Donnerstag, 21. November 2019

Enercon Vom Winde verwöhnt

2. Teil: Niedere Politiker werden abgewimmelt

Im Betrieb tritt der Gründer auf, als müsse er immer noch alles selbst machen. Keine Entscheidung von Rang fällt ohne ihn. Er ist und bleibt der erste Kopf des Hauses. Nur im Tagesgeschäft gab er ein paar Kompetenzen ab.

Auserwählter Besuch: Bundespräsidenten Horst Köhler empfängt Aloys Wobbe noch, niedere Politiker hingegen wimmelt er ab
Deutlich verändert hat sich allerdings sein Verhältnis zur Öffentlichkeit. Den Bundespräsidenten empfängt er noch. Niedere Politiker hingegen wimmelt er ab - aus Furcht vor Zeitverschwendung, aber auch aus einer gewissen Divenhaftigkeit.

Der Presse verschließt er sich völlig, seit durchsickerte, dass mit den Milliardenumsätzen auch ein potenzielles Milliardenvermögen des Alleineigentümers einhergeht. Aloys Wobben ein reicher Mann? So was liest er gar nicht gern. Und schweigt trotzig.

Milliarden und Glamour stehen ihm wirklich nicht. Dazu ist er viel zu bodenständig sozialisiert. Auf einem kleinen Bauernhof im Emsland wurde er groß, musste wie sein älterer Bruder kräftig mit anpacken. Eine Lehre machte ihn zum Elektromaschinenbauer. Nach ein paar Berufsjahren griff er höher, studierte Elektrotechnik in Osnabrück und Braunschweig.

1984, mit 32 Jahren, eröffnete er seinen eigenen Betrieb. In Aurich, mitten in Ostfriesland. Ein gewagter Schritt - auch geografisch. Wobbens Heimat, das Emsland, grenzt zwar an Ostfriesland. Verschiedene Konfessionen aber - die Ostfriesen mehrheitlich protestantisch, die Emsländer katholisch - halten beide auf Distanz. Aloys Wobben ist obendrein mit einem auffällig katholischen Vornamen gesegnet.

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Den Grenzübertritt hat er dennoch bestens verkraftet. Zufrieden und geachtet lebt Wobben mit seiner Familie auf einem Gutshof am Rande Aurichs. Die Ostfriesen halten ihn längst für einen der ihren. Stur genug ist er ja. Und ein Segen fürs Land.

Kein Industrieller der Region beschäftigt mehr Menschen als er. Seine Gewerbesteuer saniert das hoch verschuldete Aurich. Seine Bauten an allen Enden der Stadt signalisieren einen Aufbruch, den niemand dem entrückten Ort zugetraut hat. Am Hauptsitz von Enercon, einem Komplex halbhoher Backsteingebäude, wird es eng. Bürocontainer wuchern an den hinteren Mauern - schon wieder fehlt Platz für Mitarbeiter. Die Wiese nebenan gehört Wobben schon. Das Windwunder greift aus.

Die Blüte verdankt Wobben dem Mut zur Einfachheit. Bei seinen Windrädern verzichtet er auf ein Getriebe. Das aber steigert ihre Zuverlässigkeit enorm. Denn üblicherweise geht mehr als die Hälfte der Ausfälle von Windkraftanlagen auf Schäden am Getriebe zurück.

© manager magazin 11/2008
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