ProSiebenSat.1 Mit Kundrun ins Finale

Der neue Vorstandschef des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1, Thomas Ebeling, hatte prominente Konkurrenz. Auch der Vorstandschef von Gruner + Jahr, Bernd Kundrun, interessierte sich für den Spitzenposten in Bayern.
Von Klaus Boldt

Hamburg - Die monatelange Suche der ProSiebenSat.1 Media AG (P7S1) nach einem neuen Vorstandschef endete am 9. Dezember mit der Verpflichtung des früheren Novartis-Managers Thomas Ebeling (49), eines Fachmanns für Pharmazeutika, Zigaretten und koffeinhaltige Erfrischungsgetränke.

Vielen Spitzenfiguren des hiesigen Medienbetriebs und schließlich etlichen anderen auch war der Posten des scheidenden Anstaltsleiters Guillaume de Posch (50) angeboten worden. Doch die meisten lehnten entsetzt ab: Der Fernsehkonzern, der sich unter der Herrschaft der Finanzinvestoren KKR  und Permira befindet, gehört nicht mehr zur ersten Garnitur der Innung: Die Sendeleistung nimmt ab, die Einnahmen sinken, und Schulden in gestapelter Höhe von 4,1 Milliarden Euro verleihen der Bilanz eine tragische Note. Allein die Zinslast ist geeignet, den schrumpfenden Gewinn fast gänzlich zu pulverisieren.

Zu den kuriosen Wendungen der Besetzungsprozedur gehörte neben ihrer zermürbenden Dauer die Tatsache, dass das Amt auf Vorstände der Bertelsmann AG (BAG) besonders starken Reiz ausübte: Finanzchef Thomas Rabe (43) stand kurz vor einem Szenenwechsel, was die BAG aber zu verhindern wusste. Ebeling seinerseits traf in der Endausscheidung auf den Bertelsmann- Modellmanager Bernd Kundrun (51), den Chef des Verlagsriesen Gruner + Jahr ("Stern", "Brigitte"), dessen große Mehrheit sich in BAG-Besitz befindet.

Ebeling sowohl wie Kundrun führten ausführliche Gespräche mit P7S1-Aufsichtsräten und stellten besonnene Überlegungen über Ideen und Konzepte und die Zukunft des Unternehmens an. Nicht unerfreut nahmen sie zur Kenntnis, dass sich die jährlichen Pfründen auf eine lichte Höhe von bis zu zehn Millionen Euro auftürmen könnten.

Anders als dem Novizen Ebeling ist dem Verlagsmann Kundrun das TV-Gewerbe nicht unbekannt: Von 1994 bis zu seinem Eintritt in den G+J-Vorstand hatte er drei Jahre lang den Bezahlkanal Premiere geleitet und das Publikum mit vielen gelungenen Aktionen verwöhnt. Bei den P7S1-Fahndern hatten die Erinnerungen daran ein lebhaftes Interesse wachgerufen.

Tatsächlich erschiene ein Arbeitsplatzwechsel zum jetzigen Zeitpunkt recht günstig: G+J befindet sich nicht im Idealzustand, unter der Wirtschaftskrise leidet das Anzeigengeschäft, unter der Konkurrenz des Internets der Zuspruch des zahlenden Publikums und Kundrun selbst unter der Verschuldung von Bertelsmann, die seiner Tatkraft und Ideenfreude enge Grenzen setzt: Jüngst musste er den gut 110 Journalisten von "Capital", "Impulse" und "Börse Online" avisieren, dass für sie künftig allenfalls 50 Arbeitsplätze zur Verfügung stünden.

Kundrun, dessen G+J-Vertrag im Jahr 2010 endet und im kommenden Jahr in die Verlängerung gehen soll, ließ die P7S1-Ratsherren wissen, dass er in der BAG-Zentrale bereits vorgesprochen und sich nach den Möglichkeiten einer vorzeitigen Freigabe erkundigt habe. Am Ende kam es aber nicht darauf an: Die Wahl fiel auf Ebeling.

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