Dienstag, 25. Juni 2019

Karriere bei den Champions Die Welt ist nicht genug

4. Teil: Führungskräfte fordern Ideen ein

Eines der schwierigsten Projekte hat derzeit wahrscheinlich Uwe Michel. Der gelernte Jurist soll den ebenso verschlossenen wie lukrativen japanischen Lebensversicherungsmarkt knacken. Ein Markt, in dem ausländische Anbieter nie wirklich einen Fuß auf den Boden gebracht haben, dessen Prämienvolumen aber ungefähr dreimal so hoch ist wie die Einnahmen aller in Deutschland operierenden Lebensversicherer.

Weltweit aktiv: Struktur der Allianz SE
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Weltweit aktiv: Struktur der Allianz SE
Seit zwei Jahren sitzt Michel nun in seinem Büro unweit des Financial Districts von Tokio. Auf einem Bord steht noch immer das erste Teil seiner Büroausstattung: eine Kaffeemaschine. "Jeder, der mich besucht, bekommt einen Espresso", sagt Michel: "Guten Kaffee kriegt man hier ja nicht so häufig."

Die ersten Monate verbrachte er damit, Mitarbeiter von japanischen Finanzhäusern abzuwerben und Vertriebskooperationen mit den großen Banken auszuhandeln. Der Plan ist, eine Nische zu besetzen, um die sich Nippons Assekuranzgiganten bislang kaum gekümmert haben: Lebensversicherungspolicen, die das Geld ihrer Kunden zwar am Aktienmarkt investieren, gleichzeitig aber umfangreiche Kapitalgarantien abgeben.

Seit dem 1. April verkaufen Michels Leute ihre Policen. Dass zwischen Projektierung und Start nur 25 Monate vergingen, hat vor allem damit zu tun, dass die Allianz Life Insurance Japan Ltd. kein normales Start-up ist, sondern Teil eines Weltkonzerns. Das Produktkonzept stammt von der Allianz of America, die Versicherungsrisiken managt die Allianz Re Dublin, der japanische Zweig von Allianz Global Investors betreut das Sparkapital, dessen Wert wiederum die Allianz Investment Management in München und Minneapolis garantieren.

Michels Job ist die logische Fortsetzung seines bisherigen Wegs. Praktisch von Tag eins an gehörte Asien zu seiner Arbeitsplatzbeschreibung. Zuerst in der Rechtsabteilung, als er sämtliche Joint Ventures und Firmenkäufe in Asien begleitete, danach als Leiter des Merger-&-Acquisitions-Teams in Singapur und schließlich als Leiter eines Teams, das nach der Jahrtausendwende den Einstieg in den indischen Markt einfädelte.

Den letzten Schliff für seinen Auftrag in Japan holte er sich in Jakarta, als er zwei Jahre lang als CEO an der Spitze der indonesischen Tochterfirma stand. "Als ich bei der Allianz anfing, wollte ich ins Ausland, und ich wollte etwas Neues aufbauen. Also habe ich nach Gelegenheiten gesucht, meine Vorstellungen zu realisieren. Und ich muss sagen, man ist hier ziemlich offen für solche Projekte", sagt Michel. Es ist Teil der Kultur, dass die Führungskräfte Ideen einfordern, die Vorschläge ihrer Leute diskutieren und so viel wie möglich umsetzen.

© manager magazin 12/2008
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