Donnerstag, 27. Juni 2019

Grünenthal Der Pillenkrieg

4. Teil: Eine gespaltene Familie

Schuld an den Minigewinnen ist vor allem das zersplitterte Produktportfolio. Die Firma erwirtschaftet zwar mit einer Handvoll Medikamenten den Großteil ihres Umsatzes, vertreibt aber insgesamt rund 1500 Arzneien. Hinzu kommt, dass die meisten Produkte nicht mehr durch Patente geschützt sind. Generika lassen sich aber nur mit niedrigen Preisen und hohen Marketingbudgets vertreiben.

Firma vor Familie: Viel Geld für Forscher, wenig für Gesellschafter
manager magazin
Firma vor Familie: Viel Geld für Forscher, wenig für Gesellschafter
Allen Managern waren diese Probleme seit Ewigkeiten bewusst - genau wie die Tatsache, dass der auf Schmerzmittel fokussierte Pharmahersteller zur Risikostreuung längst neue Therapiegebiete hätte erschließen müssen.

Endlich Schluss mit dem Durchwursteln - das war auch die Devise des seit Herbst 2006 amtierenden Vorsitzenden des Unternehmensbeirats, Brun-Hagen Hennerkes. Der Anwalt und Experte für Familienunternehmen drängte immer wieder auf die Einsetzung eines CEOs, der allen die Richtung vorgibt.

Da Michael ahnte, dass Sebastian angesichts seiner bescheidenen Performance nicht für den Job infrage kam, versuchte er jedoch, die Umsetzung des Vorhabens mit allen Mitteln zu vereiteln.

Als der Familienstamm um Andreas und Franz den Pharmaprofi Andreas Strüngmann in den Beirat berief, glaubte Michael, seinen Vettern genau wie beim Dalli-Deal seinen Willen aufdrücken zu können. Er zog gegen die Ernennung von Strüngmann vor Gericht und klagt bis heute durch mehrere Instanzen - unter dem Vorwand, der Hexal-Gründer erfahre durch die Arbeit von Firmengeheimnissen, die er für seine Tätigkeit als Investor verwenden könne.

Doch die anderen Familienmitglieder waren die Managementmisere inzwischen leid. Auch Michaels Bruder Hermann hielt es für falsch, einen weithin anerkannten Experten zu beschädigen, nur um dem Sohn den Job zu retten. Deshalb kündigte Hermann die Jahrzehnte bestehende Nibelungentreue auf, der einst mächtigste Wirtz-Stamm war gespalten. Und Michael endgültig isoliert.

© manager magazin 2/2009
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