Mittwoch, 21. August 2019

Grünenthal Der Pillenkrieg

6. Teil: Angst um die Zukunft der Firma

Es ist ein schöner Plan, der aber leicht an der hässlichen Wirklichkeit scheitern könnte. Mit Sebastian bei Grünenthal und Albrecht bei Dalli hat es bereits zwei gescheiterte Vater-Sohn-Rochaden in der Sippschaft gegeben. Und diese haben auch unter den jüngeren Gesellschaftern tiefe Wunden aufgerissen.

Vater und Sohn: Michael Wirtz war mehr als drei Jahrzehnte geschäftsführender Gesellschafter von Grünenthal. Sohn Sebastian, Nachfolger seines Vaters, war mit der Aufgabe des Geschäftsführers überfordert, 2008 trat er zurück.
Gruenenthal GmbH / DDP
Vater und Sohn: Michael Wirtz war mehr als drei Jahrzehnte geschäftsführender Gesellschafter von Grünenthal. Sohn Sebastian, Nachfolger seines Vaters, war mit der Aufgabe des Geschäftsführers überfordert, 2008 trat er zurück.
Fraglich ist auch, ob die Töchter und Söhne der zerstrittenen Stammesführer überhaupt das unternehmerische Interesse ihrer Eltern aufbringen. Schon jetzt sind viele regional und inhaltlich auf Distanz gegangen, arbeiten als Banker in Frankfurt oder betreiben Bars in Berlin.

Und spätestens 2010 wird Michael, der trotz aller Querelen noch immer die stärkste emotionale Bindung zum familieneigenen Pillendreher hat, altersbedingt auch den Unternehmensbeirat verlassen müssen. Dann sind alle Grünenthal-Gremien frei von Wirtzens.

Schon heute haben die Mitarbeiter Angst um die Zukunft der Firma. Dass Stock vom Pharmariesen Johnson & Johnson kommt, dem weltweit wichtigsten Vertriebspartner, ließ viele befürchten, die Übernahme stehe bevor. Um dem Flurfunk etwas entgegenzusetzen, sah sich der Beiratsvorsitzende Hennerkes gleich nach der Ernennung des neuen CEOs genötigt, in einem Brief an alle Angestellten zu versichern, Grünenthal werde nicht verkauft.

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Doch Sicherheit gibt auch dieses Bekenntnis nicht. Schließlich wird der Fusionsdruck in der Pharmabranche weiter zunehmen. Dafür sorgen allein die steigenden Kosten für die Medikamentenentwicklung.

Um die Eigenständigkeit nicht zu verlieren, könnte Grünenthal deshalb schon bald gezwungen sein, selbst einen Konkurrenten zu akquirieren. Gut möglich, dass sich die Familie zur Finanzierung des Deals dann sogar von Dalli trennen muss. Oder aber - zweite Variante - ein Konkurrent macht den Gesellschaftern ein attraktives Angebot für ihr Pharmaunternehmen. "Zukaufen oder verkaufen - in ein paar Jahren wird die Familie diese Grundsatzentscheidung treffen müssen", ist deshalb schon heute aus dem Beirat zu hören. Voraussetzung für das eine wie das andere wäre Einigkeit unter den Gesellschaftern.

So richtig mag daran aber zurzeit kaum jemand glauben. Selbst als auf der letzten Beiratssitzung im vergangenen Jahr der ansonsten selten um eine Meinung verlegene Michael meist schwieg und sich bei allen Entscheidungen dem Votum der anderen anschloss, empfand keiner der Anwesenden echte Freude. Vielmehr fragen sich viele: Was heckt Michael denn jetzt schon wieder aus?

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