Donnerstag, 19. September 2019

AWD High Noon in Hannover

Carsten Maschmeyer, Gründer und Co-Chef des Finanzdienstleisters AWD, denkt auch über ein Jahr nach dem Verkauf seiner Firma nicht daran, die Kontrolle abzugeben. Die Swiss Life hat sich mit dem Milliardendeal verrechnet.

Es war eine Veranstaltung der besonderen Art, zu der Carsten Maschmeyer (49), Gründer und Co-CEO des Finanzdienstleisters AWD Börsen-Chart zeigen, Mitte November nach Düsseldorf gebeten hatte: Pompöser Titel ("Deutschlands größter Erfolgskongress"), gewaltige Kulisse (10.500 zahlende Zuschauer), prominente Redner (Ex-US-Präsident Bill Clinton, Ballonfahrer Bertrand Piccard, Boxlegende Henry Maske), knallbuntes Rahmenprogramm (Casting-Tenor Paul Potts, Brachialcomedian Atze Schröder) und ein überaus üppiges Budget (mehrere Millionen Euro).

Offiziell war es der Höhepunkt einer 30 Millionen Euro schweren Kampagne zur Anwerbung neuer Finanzberater, tatsächlich geriet der Kongress zu einer Leistungsschau in eigener Sache. Maschmeyer feierte Maschmeyer. Und wie häufig, wenn sich der AWD-Gründer selbst inszeniert, fiel alles einen Tick zu schrill, zu laut und zu teuer aus.

Vor allem aber war die Huldigung der eigenen Größe eine Provokation für Maschmeyers Großaktionär, den Züricher Versicherungskonzern Swiss Life Börsen-Chart zeigen. Seit der deutsche Vertriebsstar zwischen Ende 2007 und Mitte 2008 sein Aktienpaket in zwei Teilen für knapp 350 Millionen Euro an die Schweizer weiterreichte, herrscht zwischen Maschmeyer und den Konzernherren aus Zürich ein verbissen geführter Stellungskrieg.

Während der künftige Swiss-Life-Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig (51) und sein Nachfolger als CEO, Bruno Pfister (49), von Anfang an versuchten, Maschmeyers Einfluss im Unternehmen einzuschränken und den AWD-Gründer auf die Rolle einer Galionsfigur zu reduzieren, denkt Maschmeyer nicht daran, sich irgendeiner Form von Konzerndisziplin zu unterwerfen. Der Starverkäufer agiert so, als ob es keinen Großaktionär gäbe, reizt das Topmanagement der Swiss Life bei jeder sich bietenden Gelegenheit und setzt seinen Mutterkonzern mit aggressiven Kapitalmarkttransaktionen massiv unter Druck.

Die Fehde ist inzwischen auf einer Eskalationsstufe angelangt, die eine dauerhaft friedliche Koexistenz zwischen Maschmeyer und dem Management der Swiss Life als ziemlich unwahrscheinlich erscheinen lässt. Um den AWD tobt die härteste Auseinandersetzung in der deutschen Firmenlandschaft, seit sich der Investor Otto Happel (61) mit dem damaligen Chef der MG Technologies, Kajo Neukirchen (66), bekriegte.

Neukirchen zog damals den Kürzeren gegen seinen Großaktionär und musste gehen. Diesmal scheint der mehrere hundert Millionen schwere AWD-Gründer gegenüber den Schweizer Managern im Vorteil.

© manager magazin 2/2009
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