Freitag, 19. Juli 2019

Reichen-Studie Ganz oben

Wie leben die deutschen Millionäre? Was ist ihnen wichtig? Wofür geben sie ihr Geld aus? Folgen Sie manager magazin und den Forschern von Sinus Sociovision auf eine Expedition ins Reich der Reichen.

Und dann bricht das Gewitter doch noch los. Den ganzen Nachmittag türmten sich die Wolken schon über dem nahen Maisfeld. "Zieht durch", versicherte Heino Ferch, aber nun ja ... der Mann ist Schauspieler, nicht Meteorologe.

Reiche unter sich: "Wer Polo spielt, braucht einen gewissen finanziellen Background"
Jörg Fokuhl
Reiche unter sich: "Wer Polo spielt, braucht einen gewissen finanziellen Background"
Es läuft gerade das vierte "Chukka", die letzten siebeneinhalb Minuten des Endspiels um die deutsche Polomeisterschaft der Amateure, als die ersten Tropfen über den Platz wehen. Und kaum sind die verschwitzten, mit Gras und Erde beschmutzten Männer (und die eine Frau) von ihren Pferden gestiegen, strömt das Wasser vom Himmel, und Sturmböen fegen durch die weißen Sponsorenzelte am Spielfeldrand.

Schon lösen sich im VIP-Bereich des Maklers Engel & Völkers die ersten Stangen aus dem Boden, flattern die ersten Planen im Wind. Spieler und Zuschauer eilen herbei, hängen sich an die Zeltstreben, um sie mit ihrem Gewicht am Boden zu halten. Ein illustrer Schwarm durchnässter Fledermäuse, der da baumelt: neben Heino Ferch zum Beispiel Clemens Graf von Wedel, Bankier bei Sal. Oppenheim, Großgrundbesitzer Hans-Albrecht von Maltzahn oder der halbwüchsige Sohn des Telefonbuchverlegers Christoph Dumrath.

Und so mutiert eine Wiese im bayerischen Voralpenland minutenschnell zu einem Feuchtbiotop, in dem sich eine scheue Spezies in ihrem natürlichen Rudelverhalten studieren lässt: jene Deutschen, die ganz am Rand unserer Gesellschaft stehen. Am oberen Rand.

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Titel
Die Jagd auf Wiedeking
Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Rund 750.000 Millionäre gibt es in Deutschland. Tendenz: steigend. Doch ihre Lebenswelt ist nicht annähernd so gut kartografiert wie die jenes Viertels aller Deutschen, das keinerlei Vermögen besitzt. Im jüngsten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beschäftigen sich 8 Seiten mit den Reichen, über 400 Seiten mit den Armen.

Das Forschungsinstitut Sinus Sociovision in Heidelberg hat sich erstmals auf eine soziologische Expedition ins Reich der Reichen begeben. Anhand statistischer Daten und zahlreicher mehrstündiger Interviews teilte Sinus die deutsche Oberschicht in sechs Milieus auf. Damit liefern die Sozialforscher zum ersten Mal eine detaillierte Landkarte für die Lebenswelt der Oberschicht.

Die sechs Oberschichtmilieus unterscheiden sich nicht in erster Linie durch ihren materiellen Status. Die Grundgesamtheit umfasst ausschließlich Personen mit einem Vermögen von mindestens einer Million Euro. Die wahren Unterschiede äußern sich in Wertvorstellungen und Lebensstilen.

Da gibt es zum Beispiel das Milieu der "konservativen Vermögenden". Menschen wie den früheren Industriellen Haymo Rethwisch, der sein Leben Ökolandwirtschaft und Tierschutz widmet und nebenbei den Lebensstil eines ostelbischen Junkers imitiert.

Oder man stößt auf die konventionellen Vermögenden: bodenständige Typen wie das Wuppertaler Ehepaar Volkner, das mit dem Bau von Luxuswohnmobilen zu Geld kam und von sich selbst fröhlich sagt: "Wir spielen kein Golf, wir machen noch das andere".

Schließlich gibt es die liberal-intellektuellen Vermögenden, etwa den "roten Reeder" Peter Krämer aus Hamburg, der gegen den Irak-Krieg kämpft und das Elend in Afrika - und trotzdem am liebsten im Privatjet reist.

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