Informationsanteil im Wert von Produkten wird weiter massiv zunehmen. Damit einhergehen wird eine starke Vereinfachung und Miniaturisierung von Produkten. Die Automatisierung im Industrie- wie im Privatbereich steht vor einem Quantensprung. Die deutschen Unternehmen sind auf diesen Trend bestens vorbereitet, da es hier nicht um reine Informationstechnologie, sondern um die Integration von IT und Mechanik geht.

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