Weltwirtschaftsforum Krisen und Gipfel

Von heute an bis zum Sonntag sucht die globale Elite in Davos nach Wegen aus der Weltwirtschaftskrise. Wer kommt? Um was geht's? Was bringt's? manager magazin beantwortet Fragen zum Jahrestreffen 2009 des World Economic Forum.

Worum geht's?

"Shaping the Post-Crisis World" lautet das offizielle Motto des diesjährigen Treffens, eine kurzfristige Änderung der Organisatoren. Ursprünglich sollte Davos vom 28. Januar bis zum 1. Februar unter einem wesentlich unverbindlicheren Oberthema stehen, etwa in der Preisklasse des letztjährigen Davos-Gemeinplatzes "The Power of Collaborative Innovation".

Das inhaltliche Ziel von André Schneider, Cheforganisator des World Economic Forum: Die Finanzkrise soll die Agenda nicht allzu sehr dominieren. "Wir wollen daran erinnern, dass es auf dieser Welt noch andere drängende Themen gibt, etwa den Klimaschutz oder die Millenniums-Entwicklungsziele."

Doch natürlich fährt niemand nach Davos wegen der Arbeitssitzungen im nahezu fensterlosen Kongresszentrum. Es geht um das Hinterher, um die Gespräche bei einem der vielen Empfänge und Dinners "by Invitation only".

Wer kommt?

Wie jedes Jahr muss die Frage eher lauten: Wer kommt eigentlich nicht? Gerade in Zeiten der Weltwirtschaftskrise bietet Davos einen willkommenen Treffpunkt für die Regierungschefs der G8-Staaten, die nahezu vollständig in Davos antreten werden - inklusive Angela Merkel. 2008 fehlte die Kanzlerin in Davos. Ein Hauch von neuer Weltordnung dürfte bereits bei der Eröffnung durch den Saal wehen, die Rede hält der russische Premierminister und Vielleicht-bald-wieder-Präsident Wladimir Putin.

Die Deutsche Bank  ist gleich doppelt vertreten, mit Josef Ackermann und Ober-Investmentbanker Anshu Jain. Dafür fehlt bislang Martin Blessing, Chef der Commerzbank . Wie viele Topmanager hielt er sich die Teilnahme bis zuletzt offen. Vorstandschefs, deren Unternehmen zahlende Mitglieder beim World Economic Forum sind, können sich auch in letzter Minute noch akkreditieren. Die Veranstalter garantieren ihnen sogar ein Hotelzimmer.

Einer Teilnehmerliste zufolge, die manager magazin vorliegt, haben neben Ackermann folgende Dax-Vorstandschefs zugesagt: Eckhard Cordes (Metro ), Peter Löscher (Siemens ), Jürgen Hambrecht (BASF ) und Werner Wenning (Bayer ). Sie treffen auf internationale Hochkaräter wie Bill Gates und Rupert Murdoch.

Powerlunch und andere Pflichttermine

Wo hingehen?

Wer auf sich hält, schmeißt in Davos ein eigenes Frühstück, einen eigenen Powerlunch oder eine Party. Die genauen Orte und Termine stehen meist erst kurz vor Forumsbeginn fest - keiner will riskieren, mit seiner Veranstaltung von einem noch spektakuläreren Event ausgestochen zu werden. Die Veranstaltungsräume der Davoser Hotels ähneln sich ohnehin alle, und die meisten Gäste planen ihre Agenda bestenfalls wenige Tage oder gar Stunden im Voraus.

Pflichttermin der deutschen Davos-Community: die Party von Verleger Hubert Burda am Mittwoch (28. Januar) im "Steigenberger Belvédère". In die Kategorie Geheimtipp gehört der Empfang des Wagniskapitalunternehmers Joe Schoendorf, der das Who's who des Silicon Valley versammelt und üblicherweise im Davoser Kirchner Museum feiert. Den größten Spaß des Forums verspricht die Bollywood-Night des indischen Softwarekonzerns Wipro.

Vorstände der "Fortune 500"-Konzerne versammeln sich beim McKinsey-Empfang, Politiker treffen sich beim Sabbat-Frühstück des israelischen Präsidenten Schimon Peres.

Bereits durch die Wahl des Hotels macht der Davos-Besucher deutlich, zu welcher Gruppe er zählt: Europäische Vorstandschefs wohnen im "Belvédère" oder im "Morosani Posthotel", die Amerikaner im "Seehof". Jüngere Davos-Gäste bevorzugen das "Central Sporthotel". Nur Davos-Novizen buchen die "Schatzalp", weil das ehemalige Sanatorium so schön an Thomas Manns "Zauberberg" erinnert. Fürs hektische Davos-Programm liegt es einfach zu weit oben am Berg.

Apropos Berg: Zum Forumsabschluss am 1. Februar gibt erneut Hubert Burda den Gastgeber zum traditionellen Abfahrtsskirennen für die Gäste, erstmals zusammen mit der Unternehmensberatung Booz.

Wer sich bewusst abseits des Trubels treffen will, der bucht meist einen Tisch im "Walserhof" im Nachbarort Klosters. Doch Vorsicht bei geheimen Fusionsgesprächen: Zur Forumszeit ist auch in diesem Edelrestaurant jeder Tisch belegt mit Wirtschafts-, Politik- und Medienprominenz.

Weltkrisenforum: Wer 2009 nach Davos kommt

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