Sonntag, 25. August 2019

Kunst der Gegenwart Wegweiserin

Warum der Kompass von Linde Rohr-Bongard als wichtigstes Ruhmesbarometer der internationalen Szene gilt.

In den 70er Jahren diskutierte sie lange Abende mit Joseph Beuys und Heinrich Böll. In den 80ern übernachtete sie regelmäßig bei Jeanne-Claude und Christo in deren Haus in New York. Anfang der 90er erforschte sie mit dem Galeristen Gerd Harry Lybke - ihrem Freund Judy - die ostdeutsche Szene. Und im kommenden Jahr übernimmt sie voraussichtlich eine Gastprofessur an der ältesten Universität Shanghais.

Seit fast 40 Jahren zählt Linde Rohr-Bongard zum festen Inventar der internationalen Kunstwelt. Mehr noch - die Herausgeberin des Kunstkompasses besetzt eine außergewöhnliche Position. Denn ihre Rangliste, die ab sofort exklusiv im manager magazin erscheint, gilt international als der kompetenteste Maßstab für die Bedeutung zeitgenössischer Künstler.

Gefürchtet und geliebt - der allherbstlichen Veröffentlichung der Rangliste fiebern Künstler, Galeristen und Sammler rund um den Globus entgegen. Da spricht der weltberühmte Maler Sigmar Polke die Kölnerin auf der Treppe zur Bibliothek des Museums Ludwig an: "Wo stehe ich?" Der langjährige Spitzenreiter Bruce Nauman lässt sich das Ruhmesbarometer regelmäßig von seiner Galerie Leo Castelli in sein abgeschiedenes Refugium in New Mexico faxen.

Das neue manager magazin

Titel
Die Jagd auf Wiedeking
Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Zeigt doch das Ranking der Top 100 an, welche lebenden Maler, Bildhauer, Fotografen und Performance-Artisten zu den Herausragenden ihrer Zunft gehören. Wer hier auf Platz eins steht, kann sich mit Fug und Recht als "der Größte" unter den Kreativen fühlen.

Die Punktewertung dient indes nicht nur der Selbstbespiegelung der Kunstschaffenden oder als Orientierungshilfe für Museums- und Galeriebesucher. Sie hat sich über die vergangenen 38 Jahre auch als zuverlässiger Wegweiser für Sammler und Investoren erwiesen.

Die Werke der im Kompass Versammelten haben fast ohne Ausnahme eine höchst erfreuliche Wertentwicklung genommen. So kostet ein Bild des US-Malers Cy Twombly heute fast 160-mal so viel wie 1970. Die Taxen für Produkte des Bildhauers Richard Serra erhöhten sich seit der Kompass-Gründung sogar um bis zum 300-Fachen. Werke von Jeanne-Claude und Christo, die damals 5000 bis 17.500 Euro brachten, erlösen heute 280 000 bis 600.000 Euro.

© manager magazin 11/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung