Montag, 18. November 2019

Enercon Vom Winde verwöhnt

4. Teil: E-Ship 1 - eine maritime Revolution

Sicherheit sucht der Mittelständler aus Aurich in Autonomie. Gewinne hat er stets ins Unternehmen gesteckt, er gilt als komfortabel finanziert.

Gemiedenes Terrain: Große Energiekonzerne schwärmen von Offshore Windparks, Wobben aber will mit seinen Rädern an Land bleiben
Möglichst wenig will er von Zulieferern abhängig sein. Das Gros seiner Bauteile produziert er selbst, sogar eine eigene Gießerei lässt er jetzt hochziehen. Die Fertigungstiefe von Enercon liegt bei gut 80 Prozent; die deutschen Autohersteller begnügen sich mit knapp 30 Prozent.

Und Wobben hört nicht auf, seine Entwickler zu triezen. "Die Kosten - ob es Stahl ist oder andere Dinge - steigen sehr stark", argumentiert er; außerdem sinke der garantierte Abnahmepreis für Windstrom. "Da muss man sich natürlich auf den Hosenboden setzen und gucken: Was können wir verbessern?"

Das klingt schon fast nach konventionellem Management mit Kostenklauben und viel Klein-Klein. Doch auch da büxt Wobben aus. Bei aller Bodenhaftung: Das Träumen vom Neuen, ja Fantastischen, hört bei ihm nie auf.

Er und die Seinen gehen einer Fülle von Nebengeschäften nach, die anregend nach Ökologie und Zukunft schmecken. Enercon fertigt Produkte für die Meerwasserentsalzung und die Nutzung von Wasserkraft. Wobben ließ ein 130 Meter langes Frachtschiff bauen, das teils mit an Bord erzeugtem Windstrom, teils mit Diesel fahren soll. In einem halben Jahr will der Erfinder sein "E-Ship 1" auf die Ozeane schicken - als Boten einer maritimen Revolution.

Die allergrößten Hoffnungen setzt er auf neuartige Speichertechniken für Elektroautos, an denen er eifrigst forscht. Erst wenn auch Autos mit Windstrom fahren, meint er, sei sein Auftrag erfüllt.

Nur eine Vision lässt der Norddeutsche hartnäckig aus: die Vorstellung von riesigen Windparks auf hoher See - "offshore", wie die Experten sagen. Davon schwärmen derzeit besonders die großen Energiekonzerne. Wobben aber will mit seinen Rädern an Land bleiben. Offshore-Parks hält er für zu aufwendig, störanfällig - letztlich unrentabel. Und er kann auf gute Kronzeugen bauen. In seiner Firma arbeiteten ja lauter Ostfriesen, viele von ihnen auf Inseln aufgewachsen; die wüssten, wie rau die See wirklich ist.

Gut möglich, dass die Windfänger vom Binnenland das auch noch merken.

© manager magazin 11/2008
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