Donnerstag, 19. September 2019

Kunstkompass Die 100 Größten

5. Teil: Finanzkrise wird die Kunst nicht erreichen

Auch im Kunstkompass rückte Hirst nach vorn, um zehn Plätze auf Rang 18. Sein Ansehen hinkt damit allerdings seinem Marktwert hinterher, was Interessenten vorsichtig machen sollte. Zumal der gerissene, ja zynische Megadeal von London jenen süßen Geruch der Überreife verbreitet, der dem Kunstmarkt inzwischen nachgesagt wird.

Bei Hirst lief es noch einmal gut. Dass just am ersten Tag der Auktion die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers bekannt wurde, schadete dem Geschäft nicht. Doch dass es sich bei der zeitgenössischen Kunst um eine Spekulationsblase handelt, ist kaum noch zu bezweifeln.

Es fragt sich nur, ob die Preise infolge der Finanzkrise auf breiter Front einbrechen, ob sich einzelne Segmente auf hohem Niveau halten oder der Markt insgesamt sanft abschwingt. Schließlich boomen Werke von Richter, Baselitz, Hirst und Co. schon verdächtig lange. Nach Schätzung von Experten haben sich seit 2002 die Preise für Moderne Kunst im Schnitt verdoppelt.

Deshalb warnen etliche Fachleute vor einem Preiskollaps wie in den 90er Jahren, in denen die zuerst hochgejubelten Jungen Wilden zu quasi wertlosem Wandschmuck verkamen.

Doch nach einem derart brutalen Zusammenbruch sieht es kurzfristig nicht aus, glaubt Hirst, der clevere Auktionsgewinner: "Ich denke, dass der Markt größer ist, als wir vermuten."

So wie Hirst blickt das Gros der Kunstwelt gefasst in die Zukunft. Erfolgsgalerist Gerd Harry Lybke jedenfalls zeigt sich sicher, dass es nicht zu einem tiefen Absturz kommen wird: "Dafür investieren zu viele Leute in Kunst. Gab es früher weltweit nicht mehr als 50 große Sammler, sind es heute 6000. Aber der Kunstmarkt wird sich gesundschrumpfen, die wahnwitzigen Auktionspreise werden ein Ende haben."

Das Sammeln zeitgenössischer Kunst bleibt bei den Reichen und Superreichen das Statussymbol par excellence, weit nobler als Villen, Jachten und Privatflieger. Allen voran die neuen Millionäre und Milliardäre aus Asien, Arabien und Russland.

© manager magazin 11/2008
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