Luxusgütermarkt Not bei Nobels

Einkaufen, bis die Platinkarte glüht? Ist nicht mehr. Seit die Hauptabnehmerländer USA, Russland und China schwächeln, stehen auch die Luxusgüterproduzenten unter Druck.
Von Anne Preissner

In den Moskauer Shopping-Tempeln, wo sich Hermès, Prada & Co. drängeln, ist die Nachfrage seit Wochen höchst überschaubar. "Bei vielen Luxuswarenproduzenten zeigt die Umsatzkurve momentan nach unten", weiß Manfred Hachmeyer, Konsumgüterexperte bei Deloitte.

Nicht nur in Russland rollt der Rubel seit Beginn der Finanzmalaise deutlich langsamer. Mancher Oligarch musste sich zu Spottpreisen von Firmenbeteiligungen trennen und im Kreml um Kredite betteln. In London und New York finden selbst Villen und Apartments in Superlagen kaum noch Abnehmer. Und Sportwagenhersteller wie Porsche  bangen um eine komplette Käuferschicht: die boniverarmten Investmentbanker.

"In früheren Krisen erwies sich das Luxussegment als äußerst resistent", sagt Sirko Siemssen, Handelsexperte bei der Consultingfirma Oliver Wyman, "diesmal aber ist die Gefahr groß, dass die Branche in Mitleidenschaft gezogen wird." Viele Reiche würden zwar immer noch reicher, doch die Vermögenszuwächse seien zurückgegangen, beobachtet Siemssen.

Noch bis Mitte vergangenen Jahres erfreuten sich Glamourhäuser wie LVMH , PPR  und Richemont  hoher Zuwachsraten und satter Erträge. Doch der Abverkauf neuer Kollektionen bleibt bei zahlreichen Modehäusern jetzt unter den Erwartungen, erfuhr Hachmeyer. Umsatzeinbrüche von 40 Prozent und mehr seien keine Seltenheit: "Bei den meisten Häusern sind die Business-Pläne für 2009 obsolet geworden."

Diego Della Valle (54), Chef des italienischen Schuhkonzerns Tod's, rechnet erst 2010 wieder mit einer Normalisierung des Marktes. Die Juweliere Tiffany und Bulgari hielten sich bei der Eröffnung neuer Stores zurück, und Dior wolle sogar einige Boutiquen in den USA schließen, heißt es in der Branche.

Seit die Luxus-Hauptabnehmerländer USA, Russland und China schwächeln, stehen auch High-End-Labels unter Druck. Insbesondere Louis Vuitton, Gucci und Polo Ralph Lauren expandierten in den vergangenen Jahren aggressiv gen Ost und Fernost.

Optimismus perdu. François-Henri Pinault (46), Präsident des Luxusgüterkonzerns PPR - zu dem auch Gucci gehört - befürchtet zwar nicht, dass es künftig zu wenige Reiche geben werde. Doch das Geschäft hänge "von deren Einstellung ab". Und die ist bis auf Weiteres recht zurückhaltend.

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