Mittwoch, 18. September 2019

Kunstkompass Die 100 Größten

7. Teil: Mit dem Ruhm steigen die Preise

Von dem streng wissenschaftlich arbeitenden Dänen Olafur Eliasson (Platz 9) werden Skulpturen ab 50.000 Euro angeboten. Allerdings nicht raumgreifende Installationen wie die gigantischen Wasserfälle, die er im Sommer 2008 unter der Brooklyn Bridge in New York regnen lies, oder der künstliche Sonnenaufgang, der in der Londoner Tate Modern faszinierte.

Wissenschaftler : Die Werke des Dänen Olafur Eliasson bezaubern nicht nur durch ihre Poesie, sondern bestechen auch mit technischer Raffinesse. Mit seinen Wasserfällen unter der New Yorker Brooklyn Bridge scheint der Installationskünstler jedenfalls die Naturgesetze außer Kraft zu setzen.
Eliassons Werke sind schön, oft spektakulär, leicht fassbar. Doch schließlich hat Kunst nicht zuvorderst die Bestimmung, Wohnzimmer und Firmenfoyers zu adeln oder als lukratives Investitionsobjekt zu dienen. Sie soll provozieren, neue Erfahrungen anregen, eine andere Welt eröffnen.

Hier zeigt sich der tiefere Wert des Kunstkompasses. Jenseits allen Kommerzes zeigt das Ruhmesbarometer auf, welche Akteure tatsächlich dem hohen Anspruch an gute Kunst genügen.

So sorgt etwa der Installationskünstler Maurizio Cattelan mit seinen makabren Skulpturen - sei es ein kniender Hitler im Miniformat oder ein von einem Meteor erschlagener Papst - für hellen Aufruhr. Der ehemalige Koch und Leichenwäscher kommt mit seinen bissigen Provokationen gut an. Spitzenhäuser wie das New Yorker Museum of Modern Art und das Pariser Centre Pompidou widmeten ihm bereits eindrucksvolle Einzelausstellungen. Seine beklemmenden Inszenierungen fehlten weder bei der Biennale in Venedig noch bei denen in New York und Sydney. Entsprechend kletterte der Italiener im Kunstkompass stetig nach oben - zuletzt von Platz 39 auf Rang 14.

Auch wenn Cattelans Kunst weit entfernt ist von leicht konsumierbarer Kost - mit dem Ruhm steigen die Preise. Vor zehn Jahren gab es noch für 10.000 Euro repräsentative Arbeiten. Heute verlangt seine New Yorker Galeristin Marian Goodman für das böse Spiel zwischen 190.000 und 450.000 Euro. Bei Auktionen erzielten seine subversiven Schelmenstücke sogar schon bis zu 2,2 Millionen Euro.

Und wieder einmal hat sich der Kunstkompass - der Cattelan seit dem Jahr 2000 unter den 100 Großen verzeichnet - als verlässlicher Indikator für bleibende Werte erwiesen.

© manager magazin 11/2008
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