Was macht eigentlich Haim Saban?

Haim Saban wurde hier zu Lande als Eigentümer der TV-Kette ProSiebenSat.1 bekannt. 2006 verkaufte er seinen Anteil und hielt nach anderen Gelegenheiten Ausschau, Gutes zu tun und Schlechtes zu lassen. Geschäftlich nimmt ihn zurzeit ein US-Fernsehkonzern in Anspruch, dessen Kontrolle er mit vier anderen Investoren übernommen hat.
Von Klaus Boldt

Ach, ein bisschen kummervoll war dem Haim Saban (64) schon zumute gewesen, als Hillary Clinton, seine Favoritin, die Vorwahlen verloren und keine Aussicht mehr hatte, Präsidentin zu werden.

Er ist ja ein großer Förderer der Demokraten, obwohl er seine finanzielle Gunst zuletzt auch den Republikanern bezeugt hat, in Sonderheit dem Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Aber Hillary Clinton ("She is tender and tough") ist für ihn doch etwas ganz Besonderes: Saban, der schon ihrem Mann Bill zu Diensten gewesen war, ist ein enger Freund der Familie.

Er war einer der Ersten gewesen, der sie zur Kandidatur gedrängt hatten, damals im Dezember 2006, als sie auf dem Saban Forum, einer Konferenz, die sich der Nahostpolitik widmet, aufgetreten war. Nach ihrer Rede hatte er sie beiseitegenommen und sie gebeten: Nun müsse sie kandidieren, wirklich.

Eine Million Dollar hatte er bei Freunden und Bekannten für ihren Wahlkampf eingesammelt. Er ist ein guter Einsammler, und wenn er etwas will, kann er es auf Hebräisch, Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch wollen. Oh ja, er war enttäuscht gewesen. Aber nun ist sie Außenministerin auch gut (jedenfalls nicht schlecht)!

Saban besitzt ein Vermögen von vielleicht 3,5 Milliarden Dollar. Er ist ein Nebenmogul von der Westküste, einer aus Los Angeles, Malibu Beach. Er ist nett und charmant und kann auch schnell auf stur schalten. Er macht nie viele Geschäfte auf einmal, sondern immer hübsch eines nach dem anderen. Besonderen Spaß hatte ihm der Mehrheitsanteil der ProSiebenSat.1 Media AG  bereitet, dessen Wert binnen 40 Monaten auf wünschenswerteste Weise emporsprang beziehungsweise um muntere 330 Prozent.

Die Herren der Saban Capital Group waren damals eine ganz neue Erscheinung im hiesigen Mediengewerbe gewesen: Finanzinvestoren. Ganz heiße Typen aus Amerika: kamen immer kurz eingeflogen, stiegen im "Mandarin Oriental" ab und ließen sich von Journalisten umpudeln, die um Infokrümel bettelten.

Beneidet um seinen Wagemut

Respekt erwies ihnen auch die Obrigkeit, Ehrfurcht zollte ihnen die Innung. Der große Saban von jedermann um seinen Wagemut und Riecher beneidet.

2006 verkaufte er seinen Anteil und hielt nach anderen Gelegenheiten Ausschau, Gutes zu tun und Schlechtes zu lassen. Wozu ihm die Saban Family Foundation zur Verfügung steht, um die sich auch Gattin Cheryl (57, Foto) kümmert. Mit Zuwendungen von über 195 Millionen Dollar gehört Saban zu den spendabelsten Wohltätern der USA. Er ist die Großzügigkeit in Person.

Geschäftlich nimmt ihn zurzeit der US-Fernsehkonzern Univision in Anspruch, dessen Kontrolle er 2007 mit vier anderen Investoren für knapp 14 Milliarden Dollar übernommen hat. Die Wirtschaftskrise hat den Wert der Firma etwas ramponiert. Aber das macht Saban nichts aus. Er ist reich und in Form, er kann warten.


Haim Saban wurde in Deutschland als zeitweiliger Eigentümer der TV-Kette ProSiebenSat.1 (P7S1) bekannt. Der Sohn eines jüdischen Büroartikelhändlers aus Alexandria in Ägypten, aufgewachsen in Tel Aviv, hatte sich früh als Konzertveranstalter versucht, später als Musikproduzent für TV-Serien in Paris und Los Angeles. Sein Vermögen machte er mit Merchandising-Figuren ("Power Rangers").

Seit 2001 handelt die Saban Capital Group mit Medienbeteiligungen. Gemeinsam mit anderen Finanzinvestoren übernahm sie 2003 die Mehrheit der einst zur Kirch-Gruppe gehörenden P7S1 für 525 Millionen Euro. 2006 verkaufte sie den Anteil für drei Milliarden Euro an KKR und Permira.

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