Montag, 16. September 2019

Kunstkompass Die 100 Größten

6. Teil: Klassiker sind für Sammler einer gute Wahl

Die Klassiker von heute, wie sie der Kunstkompass in seinen Spitzenrängen ausweist, dürften also vom Wertverlust verschont bleiben, denn hinter ihnen steckt die geballte Kraft des Marktes.

Kritikerin: Von Platz 85 auf Position 59 verbesserte sich die 38-jährige Afroamerikanerin Kara Walker mit ihrem sozialkritischen Werk. In ihren monumentalen trügerischen Scherenschnittidyllen, die sich schnell als bitterböse entpuppen, verarbeitet sie etwa die Geschichte der Sklaverei in Amerika.
Gerade etliche der Veteranen erleben ein erstaunliches Comeback: Der Pop-Artist Jasper Johns (Rang 20) zum Beispiel, dessen Flaggenbilder erstmals 1980 die Preisgrenze von einer Million Dollar für einen lebenden Künstler sprengten. Oder der Bildhauer Richard Serra (Platz 19), dessen monumentale Eisenskulpturen im Sommer im Pariser Grand Palais ihre gigantische Wirkung entfalteten.

Mit dem Kauf solcher Ikonen machen Sammler sicherlich nichts falsch. Wo aber können sich Kunstfreunde engagieren, die nicht über das Polster eines Roman Abramowitsch verfügen?

Besonders intensiv sollten sich Liebhaber mit den Kompass-Künstlern beschäftigen, die stark im Rang aufgestiegen oder neu unter die 100 Großen aufgenommen wurden.

Die in Belgrad geborene Marina Abramovic etwa hat sich mit ihren verstörenden Aktionen weltweites Renommee verschafft. So schrubbte sie während einer Venedig-Biennale tagelang blutige Knochen und sang dazu Trauerlieder. Sie stieg von Rang 80 auf Platz 67 auf.

Fotos und Videos von den aufreibenden Performances bietet die New Yorker Galerie Kelly zu Preisen zwischen 30.000 und 40.000 Euro an. Die sozialkritischen Scherenschnitte der Aufsteigerin Kara Walker kosten derzeit noch ab 50.000 Euro.

Unter den Neuen bestechen die stark farbigen, streng gebauten Städteporträts der 41-jährigen Britin Sarah Morris (Rang 98). Ihre farbenprächtigen Bilder, die ab 30.000 Euro zu haben sind, basieren auf Fotos aus New York oder Las Vegas.

Großformatige Fotobilder vom japanischen Newcomer Sugimoto schlagen ebenfalls mit mindestens 30.000 Euro zu Buche. Die Foto- und Objektkunst des Düsseldorfers Hans-Peter Feldmann (Rang 82) wird mit Taxen ab 15.000 Euro sogar noch deutlich günstiger offeriert - so es nicht gerade ein überdimensionierter rosafarbener Kunststoff-David sein muss. Die Arbeiten des Lichtkünstlers Wolfgang Tillmans (Platz 85), der erneut im Kompass auftaucht, starten bei 10.000 Euro.

© manager magazin 11/2008
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