Dienstag, 12. November 2019

Umweltpolitik Die Gase der anderen

Hans-Werner Sinn hält den deutschen Kurs beim Klimaschutz für "absurd". "Niemand muss in Deutschland das Licht ausknipsen oder sonstwie auf Energie verzichten, um das Klima zu schützen", ist der Chef des Ifo-Instituts im Gespräch mit manager magazin überzeugt.

mm: Herr Professor Sinn, viele Klimaforscher und auch Umweltökonomen versuchen sich inzwischen möglichst klimaschonend zu verhalten: verzichten aufs Auto, wohnen energiesparend, essen kein Fleisch. Wenn wir Ihr Buch richtig verstehen, halten Sie das für Quatsch.

Ifo-Chef Sinn: "Kostet Wohlstand, nützt kein bisschen"
Sinn: Ja, sicher.

mm: Alles total irrational?

Sinn: Wenn man Geld sparen will - okay. Aber niemand muss in Deutschland das Licht ausknipsen oder sonstwie auf Energie verzichten, um das Klima zu schützen.

mm: Warum?

Sinn: Weil man damit nichts erreicht. Wir haben einen europäischen Handel mit Zertifikaten, die zum CO2-Ausstoß berechtigen. Es gibt eine feste Menge, die ausgestoßen werden darf. Die zwangsläufige Folge davon ist: Wenn wir hier CO2 einsparen, senken wir die Nachfrage nach Emissionszertifikaten, sodass andere mehr emittieren können.

mm: Das heißt: Der Ausbau von Wind- oder Solarenergie ist irrational?

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Sinn: Jedenfalls hilft das dem Weltklima nicht. Der CO2-Ausstoß bleibt konstant. So funktioniert das System nun mal. Dazu kommt, dass Energiesparen bei uns die Nachfrage und damit die Energiepreise senkt, sodass die Scheichs nur noch mehr Öl aus dem Boden pumpen, das dann eben andere - die Chinesen, die Amerikaner - verbrauchen. Diese Erkenntnisse liegen für mich im Bereich der Trivialitäten.

mm: Und die Bundesregierung tappt ahnungslos in die Klimafalle?

Sinn: Das ist mein Eindruck. Ich habe das Gefühl, die kennen die ökonomischen Zusammenhänge nicht. Der physikalische Sachverstand ist da stärker ausgeprägt als der ökonomische.

mm: Deutschland spielt seit Langem eine Vorreiterrolle im Umweltschutz. Entstehen so nicht technologische Vorteile?

Sinn: Industriepolitisch kann man das so sehen. Den CO2-Gehalt der Erdatmosphäre werden wir damit aber nicht stabilisieren. Um es klar zu sagen: Die fehlgeleitete und irrationale Klimapolitik der Bundesregierung, die absurderweise vor allem auf den Ausbau der Solarenergie setzt, kostet uns eine Menge Wohlstand und nützt dem Weltklima kein bisschen.

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© manager magazin 11/2008
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