Montag, 16. September 2019

Kunstkompass Die 100 Größten

2. Teil: Frauen rücken stärker ins Rampenlicht

Die Frauen im Kompass rücken noch stärker ins Rampenlicht. Drei Künstlerinnen stehen auf den Plätzen 5, 6 und 7: die Deutsche Rosemarie Trockel, die große alte Dame der Bildhauerei, Louise Bourgeois, und die US-Fotokünstlerin Cindy Sherman. Auch haben sich unter den Top 100 zwei Frauen um die meisten Positionen nach vorn gearbeitet: Die deutsche Bildhauerin Isa Genzken mit ihren sinnverwirrenden Installationen von Platz 90 auf 63 und die Afroamerikanerin Kara Walker mit ihren illuminierten Scherenschnitten von Rang 85 auf Platz 59 .

Königsklasse: Sammler lieben Malerei - vor allem die nach Fotovorlagen geschaffenen Schönheitsdrogen von Richter. Sein "Düsenjäger" von 1963 erzielte bei der New Yorker Abendauktion im November 2007 bei Christie's den Rekordpreis von 7,7 Millionen Euro.
Sechs Novizen tauchen erstmalig oder wieder unter den Top 100 auf. Ihnen gebührt besondere Aufmerksamkeit, denn hier zeichnen sich vielversprechende Karrieren ab - und die Preise für ihre Werke sind in der Regel noch erschwinglich. Zumal die Neuen mit einem facettenreichen künstlerischen Spektrum punkten - vom Japaner Hiroshi Sugimoto (Platz 79), der mit monumentalen Fotobildern beeindruckt, bis zu den abstrahierten Städteporträts und donnernden Filmen der Engländerin Sarah Morris (Rang 98).

Auf den ersten Blick stellen die Protagonisten des neuen Kunstkompasses ein Kaleidoskop unterschiedlichster Konzepte, Nationen und Generationen dar. Dennoch lassen sich zwei Trends identifizieren.

Erstens bleibt die Malerei in sämtlichen Spielarten die Königsdisziplin. Unter den Top 20 im Kompass finden sich allein sechs Maler. Neben den Spitzenreitern Richter, Polke und Baselitz etwa auf Platz 11 Anselm Kiefer. Der deutsche Mythenmaler erlebt nach dürren resonanzlosen Jahren wieder starkes Interesse an seinen geschichtsträchtigen Werken.

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Zweitens behaupten sich die Aktivisten, die ihre Kunst mit Kamera und Computer betreiben, ungebrochen stark. Unter den ersten 25 Positionen überzeugen allein elf Foto- und Medienkünstler: Neben Trockel und Sherman etwa der politisch hellwache südafrikanische Filmzeichner William Kentridge (Platz 10), der US-Videomystiker Bill Viola (Rang 13) oder die mitreißende Schweizer Medienqueen Pipilotti Rist (Platz 21) und das kauzige, ebenfalls schweizerische Duo Peter Fischli und David Weiss (Rang 22).

Ruhm, Qualität und Preis korrelieren eindeutig - was die Wertentwicklung der im Kompass vertretenen Künstler über die vergangenen 38 Jahre eindrucksvoll nachweist. In der Regel zogen die Taxen für die Werke von Künstlern, die im Ranking aufstiegen, auch bald kräftig an. Kluge (und sehr vermögende) Sammler sollten deshalb ganz besonders auf die Aufsteiger an der Spitze achten - wie die Historie zeigt.

© manager magazin 11/2008
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