Sicherheit Heiße Nächte

Immer häufiger werden Wohlhabende Opfer von Einbrechern. Aber es gibt Strategien, die vor fremdem Zugriff auf die Privatwelt sicher schützen. manager magazin gibt einen Überblick.

"Schmuck und Geld im Wert von 50.000 Euro", so notiert der Polizeibericht lapidar, "haben bislang unbekannte Täter in der Nacht zum Sonntag bei einem Einbruch in die Villa des Hamburger Unternehmers Hermann Schnabel erbeutet."

Die Einbrecher sollen gegen 1.40 Uhr auf das Grundstück am Alsterlauf gelangt sein, den Fensterrahmen zu einem Arbeitszimmer aufgehebelt und dort Schränke und einen Schreibtisch durchsucht haben. Als die Alarmanlage auslöste, flohen die Täter Hals über Kopf, der Unternehmer und seine Frau waren - gottlob - unbehelligt geblieben, sie wurden erst von den anrückenden Polizeibeamten geweckt.

Die Fälle, in denen wohlhabende Villenbesitzer Opfer von Einbrechern werden, häufen sich. Eben noch wurde der Überfall auf den Entertainer Dieter Bohlen vor Gericht verhandelt, da gab es im vergangenen Jahr schon reichlich neue Nachrichten aus der Ganovenszene: An der Côte d'Azur traf es den Modedesigner Daniel Hechter, in dessen Villa wertvoller Schmuck erbeutet wurde, ebenso den Torjäger Luca Toni nahe dem italienischen Modena.

Schlagzeilen brachten auch zwei vereitelte Entführungsversuche im Promidorf Kitzbühel. Dort waren das österreichische Traumpaar Fiona Swarovski und Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser sowie der Modemacher Werner Baldessarini und dessen Frau Cathrin in die Zieloptik einer rumänischen Kidnapper-Gang geraten, die beide Paare entführen und Millionensummen erpressen wollte.

"Der hohe Preis des Reichtums", titelte damals die "Bunte". Das sonst so froh gestimmte Blatt zeigte sich mit tiefen Sorgenfalten: "Jetzt geht die Angst um in der Society."

Nicht erst die ungeschehenen Kitzbüheler Kapitalverbrechen, sondern die steigende Zahl der tatsächlich vollzogenen Übergriffe in den Villenvierteln der Metropolen und an den Ferienorten der Reichen lassen aufhorchen. Sie schaffen ein neuartiges Klima der Bedrohung. Und bei den Spitzenanbietern unter den Sicherheitsdienstleistern wie der schwedischen Securitas, der britischen Control Risks oder der schweizerischen Brook & Partners volle Auftragsbücher.

Neue Gewalttätigkeit bei Übergriffen

"Die Angst hat zugenommen", berichtet Hans-Georg Heinrich, Bereichsleiter Bayern beim Sicherheitsmarktführer Securitas. Der Mann, der Besserverdienende von Bogenhausen und Grünwald bis Starnberg mit passenden Schutzkonzepten bedient, weiß "von etlichen Fällen in Deutschland, wo gewaltsam in Villen eingedrungen wurde und zwei, drei Täter in der Nacht neben dem Bett des Bewohners auftauchten und die Kombination des Tresors forderten".

Einbruch, Überfall, Entführung sind die hässlichen und bisweilen erschreckenden Begleiterscheinungen des Wohlstands. Im Licht der Öffentlichkeit stehende Topmanager und Unternehmer sind eine Zielgruppe für lichtscheue Beutemacher und Kriminelle.

"Wir spüren da eine Veränderung in Deutschland", sagt Robert Dietrich, Deutschland-Chef des Reichenversicherers Hiscox, "dass die Zahlen jedes Jahr steigen, dass die Einbrecher jedes Jahr professioneller, schneller werden. Die sind selbst bei sehr guten Sicherungen in der Lage, auch einen 600-Kilo-Safe aus der Wand zu sprengen und mit zwei Mann abzutransportieren."

Dietrich, bei dem 30 der 100 reichsten Deutschen und ansonsten Vermögen zwischen 150.000 und 500 Millionen versichert sind, ist beunruhigt vor allem von einer neuen Gewalttätigkeit bei Übergriffen.

"Das hat es zuvor nicht gegeben, dass Leute zu Hause vor der Tür abgefangen werden", sagt er. Aber auch der Urlaubsort ist nicht mehr geheuer. "Auf Mallorca hatten wir jahrelang überhaupt keine Kriminalität, seit fünf, sechs Jahren hat sich das massiv verändert." Dietrich weiß auch: Die Bedrohung von Managern und ihr Schutz - "das ist momentan ein sehr heißes Thema".

So verwundert es nicht, dass zumindest die Dax-30-Konzerne längst eigene Sicherheitsabteilungen haben, die auch für den Schutz der Topmanager und Vorstände zuständig sind, mitunter auch für den privaten Bereich. Obwohl das bei den Betreffenden nicht so gern gesehen wird, weil spätestens bei der Sicherheitseinstufung und Bedrohungsanalyse auch die Vermögensverhältnisse zumindest umrisshaft offengelegt werden müssen. Welcher Chef möchte schon, dass in seiner Firma bekannt wird, welche Werte er zu Hause hat.

Die nicht von ungefähr höchst verschwiegene Gesellschaft der Corporate-Security-Leute der Konzerne ist versammelt in der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft. Hier sind die Firmenschützer von Daimler  und Siemens , von Bayer  und RWE  vertreten. Ihr Sprecher Berthold Stoppelkamp hat seinen Sitz beim DIHK in Berlin.

Häufig, so sagt er, seien die Chauffeure der Manager zugleich ausgebildete Personenschützer. Mitunter werde vom Unternehmen auch der Schutz der Familie übernommen, je nach Wertschätzung der Führungskraft, die Regel sei das aber nicht. Jedenfalls sei es nicht der Schwerpunkt der Arbeit der Firmensicherer, das Privatleben der Manager zu schützen.

Kreditkarte kann zur Achillesferse werden

Raum umso mehr für private Sicherheitsdienstleister, über Leib, Leben und Besitz von Hochmögenden zu wachen.

Einer von ihnen ist René Schwarzenbach, vom Dienstgrad Major der Schweizer Armee und heute Inhaber von Brook & Partners mit Büros in Zug und Hamburg. Der kräftige 39-Jährige, der auch Sicherheitskräfte in Scheichtümern des Nahen Ostens ausgebildet hat, betreut etwa den CEO eines deutschen Chemiekonzerns, die Firmenspitze eines Schweizer Verlagshauses, daneben reiche Privatiers. Bei denen der Bau einer Jacht auf der Werft am Nordseehafen vor Neugierigen geschützt wird, der Umbau einer Prominentenvilla in St. Moritz vor den Fotoexpeditionen der Maurer und Klempner oder die Kunstsammlung in einer Wohnung in Zug.

Mitunter aber auch der Firmenpatriarch vor den Nachstellungen der beutegierigen Sippschaft. Wie in einem Züricher Fall, wo der Sohn dem alten Vater im handgreiflichen Streit um das 500-Millionen-Franken-Erbe die Zähne ausschlug und die Ehefrau des Alten kurz darauf gar mit Gift den Erbfall herbeizuführen suchte. Hier greift die Schwarzenbach-Firma seit einem halben Jahr mit Interventionstrupps und Krisenmanagement ein.

Der Alltag ist dies allerdings nicht. Der besteht eher aus dem friedlichen Besuch bei Klienten, die ein Sicherheitskonzept samt baulicher, technischer und organisatorischer Umsetzung für das Privatanwesen haben möchten. Und deren Lebensumstände und Gewohnheiten mit allen Sicherheitslücken analytisch aufgenommen werden wollen - eine eher dröge Tätigkeit.

Etwas heißer wird es, wenn Topmanager eine spezielle Fahrausbildung bei Schwarzenbach buchen. Damit sie lernen, wie sie - selbst am Steuer - Gefahrensituationen schnell meistern können. Durch abruptes Bremsen. Durch härteste Ausweichmanöver. Durch quietschendes Wenden. Voraussetzung: gute Nerven und noch bessere Gurte.

Für den gelernten Armeeaufklärer lauern die Gefahren überall.

"Ein Riesenthema ist die ganze Kommunikation", sagt er. "Wenn Sie jetzt dauernd mit Ihrer Kreditkarte bezahlen, und ich kenne ein Mädchen bei Visa, die mir mal schnell Ihr Profil öffnet, dann weiß ich schon, wo Sie sich bewegen. Und Sie werden verletzlich, denn ich kann Sie anrufen und sagen: Warum haben Sie in dem Saunaklub 400 Euro über Ihre Kreditkarte gebucht? Wollen Sie nicht mal mit mir reden?"

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

"Keine teuren Uhren, kein Besuch bei Huren"

Um dieser Gefahr vorzubeugen, hat Robin S. Kroha, bis vor wenigen Monaten Associate Director von Control Risks Deutschland, einen schlichten Merksatz für Topleute der Wirtschaft in der Öffentlichkeit gebastelt. Der da lautet "Keine teuren Uhren, kein Besuch bei Huren".

Aber Kroha, gelernter Politologe, gehobener Lebensart zugetan und gern in feinem Nadelstreif unterwegs, hat noch andere Merksätze für sicherheitsbewusste Wohlhabende parat. Das Profil niedrig hängen, heißt der wichtigste Rat, den Promifaktor gering halten. Für manchen Alpha-Menschen eine bittere Pille - aber so minimiert er auf alle Fälle das Risiko von Entführungen.

Krohas Firma, die ihren Sitz in Berlin hat und von einem Briten, ehemals Mitarbeiter des Geheimdienstes MI 6, geleitet wird, rühmt sich der Erfahrung aus 1400 Entführungsfällen weltweit, verfügt über eine Einsatzzentrale und einen speziellen VIP-Service.

Der reicht von der Risikoanalyse bis zum ausgefeilten Schutzprogramm, das für alle Lebenslagen Lösungen verspricht: "Einschulung der Kinder, Erwerb des Feriendomizils, Einstellung neuen Personals oder Veränderung der Bedrohungslage".

Die neuen Sicherheitslücken für den Manager, sagt Kroha, seien das Handy und der Privatcharter. Deshalb rät er, niemals in der Öffentlichkeit zu telefonieren. Wenn doch, dann nie über private Dinge.

Und dann erst das Lufttaxi! "Manager jetten nicht irgendwohin, um im Flieger die 'Bunte' zu lesen", sagt Kroha. "Der Geschäftsflug ist die ideale Gelegenheit für Abhörangriffe. Auf den General Aviation Terminals halten sich oft Leute auf, von denen niemand weiß, was sie dort zu suchen haben." Selbst bei der Auswahl der Hotels gilt Achtsamkeit. Niemals Zimmer in der ersten oder zweiten Etage, empfiehlt Kroha, die sind schnell erklommen.

Und für den Hausgebrauch hält Kroha einen alten Insidertipp bereit. Vor allem für Damen. Ein bisschen Schmuck sollte immer in der Nähe des Eingangs bereitliegen, lautet die Regel, damit gebe sich ein Einbrecher häufig zufrieden und es komme erst gar nicht zu Übergriffen. Schmuck ist schließlich versichert. Zum Neuwert.

Prominente Opfer: Von Einbrechern heimgesucht

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