Dienstag, 10. Dezember 2019

Kunstkompass Die 100 Größten

3. Teil: Große Preissprünge für große Namen

Der jüngst verstorbene Amerikaner Robert Rauschenberg etwa hielt von 1970 bis 1978 Platz eins. Die Preise für seine Bilder versiebenfachten sich bis zu seinem Tod im Mai 2008. Offenbar wusste der Vater der Pop-Art, dass er seinen Erfolg auch der Rangliste zu verdanken hatte.

Wiedergänger: Ein beachtliches Comeback legt Altmeister Jasper Johns hin. Der Pop-Artist sprang im Kunstkompass um 13 Positionen auf Platz 20 nach vorn. In den 50er Jahren entstandene Ikonen wie "Flagge auf orangenem Feld" haben nichts an Frische verloren - sie werden wieder häufig auf den feinsten Kunstbühnen der Welt präsentiert.
Als ihn 1979 der deutsche Aktionskünstler Joseph Beuys vom Thron stieß, schickte er jedenfalls ein wütendes Protesttelegramm mit einer Aufzählung all seiner Auszeichnungen und Ehrendoktorhüte an die Kölner Herausgeber des Kunstkompasses.

Auch Beuys' rätselhafte Objekte erzielten nach dessen Aufstieg im Ranking deutlich höhere Preise. Statt anfangs 40.000 Euro brachten mittelgroße Originale des Fettkünstlers nach einigen Jahren 125.000 Euro.

Ähnliche Preissprünge erlebten auch die weiteren Kompass-Sieger Baselitz (1988 bis 1991), der Video- und Installationskünstler Bruce Nauman (1992 bis 1998) und der experimentierwütige Sigmar Polke (1999 bis 2004).

Die eindrucksvollste Marktentwicklung indes zeigte das OEuvre der seit 2004 mit großem Vorsprung amtierenden Nummer eins.

Im allerersten Kompass 1970 besetzte Gerhard Richter Position 57. Repräsentative Bilder des gebürtigen Dresdners gab es damals für bescheidene 3000 bis 5000 Euro, während seine US-Kollegen Jasper Johns, Roy Lichtenstein und Andy Warhol zum gleichen Zeitpunkt schon 60.000 bis 150.000 Euro für ihre farbenfrohen Bilder erzielten. Wohl dem, der bei dem Deutschen zugriff!

In der großen Christie's-Novemberauktion 2007 brachte Richters "Düsenjäger" von 1963 die stolze Summe von 7,7 Millionen Euro. Anfang Oktober ging bei der Kölner Art Fair eine seiner schwungvollen Abstraktionen für neun Millionen Euro an einen Sammler, der damit seinen Landsitz in Italien schmücken will.

© manager magazin 11/2008
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